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So bewahren Ihre Bilder die Fassung

Alles im passenden Rahmen


Ein Rahmen fasst ein Bild ein und begrenzt es. Der Rahmen ist
somit direkter Vermittler zwischen dem Kunstwerk und dem Raum.
Mit Hilfe eines gut gewählten Rahmens wird ein Bild hervorgehoben und dem Betrachter optimal präsentiert. Karin Havlicek stellt in ihrem Buch „Bilder richtig rahmen" unterschiedliche Rahmen und ihre Verwendung vor.

Der richtige Rahmen muss proportional, farblich und in der Machart zum Bild passen und das Bild schützen. Der Rahmen sollte niemals gewichtiger sein als das Bild. Des Weiteren sollte er sowohl von vorne als auch von hinten fachlich gut und sauber gearbeitet sein. Der Bildeinbau muss den Regeln des konservatorischen Bildeinbaus und der Handwerkskunst entsprechen. Dies bedeutet, dass die Montage des Kunstwerkes im Rahmen aus konservatorischen Gründen den höchsten Stellenwert hat, denn nur die richtige und reversible Einbautechnik stellt sicher, dass das Bild dauerhaft geschützt ist. Weiterhin ist für die Auswahl eines Rahmens der Wert des Kunstwerkes von großer Bedeutung. Handelt es sich um ein Unikat wie eine Radierung, eine Collage oder eine Leinwand, so liegt die Wahl eines Modellrahmens nahe. Bei Kunstdrucken oder Bildern, die vielfach hergestellt werden können, kann man eine günstigere Variante wählen. Ebenso spielt der ideelle Wert eines Bildes eine große Rolle. Ein Erbstück oder eine unwiederbringliche alte Fotografie rahmt man grundsätzlich hochwertiger als einen Abzug von einem digitalen Foto.
Grundsätzlich sollten alle Arbeiten auf Papier einen Rahmen mit Verglasung erhalten; Gläser mit UV-Schutz gibt es in vielen Varianten – bei Originalen ist es ein Muss. Alterungsbeständiges Zubehör und Kartonagen sind obligatorisch, unbedingt erforderlich ist in diesem Fall eine staubfreie Verklebung. Von größter Wichtigkeit ist, dass beim Bildeinbau zwischen der Papierarbeit und der Verglasung ein Abstand vorgesehen wird. Durch den Einbau von Abstandshaltern oder durch die Verwendung eines Passepartouts wird vermieden, dass die Papierarbeit mit dem Glas in Berührung kommt; so können beide nicht miteinander verkleben, falls Kondenswasser im Rahmen entsteht.
Eine Ausnahme bilden Werke, die zu reinen Präsentationszwecken für relativ kurze Zeit gerahmt werden, wie zum Beispiel für eine Ausstellung. In diesem Fall kommen aus finanziellen und technischen Gründen durchaus auch Wechselrahmen in Betracht, die nicht auf der Rückseite staubfrei verklebt werden, um das Auswechseln zu erleichtern. Für Ausstellungen eignen sich sehr gut Magnetrahmen, da der Ein- und Ausbau leicht vonstatten geht. Auch hier gilt, dass die Montage des Bildes auf dem Karton so vorgenommen wird, dass sich das Bild ohne Beschädigung wieder aus dem Rahmen entfernen lässt. Mittlerweile werden Distanzrahmen angeboten, die den Abstand zwischen Karton und Glas mit einer magnetischen Distanzleiste ermöglichen.
Oftmals wird nach der Präsentation ein Bild gemäß Kundenwunsch individuell gerahmt. Entscheidet sich der Kunde für einen Holzrahmen, so lässt das Angebot der Rahmenindustrie keinen Wunsch offen. Die Holzart sieht immer harmonisch aus, wenn der Rahmen, der natürlich in erster Linie zum Bild passen muss, auch noch mit dem Parkett und dem Einrichtungsstil harmoniert. Des Weiteren gibt es eine große Auswahl an Metall- oder Aluminiumrahmen in sämtlichen Formen, Farben, Strukturen und Glanzgraden, die ein Bild ebenso gut präsentieren können. Zeitgenössische Leinwände können sowohl in Schattenfugenrahmen als auch in klassischen Rahmen mit Falz gerahmt werden. Der Rand der Leinwand wird bei Schattenfugenrahmen nicht verdeckt. Landschaften mit Darstellungen der Ferne werden durch profilierte Rahmen sehr gut präsentiert und erhalten durch diese zusätzliche Tiefe. Zeichnungen kommen schlicht und filigran gerahmt hervorragend zur Geltung. Historische Kunstwerke wirken am besten in stilistisch passenden Rahmen oder in einem Originalrahmen, der eventuell restauriert werden muss. Falls es keinen Originalrahmen zu dem historischen Bild gibt, kann man in einer Fachwerkstatt ein Replikat herstellen lassen. Man unterscheidet im Wesentlichen Rahmen aus Fertigleisten und handgearbeitete Rahmen.
Die Verwendung von Fertigleisten bedeutet, dass die circa drei Meter lange Leiste, die als Stangenware oder im Zuschnitt erhältlich ist, von der Rahmenindustrie in jeder Hinsicht vollends fertig bearbeitet ist. Rahmen aus Fertigleisten werden entweder per Zuschnitt im Falzmaß, lichten Maß oder Außenmaß bestellt. Der Zuschnitt wird geliefert oder per Versand zugestellt. Die vier Leisten auf Gehrung werden im Atelier verleimt und von hinten an den Ecken gesichert. Auf Wunsch erhält man auch fertig verleimte Rahmen. Sofern das Leisten verarbeitende Atelier mit einer Gehrungssäge ausgestattet ist und über Lagermöglichkeiten verfügt, werden die Stangen bestellt, im Liegen oder Stehen gelagert und nach Bedarf zugesägt. Bei Rahmen aus Fertigleisten ist der Gehrungsschnitt immer sichtbar. Die Oberfläche von industriell gefertigten Leisten ist nahezu perfekt homogen. Rahmen aus Fertigleisten sind preislich günstiger als handgearbeitete Rahmen.
Handgearbeitete Leisten und Rahmen werden von einer Fachwerkstatt hergestellt. Viele Leistenhersteller haben ein eigenes Atelier, in dem auch Rahmen in Handarbeit gefertigt werden. Bei handgearbeiteten Rahmen können Bearbeitungs- und Werkzeugspuren sichtbar sein, die Oberfläche kann welliger sein und Unregelmäßigkeiten aufweisen. Oftmals sind die Kanten nicht so scharf wie die eines Fertigrahmens. Die Gehrungen sind überarbeitet, so dass der Rahmen wie aus einem Guss erscheint. Ein handgearbeiteter Rahmen wird eigens für ein Kunstwerk hergestellt und bildet, wenn er gut gemacht ist, eine Einheit mit dem Bild. Rahmenprofile können breit oder filigran sein, profiliert oder schlicht, massiv oder furniert, glatt oder wellig.
Mancher Künstler, Architekt oder Handwerker hat eine eigene Vorstellung von der Rahmung und entwickelt ein neues unverwechselbares Modell. Der Rahmen ist dann nach seinem Namen benannt. Aufgrund der vielen im Handel erhältlichen Varianten von Leisten und Rahmen zunächst eine kurze Übersicht über die gängigsten Rahmen und ihre Verwendung.

Kastenrahmen

Kastenrahmen haben immer eine kantige, gerade Form. Von vorne betrachtet ist der Rahmen eher schmal, von der Seite her erheblich tiefer. Daher der Name Kastenrahmen oder Vitrine. Der klassische Kastenrahmen ist überwiegend aus Holz, massiv oder furniert. Die Holzoberflächen werden in allen Varianten angeboten, bei denen die Holzmaser sichtbar ist, und auch deckend lackiert. Aufgrund der schlichten Eleganz und einfachen Form ist der Kastenrahmen sehr beliebt und wird in nahezu allen Farben und mit veredelten Oberflächen angeboten. Ein gut verarbeiteter Kastenrahmen ist an den Gehrungen geleimt und mit einer Feder versehen.
Naturholzrahmen
Naturholzrahmen haben meist eine gerade, schlichte Form. Oftmals ist ein sogenannter Kastenrahmen aus Massivholz gemeint, wenn von einem Naturholzrahmen gesprochen wird. Es gibt ihn in allen erdenklichen Holzarten und Formen. Wenn die Holzverarbeitung stimmt, das heißt, das Holz keine störenden Holzfehler hat und bei optimaler Holzfeuchte von etwa 10 bis 12 Prozent verarbeitet wurde, lassen sich auch extreme Formen von Kastenprofilen herstellen. Bei einem Naturprodukt aus Holz dürfen aber durchaus die Maserung oder Äste sichtbar sein. Von höchster Qualität sind Naturholzrahmen, die an den Ecken sichtbare Federn aus dem gleichen Holz aufweisen. Diese eingeleimten Einsätze sind ein besonders schönes Detail, da hier Hirnholz auf Längsholz trifft. Je nach Profilhöhe können unterschiedlich viele Holzfedern eingesetzt werden. Diese Art der Eckverbindung ist zudem eine gute Sicherung der Gehrung. Naturholzrahmen werden roh, geölt, lasiert oder lackiert angeboten. Beim Kauf sollte man darauf achten, dass zertifizierte Hölzer aus vorbildlicher Waldwirtschaft verwendet werden (www.fsc.org).

Modellrahmen

Modellrahmen sind Qualitätsrahmen, die von einer Fachwerkstätte in anspruchsvoller Handarbeit hergestellt werden. Massive rohe Holzleisten, die exakt auf Maß zugeschnitten werden, sind das Grundgerüst eines Modellrahmens. Die gesägten Leisten werden an den Gehrungen verleimt und danach durch Nägel oder von hinten zusätzlich durch Klammern, Federn oder Eckwinkel gesichert. Das Hauptmerkmal eines solchen Rahmens ist, dass die Gehrungen nicht durch einen Schnitt an der Ecke sichtbar sind, sondern der Rahmen wie aus einem Guss erscheint. Der Holzrahmen wird sehr aufwendig zuerst mit Leimtränke bearbeitet, danach mehrfach mit Kreidegrund grundiert und einige Male geschliffen. Zwischen den einzelnen Grundierungsschichten werden die Gehrungen doubliert, damit sie geschlossen bleiben. Zum Schluss wird der Rahmen farbig gefasst oder vergoldet und entsprechend getönt. Es bedarf fast zwanzig Arbeitsschritte, um einen Modellrahmen herzustellen. Er kann durch die reine Handarbeit in Proportion, Stil, Machart und Tönung genau passend zum Bild angefertigt werden. Da Modellrahmen überwiegend in einem Vergolderatelier oder Rahmenstudio hergestellt werden, nennt man sie auch Vergolderrahmen, Atelier- oder Studiorahmen. Diese hochwertige Art der Maßanfertigung hat ihren gerechtfertigten Preis.

Originalrahmen

Ein Originalrahmen ist ein seit seiner Herstellung in Größe, Farbe und Form unverändert gebliebener historischer Rahmen. Aus diesem Grund hat er einen gewissen Wert. Außer Festigungs- oder Sicherungsarbeiten und reversiblen Retuschierarbeiten, die lediglich der Zustandserhaltung dienen, sollte an einem Originalrahmen keine große Veränderung vorgenommen werden, da es sich nach umfassenden Restaurierungsarbeiten schlichtweg nicht mehr um einen solchen handelt. Da ein Originalrahmen von seinen Maßen her nicht um jedes x-beliebige Bild passt, kann man bei der Rahmung einer Leinwand eine Einlage fertigen, die dann in den Originalrahmen eingesetzt wird. Bei der Rahmung einer Grafik lassen sich unterschiedliche Proportionen gut mit einem Passepartout ausgleichen. Ein Originalrahmen darf vom Bildeinrahmer nicht eigenmächtig zugeschnitten werden. Ein historisches Bild in einem historischen Rahmen bildet eine Einheit, die nicht getrennt werden sollte.

Stilrahmen

Stilrahmen sind Rahmen mit Stilelementen aus historischen Epochen, wie zum Beispiel Renaissance, Barock oder Empire. Sie weisen die unverkennbaren Elemente der jeweiligen Epoche auf wie Zierbänder, Schnitzereien oder Ornamente. Stilrahmen sind sowohl als industriell gefertigte, meist metallisierte Leistenware im Handel als auch in vergoldeter oder gefasster Form in einer Vergolderwerkstatt oder im Fachhandel erhältlich. Die Kombination von moderner Malerei mit einem Stilrahmen sieht durchaus reizvoll aus. Stilrahmen sind günstiger als Replikate, da sie in großen Stückzahlen angefertigt werden.

Replikate

Replikate, in der Branche auch Replikas genannt, sind neu hergestellte Rahmenkopien, die nach historischen Vorbildern gearbeitet werden und – zum Teil täuschend echt – mit Gebrauchsspuren wie Dellen, durchgeriebenen Kanten, künstlich hergestellten Wurmlöchern, offenen Gehrungen und Kratzern versehen sind. Diese Art der Kopierkunst ist sehr schwierig und erfordert sehr viel Fachkenntnis über historische Bilderrahmen sowie Erfahrung und Können in der Kunst des Fassens und Vergoldens. Ferner muss der betreffende Kunsthandwerker mit Rahmenprofilen arbeiten, die detailliert nach historischen Vorbildern hergestellt sind. Die Machart, die Holzauswahl, die Eckverbindungen, die Art des Verleimens, die Oberfläche und alle für ein Replikat verwendeten Materialien, sollten dem Original genau entsprechen. Eine gute Rahmenkopie ist auf den ersten Blick nicht von einem Original zu unterscheiden. Replikate bieten sowohl für historische Bilder wie auch für moderne Kunst eine schöne Umrandung. Eine gute Rahmenkopie kann preislich in der Höhe eines Originalrahmens liegen.

 Tipp
Wenn das Profil eines Rahmens nachgefräst werden muss,
kann man das Profil mit einem sogenannten Profilkamm exakt abnehmen.

Schattenfugenrahmen

Mit dieser schlichten Rahmung kommen zeitgenössische Leinwände auf Keilrahmen hervorragend zur Geltung. Die Rahmung ist reduziert und funktional. Schattenfugenrahmen gibt es in allen erdenklichen Ausführungen, wobei das Prinzip stets das gleiche ist: Ein Rahmen, hergestellt aus einem L-förmigen Profil, wird von hinten am Keilrahmen befestigt. Da das Falzmaß des Rahmens etwas größer ist als das Außenmaß der Leinwand, entsteht zwischen der Außenkante des Bildes und der Innenkante des Rahmens ein Abstand und somit ein Schatten. Je nach Größe beziehungsweise Breite der Schattenfuge ist der seitliche Rand der Leinwand komplett sichtbar. Bei der Auswahl eines solchen Rahmens muss bedacht werden, dass dies eventuell störend sein kann, wenn der Rand einer Leinwand nicht vollständig bemalt oder beschädigt ist. Die Breite der Schattenfuge ist individuell bestimmbar, aus technischen Gründen jedoch gewissen Einschränkungen unterworfen; in der Regel liegt sie bei einem Zentimeter allseitig. Leinwände auf Keilrahmen sind nicht immer „im Winkel“. Bei der Breite von 1 cm fallen kleine Abweichungen der Leinwand nicht auf. Wählt man die Breite der Schattenfuge dagegen kleiner, so fällt es extrem auf, wenn das Bild nicht im Winkel ist, da die Schattenfuge dann nicht allseitig gleich ist. Ist die Schattenfuge größer als 15 Millimeter, verliert das ganze Konzept an Wirkung. Eine Schattenfuge sollte also nicht kleiner als sieben Millimeter und nicht größer als 12 Millimeter sein; die Falzhöhe muss etwa fünf Millimeter größer sein als die Gesamtstärke der Leinwand. Mit Gesamtstärke ist dabei die Stärke des Keilrahmens zuzüglich der Stärke des Umschlags der Leinwand auf der Rückseite gemeint. Nur wenn der Schattenfugenrahmen über das Bild hinaussteht, dessen Oberkante also höher liegt als die Oberkante der Leinwand, stellt der Rahmen einen Schutz für das Bild dar. Schattenfugenrahmen sollten nie plan mit dem Bild sein oder gar zurückstehen. Sie eignen sich sehr gut als Einlage, auch für historische Gemälde, wenn das ganze Bild sichtbar sein soll, und sind in allen möglichen Ausführungen erhältlich. Die gängigsten Schattenfugenrahmen sind aus Massivholz oder furniert. Es gibt aber auch Rahmen aus Aluminium oder Eisen, die noch filigraner sind als die ohnehin eher schlichten Varianten aus Holz.

Alurahmen

Aluminiumrahmen haben einen sehr großen Vorteil. Das Material ist sehr leicht und trotzdem stabil, so dass es sich besonders für die schlichte Rahmung von großen Formaten eignet. Die Rahmenindustrie kann mit Aluminium sehr filigrane und trotzdem stabile Profile herstellen. Alurahmen gibt es im Zuschnitt auf Maß und in den gängigen Wechselrahmenformaten. Zuschnitte werden in der Regel mit Zubehör vom Hersteller geliefert und vor der Einrahmung mittels Stabilitätswinkeln und Schrauben zusammengefügt. Die Varianten im Hinblick auf Farbe, Glanzgrad und Oberflächenstruktur sind nahezu unerschöpflich. Die Oberflächen sind matt, glänzend, strukturiert, gebürstet oder auch furniert lieferbar. Es gibt sogar Aluminiumleisten, die auf den ersten Blick wie Stilrahmen aussehen. Alurahmen sind leicht zu pflegen, da sie feucht abgewischt werden können; eine Beschädigung ist jedoch meist nicht mehr auszubessern.

Wechselrahmen

Der Entwicklung des Wechselrahmens lag die Idee zu Grunde, dass jeder eine Papierarbeit selbst und auf unkomplizierte Art und Weise einrahmen kann. Da die einfache Handhabung es auch erlaubt, das Bild schnell und einfach auszuwechseln, sind Wechselrahmen ideal für Galeristen oder Künstler, die häufig wechselnde Ausstellungen zeigen. Ein Wechselrahmen besteht immer aus drei zueinander passenden Komponenten: einem Leerrahmen, einem Glas mit geschliffenen Kanten und einer Rückwand mit Aufhängung. Er ist häufig preislich günstiger erhältlich, da er in Serie hergestellt wird; die einzelnen Teile, wie zum Beispiel die Art des Glases, sind dabei aber meistens nicht frei wählbar. Gab es Wechselrahmen früher nur in wenigen Standardgrößen, so ist heute eine Vielzahl an Formaten auf dem Markt. Je nach Hersteller sind Wechselrahmen aber auch nach Maß erhältlich. Ähnliches gilt für die Profile. Wechselrahmen in Fotoformaten sind hinten oft mit einem praktischen Aufsteller versehen. Die Rückwand besteht in der Regel aus einer MDF-Platte und einem vorgestanzten Einlegeblatt, das man als Passepartout nutzen kann. Die Kartons sind leider nicht immer säurefrei. Die Qualität der Gehrungssicherungen und die Passgenauigkeit der Gläser wurden im Laufe der letzten Jahre enorm verbessert; die Bruchsicherheit wurde erhöht, da der Abstand zwischen Glas und Falz nur noch bei maximal einem bis zwei Millimeter liegt.
Wenn man einen Wechselrahmen mit dem Format 70 x 100 Zentimeter kauft, ist hier das Maß der Rückwand beziehungsweise des Glases in Zentimetern gemeint und nicht etwa das Außenmaß. Das Falzmaß des Rahmens ist dann meist 2 Millimeter größer. Mit der Entwicklung der Drucktechniken, dem zunehmenden Angebot von Kunstdrucken und Fotografien und letztendlich auch mit dem Handel im Internet hat sich das Angebot an Wechselrahmen extrem weiterentwickelt und diesen zu einem Qualitätsprodukt werden lassen, das es mittlerweile in allen gängigen Größen, Formen, Farben, Ausführungen und Qualitäten gibt. Wenn man eine entsprechende Lieferzeit in Kauf nimmt und eine entsprechende Stückzahl ordert, kann man auch Wechselrahmen auf Wunschmaß bestellen. Mittlerweile bieten viele Hersteller auch eine Auswahl an hochwertigen Gläsern an. Was die Qualität des Glases betrifft, verwenden die Hersteller immer häufiger Acrylglas, da es weitgehend bruchsicher ist und einen fast 100-prozentigen UV-Schutz bietet. Wechselrahmen sind bei der Lieferung überwiegend mit Schutzecken bestückt und manchmal mit einer Folie eingeschweißt. Das Glas ist bereits geputzt. Problematisch bei Wechselrahmen war früher, dass Papierarbeiten direkten Kontakt mit dem Glas hatten, da aufgrund der vorgegebenen Nut im Falz kein zusätzliches Passepartout einzulegen beziehungsweise kein Abstandshalter anzubringen war. Hier hat die Industrie inzwischen reagiert. Es gibt mittlerweile Passepartouts in sehr geringen Stärken, und die Mechanik der Federn oder Clips ist flexibler geworden, so dass der Spielraum größer ist. Einige Hersteller arbeiten auch mit einem exakten Schraubsystem.

Tipp
Ein Wechselrahmen wird nicht staubfrei verklebt.

Magnetrahmen
Auch Magnetrahmen gibt es heute in vielfältigen Varianten, die alle im Laufe der Jahre nach den Richtlinien der konservatorischen Bildeinrahmung optimiert wurden. Das Besondere an diesen Rahmen ist, dass Bilder von der Vorderseite aus gerahmt werden können und die staubfreie Verklebung wegen der Passgenauigkeit entfällt. Der Bildeinbau ist sehr einfach zu bewerkstelligen und geht extrem schnell. Einen solchen Magnetrahmen kann man sich individuell aus einem umfangreichen Bestellkatalog zusammenstellen. Der klassische Magnetrahmen besteht aus mehreren Komponenten: Einem Rahmen aus Holz oder Aluminium, dessen Profile mittels vier Eckwinkeln solide zusammengefügt und umlaufend mit Magnetbändern ausgestattet sind. Der Rahmen wird einfach von oben auf das Grundelement aufgesteckt. Danach ist das Ganze staubdicht, sicher und stabil. Zum Magnetrahmen gehören außerdem ein Glas mit geschliffenen Kanten und ein Grundelement mit alterungsbeständigem Bildträger.
Das stabile Grundelement besteht aus einem Verbund von magnetischen Aluzink-Blechwinkeln, die in den Ecken dauerhaft miteinander verbunden sind, einer passgenauen Hartschaumplatte und dem eingepassten Bildträger. Die Einlegetiefe ist dabei variabel. Die Elemente aus Metall sind aus konservatorischer Sicht für Kunstwerke unbedenklich. Das Grundelement übernimmt gleich mehrere Funktionen: Es gibt dem Rahmen Stabilität, da es passgenau mit der Rahmenleiste zusammengesteckt werden kann; es hat rückseitig Stanzlöcher zur Wandbefestigung oder Präsentation an Galerieschienen und zur Diebstahlsicherung; es fasst die Rückwand und den Bildträger, auf dem das Bild direkt von oben montiert werden kann, sicher ein; mit den Distanzleisten dient es als Falz für das exakt passende Glas. Die Glassorte kann für jeden Magnetrahmen individuell bestimmt werden. Die Rahmenprofile sind konsequent schlicht und damit zeitlos. Europäische Holzarten wie Ahorn, Eiche, Erle und Nussbaum in den verschiedensten Ausführungen treffen den Zeitgeschmack. Verwendet man einen Distanzrahmen, können auch Arbeiten auf starkem, welligem Büttenpapier, mehrschichtige Collagen oder dickere Stoffbilder mit Abstand zum Glas eingerahmt werden. Genannt seien hier noch zwei Sonderformen: der Conservo-Magnetrahmen und der Protect-Magnetrahmen. Ersterer ist mit einer Rückwand aus einem stabilen, alterungsbeständigen Wellkarton bestückt, der auch für die Rahmung von Originalgrafik geeignet ist. Die Einlegetiefe kann bis 16 Millimeter individuell bestellt werden; damit die Luft gleichmäßig hinter dem Rahmen zirkulieren kann, besitzt er auf der Rückseite verstellbare Wandabstandshalter mit Filzpunkten. Als Weltneuheit ist der Protect-Magnetrahmen zu bezeichnen, der es erlaubt, die Luftfeuchtigkeit im Inneren eines Rahmens mittels ProSorb konstant zu halten und zu kontrollieren. Dies geschieht mit Hilfe eines in den Rahmen integrierten Thermohygrometers, dessen Skala auf der Rahmenrückseite durch einen abgedichteten Ausschnitt sichtbar ist. Der Rahmen sollte vor dem Bildeinbau 24 Stunden geöffnet sein, damit er sich konditioniert. Der Bildeinbau muss also vorab genau geplant werden, denn ab dem Zeitpunkt der Verriegelung mit einem Spezialschlüssel, wird die Luftfeuchtigkeit im Rahmen für mindestens sechs Monate so bleiben. Auf Wunsch und mit Aufpreis können die Messwerte von Temperatur und relativer Luftfeuchte permanent per Datenübertragung auf eine Internetplattform übermittelt werden, was eine lückenlose Kontrolle des Mikroklimas im Rahmen an jedem Standort auf der Welt ermöglicht. Durch den konstanten Feuchtigkeitsausgleich ist es möglich, auf diese Weise gerahmte Kunst sicher bei schwierigen klimatischen Bedingungen zu präsentieren, zu transportieren oder zu lagern.

Tipp
Falls beim Bildeinbau keine Idealbedingungen vorliegen, legt man die ProSorb-Säckchen circa fünf Minuten in kaltes Wasser, trocknet sie ab und setzt sie wieder ein. Die relative Luftfeuchte im Rahmen steigt an. Vorgang wiederholen, bis der Idealwert von 50 Prozent erreicht ist.

Empfehlung
„Bilder richtig rahmen“
von Karin Havlicek

Karin Havlicek vermittelt in ihrem Buch
„Bilder richtig rahmen“ die Grundlagen für den
sorgsamen Umgang mit zeitgenössischen
und historischen Werken.

Schritt für Schritt zeigt sie die Arbeiten des
konservatorischen Bildeinbaus. Hinzu kommen
die verschiedensten Möglichkeiten der Rahmung
und Montage sowie klassische und moderne
Formen der Bildpräsentation, kurzum, ein unentbehrliches Grundlagen-
und Nachschlagewerk für Einrahmer, Vergolder,
Künstler, Sammler, Galeristen, Restauratoren,
Museumsfachleute, Innenarchitekten.

Pappband, 208 Seiten, 23 x 25 cm, mit 275 Farbfotos.
ISBN: 978-3-421-03912-5
CHF 66,90 EUR 49,99 (D), EUR 51,40 (A)



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