Handwerk

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Restaurierung
Die wichtigsten Techniken zum Schutz von Bildern

Die Restaurierung von Gemälden oder Rahmen zählt zu den anspruchsvollsten Herausforderungen, denen sich ein Einrahmer stellen kann. Wer hier Fehler macht, kann nicht nur einen enormen wirtschaftlichen Schaden anrichten, sondern möglicherweise wertvolles Kulturgut unwiederbringlich zerstören. Wie in vielen anderen Bereichen auch, gibt es bei derRestaurierung Entwicklungen. Heute wird wesentlich vorsichtiger und dezenter eingegriffen als in der Vergangenheit. Oberste Priorität hat das Erhalten und Konservieren des noch vorhandenen Bestandes. Paul-Bernhard Eipper, Leiter des Referats Restaurierung am Universalmuseum Joanneum Graz, hat die wichtigsten zeitgemäßen Techniken zusammengefasst.

Sic duo faciunt idem, non est idem. So zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe. Diese Aussage beschreibt treffend die Ursache vieler Streitereien, die im Bereich der Restaurierung von Werken der bildenden Kunst anzutreffen sind. Angesichts des leider immer noch nicht bundeseinheitlich geklärten Berufsschutzes und trotz der Ausbildung auf Hochschulniveau, seien hier allgemein verständlich die Themen Sicherung, Festigung, Rissverschweißung, Kittung, Oberflächenreinigung, Firnisabnahme, Retusche, Firnisauftrag und Rahmung vorgestellt.
Es gibt in unserer Zeit viele verschiedene Auffassungen, wie ein Restaurierungsergebnis auszusehen hat und noch mehr verschiedene Ansichten, mit welchen Methoden und Mitteln diese Ergebnisse zu erreichen sind. Der amüsante Ausspruch „Zwei Restauratoren, fünf Meinungen“ ist eine berüchtigte Tatsache. Sicherlich – ganz ohne Zweifel stellt jedes Kunstwerk seine spezifischen Anforderungen. Dennoch gibt es neben bestimmten Modeauffassungen und -mitteln viele ganz objektiv betrachtet schädliche Methoden und Mittel. Von einem heute tätigen Restaurator darf man erwarten, dass er nach der Analyse und Beprobung des Objektes die Wahl seiner Mittel begründen kann und diese wissenschaftlich fundiert sind.

Untersuchung
In der Regel erfolgen einfachere Untersuchungen mit dem Mikroskop, Ultraviolett- und Infrarot-Licht, Röntgentechnologie, Materialanalysen mit bestimmten naturwissenschaftlichen Analysemethoden und praktischen Tests.

Sicherung
Gesichert wird meist mit Japanpapieren und Hausenblasenleim/Störleim. Japanpapier ist ein handgeschöpftes, durchscheinendes Papier, das in der Restaurierung benutzt wird, um Lücken im Papier und Fehlstellen zu beheben beziehungsweise auszugleichen. Es wird mit Hausenblasen- oder Störleim – dies sind aufwendig herzustellende Fischleime – beschichtet, um Stellen zu verkleben, an denen möglichst wenig Feuchtigkeit verwendet werden soll.

Festigung
Dazu wird in der Regel erneut Hausenblasenleim oder Störleim mit dem Pinsel aufgetragen und gegebenenfalls mit Wärme (Infrarot oder Heizspachtel) behandelt.

Rissverschweißung
Leider werden noch heute Risse und Löcher von Gemäldeträgergeweben durch Aufkleben von Leinen- oder Baumwollflicken oder Gazegewebe, oder auch durch die Doublierung des gesamten Trägergewebes behoben. Dies führt auf Dauer gesehen zu starken Beeinträchtigungen und Veränderungen des Gemäldegefüges. Eine fachmännische Rissverschweißung bezeichnet die Verwendung von Kunstharzklebemitteln, deren Wasseranteil am Ort ihres späteren Verbleibs mit einer temperierbaren Nadel verdunstet wird. Nachdem das Planieren des Risses erfolgt ist, werden zerfaserte Fäden mit Methylcellulose neu verdrillt. Nach dem Ordnen und Fixieren der Fäden folgt der punktuelle Kleberauftrag mit (Insekten-) Nadeln auf die kurz darauf zu verschweißenden beziehungsweise zu verklebenden Fäden. Eine überlappende Verschweißung der Fäden bewährt sich gegenüber einer Verschweißung auf Stoß. Die Rissverschweißung ist der Rissverklebung an Festigkeit überlegen und widersteht höheren Zugbelastungen. Falls mit Mischungen aus homopolymeren und copolymeren Polyvinylacetat-Dispersionen gearbeitet wird, ist der Gebrauch einer auf 80 bis 90 Grad Celsius eingestellten Nadel allgemein üblich. Anschließend wird die behandelte Stelle beschwert. Daran schließt sich meistens eine Überbrückung mit Leinwandfäden an, welche mit demselben Klebemittel beschichtet sind.

Rissverklebung
Die Rissverklebung unterscheidet sich von der Rissverschweißung durch den fehlenden gezielten Einsatz von Wärme. Die Rissverklebung wird zumeist bei glatten Schnitten in Gemäldeleinwänden angewendet. Wie beschrieben kommen die ebenfalls für die Rissverschweißung verwendeten Klebematerialien zur Anwendung.

Kittung
Fehlstellen in der Malschicht werden mit Champagnerkreide/Hasenhautleimkitt geschlossen, wobei der Kitt weicher als die Umgebung ist. Das Verschleifen der Oberfläche erfolgt mit mikroporösen Schwämmen. Abgesperrt werden die Kittungen beispielsweise mit Schellack.

Oberflächenreinigung
Bei ausreichender Haftung erfolgt zuerst eine Trockenreinigung mit Fehhaarpinseln und nachfolgend, ab einem Mindestalter der Farbe von ungefähr zehn Jahren, kann eine Trockenreinigung mit Latex-Pulver oder -schwämmen (zum Beispiel Akapad) erfolgen. Nach der Prüfung, ob eine feuchte Reinigung unabdingbar ist, schließt sich bei nicht ausblutenden Farben der Einsatz von Zelluloseether (MC oder CMC) plus Nachreinigung in nicht demineralisiertem Wasser an. Nach in der Fachliteratur dokumentierten Untersuchungen mit dem Raster-Elektronen-Mikroskop, dem Niederdruck-Raster-Elektronen-Mikroskop, dem Laser-Profilometer und dem 3D-Streifenprojektionsverfahren auf Mikrospiegelbasis haben sich anschließende feuchte Reinigungen mit mikroporösen Schwämmen und geeigneten Tensidlösungen als besonders schonend erwiesen, wie beispielsweise der Einsatz des milden, wenig hygroskopischen, pH-neutralen, nicht vergilbenden, nicht-ionischen Tensides MarlipalÒ1618/25 (Fettalkoholethoxylat, C16-C18).

Retusche
Farbretuschen von Fehlstellen erfolgen zum Beispiel mit lichtechten Aquarell-, Gouache- oder Ölfarben.

Schlussüberzug
Falls notwendig erfolgen Überzüge der Oberfläche beispielsweise mit Wachs, Hydroxypropylethylcellulose (zum Beispiel Klucel) oder Harzfirnissen.

Rahmung
Die Befestigung von Gemälden im Rahmen erfolgt zumeist mit Metalllaschen oder Ringschrauben. Der Zierrahmenfalz sollte zuvor mit Wollfilz (nach EN 71) ausgekleidet werden. Gemälderückseitenschutz sollte vor die Objektrückseite montiert werden und einen möglichst großen Klimapuffer darstellen, das heißt, sehr hygroskopisch sein, kurzfristige Klimaschwankungen auffangen, frei von für das Gemälde gefährlichen chemischen Zusätzen und Leimen sein, die Rückseite eines Gemäldes so dicht verschließen, dass beim Transport die Leinwand einen Schutz vor Vibration erhält, einen Rückseitenlichtschutz darstellen, den Keilrahmen stabilisieren und einen Schutz vor Verstaubung darstellen.

Aufhängung
Unter Berücksichtigung von Außen- und Innenwänden ist ein Wandabstand einzuhalten, sonst wird der Kunstgegenstand Bestandteil der Raumschale. Vorsicht ist wegen der Zugluft bei Hängungen in Treppenhäusern geboten. Bei schwereren Gegenständen sollten immer Wanddübel verwendet werden. Zur Aufhängung sollten keine Nylon- oder Hanfkernseile sondern Messing- oder Edelstahlseile verwendet werden.

pbe



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