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Trockenreinigung von Gemälden
Schwamm drüber



Die Reinigung von historischen Oberflächen zählt zu den heikelsten Herausforderungen im Bereich der Restaurierung. Die Gefahr, dabei die Oberfläche zu beschädigen, ist nicht zu unterschätzen. Sorgfältig ist die Beschaffenheit der Oberfläche zu prüfen. Wenn möglich, sollte auf jeden Fall die trockene Reinigung mit geeigneten Schwämmen bevorzugt werden. Paul-Bernhard Eipper, Leiter des Referats Restaurierung am Universalmuseum Joanneum in Graz, gibt dazu wissenwerte Praxistipps.

Alleine die vielen verschiedenen Techniken der Wandbeschichtung lassen Verallgemeinerungen in der Behandlung von historischen Wandoberflächen nicht zu. Gemessen an einer trockenen Reinigung ist die feuchte Reinigung besonders mit Bedacht zu überlegen. Mit unzureichend erforschten Mitteln, aber auch schon mit reinem Wasser können bei einem feuchten Reinigungsvorgang substanzielle, irreversible Schäden auftreten. Alleine durch den möglichen Feuchtigkeitseintrag in die poröse Substanz können vorhandene Salze mobilisiert werden, deren Sprengkraft hinlänglich bekannt ist. So erzeugt beispielsweise Natriumchlorid in seinem Umfeld bei 20 Grad eine relative Luftfeuchtigkeit von 76 Prozent.
Aus diesen Gründen sollte vor einer feuchten Oberflächenreinigung immer eine trockene Reinigung stehen, zumal sich oft im Verlauf einer trockenen Reinigung eine anschließende feuchte Oberflächenschmutzabnahme erübrigt. Zumeist sind die trockenen Reinigungen schonender als feuchte Reinigungen. Auch finden sie vielfach vorbereitend zu einer feuchten Reinigung statt. Die historischen Techniken des Gemäldereinigens unterscheiden sich weit weniger voneinander als die Vielzahl der verwendeten Mittel.
Nach dem Abkehren der Oberflächen mit Federn, Bürsten und Besen aus Ross-, Rinds-, Dachs- und Ziegenhaar oder Schweineborstenbürsten, -feger und -pinsel erfolgte zumeist ein trockenes Abreiben mit Brot, welches zwar eine relativ harmlose Technik darstellt, jedoch den Nährboden für Mikroorganismen bereitet. Werden abrasiv wirkende Schleifmittel wie Bimssteinmehl, Sand, Glasmehl (Smalte), etc. eingesetzt, kommt es zu Dünnungen der Farbschichten.

Wishab- und Akapad-Schwämme

Die heutigen Techniken unterscheiden sich nicht immer wesentlich von den historischen. Bei trockenen Reinigungen kommen Druckluftgebläse, Glasfaserpinsel, Laser, Mikrosandgebläse, Radiergummi, Radiermesser, Radiermaschinen, Skalpell, Staubsauger, Wishab- bzw. Akapad-Schwamm, Polyurethan-Schwämme aus dem Kosmetikbereich und der Wallmaster-Schwamm hinzu.
Glücklicherweise wird mittlerweile in Restauratorenkreisen die Verwendung von Brot als veraltet erachtet, wenngleich immer noch damit experimentiert wird. Die Funktionsweise des stattdessen am häufigsten verwendeten Wishab- bzw. Akapad-Schwammes besteht darin, dass er einen Teil des Oberflächenschmutzes an seine Arbeitsfläche bindet, die beim Abreiben der damit behandelten Oberfläche zerbröselt.
Neben synthetischem Latex dienen auch vernetzte Raps- bzw. Rizinusöle als Rohstoffe, die auch unter der Bezeichnung Faktis bekannt sind. Für die Herstellung der weißen Akapads wird ein spezieller chlor- und schwefelfreier Faktis eingesetzt.
Nach Analysen enthält der gelbe Akapad- Schwamm keine schädigenden Rückstände. Dennoch war schon 1988 Wishab für die Papierreinigung als nicht empfehlenswert eingestuft worden. Auch 1999 warnte das Netherlands Institut for Cultural Heritage (ICN) vor dem Gebrauch von Wishab-Schwämmen auf Papier. Man hatte festgestellt, dass Reste des Wishab-Schwammes verbräunen und so das Papier, welches mit ihnen behandelt wurde, nach einer UV-Alterung dunkler erscheinen ließen. Zudem wurde auf dem behandelten Papier eine Fluoreszenz beobachtet, woraus geschlossen wurde, dass der Wishab-Schwamm neben den produktionstechnisch bedingten schwefeligen Anteilen, oxidierende und auch katalytisch wirkende Bestandteile auf der Oberfläche hinterlassen würde. Über Benetzungsprobleme von Flächen, die vorher mit Wishab-Schwämmen gereinigt wurden, war ebenfalls berichtet worden.
Daraufhin entwickelte die Akachemie bzw. DOG Hamburg einen neuen, härteren Wishab-Spezialschwamm (Akapad weiß) speziell für Papieroberflächen, der geringere Rückstände auf der Oberfläche hinterlassen soll, aber produktionstechnisch bedingt zusätzlich zu Schwefel Chlor enthält. Dieser wurde 2001 grundlegend, auch im Vergleich zu seinem Vorläuferprodukt, vom ICN untersucht. Dabei wurde eine abrasive Wirkung des Schwammes auf Papieroberflächen festgestellt. In einem Test verschwand ein aufgezeichnetes Bleistiftkreuz. Diese Wirkung kann auf seinen Anteil an Calciumcarbonat, welches sich in der Untersuchung der Oberfläche durch das Rasterelektronenmikroskop als kleine kristalline Strukturen bemerkbar macht, zurückgeführt werden. Weiter wurden die behandelten Oberflächen auf Reste von Akapad weiß untersucht, welche sich aber durch ein Gaschromatogramm nicht darstellen ließen. In einer Analyse mit einem speziellen Spektrometer wurden im neuen Akapad weiß eine Faktismischung, Styrene-Butadien und ein Weichmacher nachgewiesen. In einer weiteren Analyse der Oberfläche von behandelten Papieren fanden sich zudem geringe Spuren von Glycerol. Da die gemessenen Rückstände sehr gering waren, kam das ICN letztendlich zu dem Schluss, dass Oberflächen mit dem herkömmlichen Wishab-Schwamm, wie auch dem neuen Akapad weiß, der etwas weniger Rückstände als das Vorläuferprodukt hinterlässt, behandelt werden können, wenn eine Nachreinigung (z. B. Abkehren, Abbürsten) sämtliche Krümel beseitigt.
2014 wurde die Produkt-Palette der DOG Hamburg erweitert. Hier scheint vor allem der Akapad weiß weich als Nachfolger des gelben, weichen Wishab / Akapad interessant. An Gemälden sind die kreidehaltigen Akabloc-Produkte aufgrund der Abrasivität höchstens und nur bei sehr starken Verschmutzungen einsetzbar. Hier müssen noch zu erfolgende Untersuchungen behandelter Oberflächen erst Klarheit bringen, bevor diese Materialien bedenkenlos werden werden können.

Wallmaster-Schwamm

Wenngleich der Wallmaster-Schwamm von Lascaux für Papier eine höhere Eignung besitzt, sollte man ihn für Öl-Acrylfarbenoberflächen besser nicht einsetzen, da er keine Krümel bildet und dadurch höhere Reibungskräfte erzeugt und Glanz vor allem auf wachshaltigen Ölfarben erzeugen kann. Auch weist er bei der Untersuchung seiner Oberfläche mit dem Rasterelektronenmikroskop weitaus mehr Anteile an Calciumcarbonat auf. Falls der Wallmaster-Schwamm nicht luftdicht verschlossen aufbewahrt wird, baut er sich von der Oberfläche nach innen fortschreitend ab, indem er hart und unelastisch wird. Die entstehenden Krümel können auf empfindlichen Oberflächen Kratzer hervorrufen. Vor dem Erstgebrauch und nach Gebrauch ist er bei 30 Grad waschbar und nach dem anschließenden Trocknen wieder einsetzbar.

Latex-Radierpulver

Radierpulver machen an Wänden wenig Sinn. Die Schwerkraft setzt hier Grenzen. Es gibt Pulver, z.B. Archival Aids Draft Cleaning Powder, das auf die Oberfläche gestreut und mit sanftem Druck darauf hin- und herbewegt werden kann. Der Druck ist mit den Fingerspitzen regulierbar. Nach der Maßnahme müssen die Krümel abgekehrt werden. Dennoch sind, was die Menge der etwaigen Rückstände anbetrifft, welche aber nicht nachteilig mit dem Untergrund reagieren müssen, die Latex-Schwämme den Pulvern überlegen. Auf eine möglichst geringe Kontaktzeit und Druckausübung ist prinzipiell zu achten.

PU-Schwämme

Die mechanische Oberflächen-Belastung durch den Einsatz der weichen, nicht bröselnden PU-Schwämme, welche auch aus dem Kosmetikbereich bekannt sind und weitaus weicher sind als der Akapad-Schwamm, sind derzeit die weichsten und schonendsten Schwämme für Oberflächenreinigungen. Sie sind leicht zu zerschneiden, vor dem Erstgebrauch und nach Gebrauch bei 60 Grad waschbar. Die entstehenden Reibungskräfte sind zwar nicht zu unterschätzen, sind jedoch im Vergleich zu Radierpulvern und anderen Trockenschwämmen als sehr gering zu bewerten. Mit diesen Make-up-Schwämmen ist es durchaus möglich, vor allem bei leicht aufsitzendem Schmutz, feuchte Reinigungen zu umgehen. Für sehr druckempfindliche Acrylfarboberflächen, stark glänzende Alkydharzoberflächen oder stark wachshaltige Ölfarbenoberflächen sind sie sehr zu empfehlen. Man kann sie, die Oberfläche nur leicht berührend, über diese führen oder mit Fingern lokal den Druck auf die Oberfläche erhöhen. Falls diese PU-Schwämme nicht luftdicht verschlossen aufbewahrt werden, verspröden sie von den Rändern her und bilden harte Krümel.

Mikroporöse PVAl-Schwämme

Die trockene Verwendung von mikroporösen Schwämmen aus Polyvinylalkohol ist nicht möglich. Sie sind hart und unflexibel und werden erst mit Wasser weich. Für die nebelfeuchte Reinigung von bemalten, dichten, nicht porösen Oberflächen haben sie sich in den letzten 15 Jahren bei vielen Restauratoren durchgesetzt. Eine Untersuchung hat bestätigt, dass sich damit Oberflächen besonders schonend reinigen lassen. Die Namen der mikroporösen Schwämme variieren (z.B. Blitzfix, Wondersponge, Adsorbe-Bloc, Wonderspons, Saugwunder, Spongeking, Superclean, Optiwisch, Farilia). Oft werden einzelne, in der Porosität unterschiedliche Chargen vor allem in China produziert. Hierbei eignen sich die festen, feinporigen Schwämme mehr für glatte Oberflächen, während die weicheren, nicht so feinporigen Schwämme mehr für pastose Malerei geeignet sind. Bei der Reinigung werden die Schmutzpartikel nicht von der Oberfläche abgerieben, sondern vielmehr durch die hohe Kapillarwirkung nach innen gesaugt. Viele dieser Schwämme enthalten tensid- und mikrobiozid-angereichertes Wasser, vor allem um die eingeschweißt gehandelten Schwämme weich und frei von Schimmelbefall zu halten. Ihr pH-Wert liegt zwischen 6 und 5. Der Vertrieb solcher Schwämme erfolgt über Supermärkte, Autohäuser, Tankstellen und mittlerweile auch über den Restauratorenbedarf. Prinzipiell sind solche Schwämme in warmem, demineralisiertem Wasser mehrfach auszuwaschen, so lange bis sich keine Trübung des Wassers mehr einstellt. Im trockenen Zustand kann man sie in beliebige Formen schneiden.

Schwämme aus Melaminharz

Die trockene Verwendung von mikroporösen Schwämmen aus Melaminharz ist zwar möglich, weil sie weicher sind als die zuvor beschriebenen Latex-Schwämme und nicht so hart und unflexibel wie die mikroporösen Schwämme, dennoch sind sie nicht für trockene Reinigungen gedacht, da man mit ihnen nur einem Schleifklotz ähnlich arbeiten kann. Ihre Verwendung ist auch im feuchten Zustand an bemalten Oberflächen nicht zulässig, da sie extrem abrasiv wirken. Der Vertrieb solcher Schwämme erfolgt über Super- und Heimwerkermärkte. Im trockenen Zustand kann man sie in beliebige Formen schneiden. Dennoch sind sie für die Reinigung tabu.

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© Der Kunsthandel 2010