Handwerk

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Hohe Kunst und handwerkliches Geschick
Französische Passepartouts – Ein vergessenes Handwerk

Effektvolle Verzierungen auf Passepartouts erfreuen sich
wieder großer Beliebtheit. Dabei ist der Kreativität keine Grenze gesetzt.
Nicht verwunderlich also, dass sich sogenannte Pen Heads oder Penholder
als Zubehör der Passepartout-Schneidemaschinen namhafter Hersteller
am Markt etabliert haben.

Der Ursprung dieser computergesteuerten Verschnörkelungen sind handdekorierte Passepartouts, auch als Französische Passepartouts bekannt. Dieses alte Handwerk beherrschen heute leider nur noch wenige. Fingerfertigkeit, eine ruhige Hand und manuelles Geschick, sowie ein gutes Verständnis für Farbharmonien und Proportionen sind nur einige Eigenschaften, die ein Handdekorateur von Passepartouts an den Tag legen muss. Auch kunstgeschichtliches Wissen ist essentiell. Schließlich müssen die Verzierungen auf der Umrandung das Kunstwerk – sei es ein Stich, eine Grafik, oder ein Aquarell – ergänzen und sich der künstlerischen Arbeit anpassen. Gelingt dieses Vorhaben, so erhält das Blatt eine künstlerische wie auch wirtschaftliche Ausfwertung.
Damit diese hohe Kunst nicht in Vergessenheit, gerät haben sich zwei Essener Kreative dem Thema verschrieben. Charlotte Schäfer, Diplom Designerin und Katrin Reinke, Fotografin. Die Diplom Designerin Schäfer fertigt eigenhändig die dekorierten Umrahmungen in ihrem Atelier und hat bereits eine umfangreiche Kollektion geschaffen. Für ihr Sortiment verwendt sie ausschließlich Farben mit höchster Lichtechtheit und Gold- und Silbertöne aus echten, nicht verbräunenden Metalllegierungen. Im Gegensatz zu ihren maschinellen Konkurrenten können die beiden Kunsthandwerkerinnen bei den Kombinationen und Konstellationen alles möglich machen und individuelle Passepartouts mit menschlichen Attributen liefern. Gerade alte Stiche und Originale, alte Fotos und Modeblätter, zarte Aquarelle und Ähnliches verlangen nach etwas, was der Computer nicht imitieren kann: Handschrift und lebendige Anmutung, individuelle Abstufungen und einem Hauch von Patina – eben eine andere Art von Perfektion, bei der kleine Unebenheiten der Linien und leichte Farbunterschiede Ausweis von Handarbeit sind.“ finden die beiden Essenerinnen.

Edle Materialien
Momentan umfasst ihre Kollektion verschiedene Gestaltungsformen: Passepartouts mit Linien, handkolorierten pastellfarbenen Streifen und farbig abgestimmten Schnittkanten sind ebenso vertreten wie solche mit verschiedenen Metalltönen. In Zukunft soll das Angebot noch erweitert und veredelt werden. Geplant sind noch umfangreichere Gestaltungsmöglichkeiten mit handmarmorierten Papieren und sogar Echtvergoldungen sollen möglich werden. Auch Gold- und Farbschnnitte fertigt Schäfer bereits. Um ein optimales Ergebnis zu gewährleisten, verwendt sie dafür allerdings ausschließlich Passepartouts von mindestens 2,4 mm Stärke. Im allgemeinen achten die zwei Handwerkerinnen auf die Makellosigkeit ihrer Arbeit. Die verwendeten Passepartouts sind säurefrei und konservatorisch einwandfrei. Am liebsten arbeitet Charlotte Schäfer mit Artcare Passepartouts und Museumskartons von Nielsen Bainbridge. Dennoch geht sie auf Kundenwünsche ein. Sind diese aber zu außergewöhnlich, versichert sich die Kunsthandwerkerin zunächst mit einer Materialprobe, um zu testen ob der Wunsch erfüllt werden kann. Es steckt viel Arbeit und viel Zeit in den Passepartouts. Doch jeder Tropfen Herzblut den Charlotte Schäfer in ihre Arbeiten fließen lässt, wird im liebevollen Ergebnis sichtbar.

ka


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© Der Kunsthandel 2010