Handwerk

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Geschichte eines traditionellen Handwerkes
Herstellung des Blattgoldes

Seit jeher ist Gold ein Zeichen für Reichtum, Wohlstand und Macht. Nicht selten wurden im Altertum Kriege geführt, um in den Besitz des gelben Metalls zu kommen. Auch die Religionen dieser Welt sind eng mit Gold verbunden. Oft wurde Gold mit "Göttlichem" gleichgestellt. Selbst die Ärmsten unternahmen alles Mögliche, um Ihrem Gott Gold zu opfern. Diplom-Restaurator Dr. Paul-Bernhard Eipper, Leiter des Referats Restaurierung am Universalmuseum Joanneum in Graz, blickt zurück auf die Geschichte der Blattgoldherstellung.

Die Geschichte des Blattgoldes reicht ca. 5000 Jahre zurück und findet Ihren Ursprung im alten Indien. Von Indien kam das Blattgold im Laufe der Zeit über den vorderen Orient nach Ägypten: Die dortigen Pharaonengräber mit Ihren goldenen Ausschmückungen, sowie den kostbaren Grabbeigaben sind so heute noch zu bewundern! Bald wurde dieses Handwerk auch in Griechenland ausgeübt. Von da aus kam es über Jugoslawien nach Ungarn. Ein bekanntes Beispiel der dortigen Blattgoldtradition findet sich in der Basilika von Budapest. Nach und nach wurde dieses Handwerk dann auch in Deutschland ausgeübt, jedoch anfänglich nur in Klöstern. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts übernahmen erstmals weltliche Handwerker die Herstellung von Blattgold. Monopolstellung hatte bald die alte Reichsstadt Nürnberg.


Selbstverständlich hat auch der technische Fortschritt in der Blattgoldherstellung Zugang gefunden. Allein innerhalb der letzten 20 Jahre ergaben sich durch Neuentwicklungen gravierende Veränderungen. Computertechnik und größerer Maschineneinsatz haben in vielen Bereichen der Blattgoldherstellung Einzug gefunden. Gefördert hat diese Tatsache sicher auch der Umstand, dass es in den letzten Jahren immer schwieriger wurde, Personal zu finden. Auch heute noch gibt es trotz riesiger Arbeitslosenzahlen kaum Nachwuchs in diesem Handwerk. Gold wird hauptsächlich im Bergbau gewonnen. Hauptvorkommen liegen in Südafrika und in der GUS. Der Preis des Goldes wird an den Weltbörsen gehandelt. Politische, sowie auch finanzspekulative Faktoren beeinflussen seinen Preis. Gold ist auch heute noch Sicherungsmittel von Währungen.


Die dünnsten Blattgoldsorten haben eine Stärke von nur 1/10000 Millimeter und sind somit etwa vierhundert mal dünner als ein durchschnittliches Menschenhaar. Aus einem 1 kg. schweren Goldbarren lassen sich etwa 65 000 (Format 80 x 80 cm)Blatt 23karätiges Blattgold
(z. B. Dukaten-Doppelgold) schlagen, mit einer Materialstärke von 1/7000 Millimeter. Mit dieser Menge Blattgold lässt sich eine Oberfläche von insgesamt etwa 420 Quadratmetern vergolden. Weniger Barrengold wird für dieselbe Menge Blattgold von geringem Karatgehalt benötigt, beispielsweise für Orangegold (22 Karat), Gelbgold (21 Karat) Zitronengold (20 bis 18 Karat), Grüngold (um 16 Karat) und Weißgold. Die Angabe "Karat", zurückzuführen auf ein altes Gewichtsmaß, beziffert den Reinheitsgrad der Goldlegierung. Das im Mittelalter für das Wiegen von Gold und Silber verwendete Maß war nämlich die "Kölnische Mark", die einem Gewicht von 233,79 Gramm entsprach. Als Karat wurde der 24. Teil dieses Gewichts - das sind 9,74 Gramm bezeichnet. Heute geht man immer mehr dazu über, den Goldanteil einer Legierung nach dem heutigen Dezimalsystem in Tausendstel auszudrücken. Demnach hat beispielsweise reines Scheidegold 1000/1000 Goldgehalt. 18 Karat entsprechen 750/1000, 12 Karat sind 500/1000. Der Goldanteil eines 23karätigen Dukatengoldes beträgt 958/1000, der von 22karätigem Orangegold 916/1000. Nach Art der Legierung und damit der Karätigkeit und Farbe der Legierung unterschiedet man heute zwischen einigen Dutzend verschiedenen Blattgoldsorten. Neben Blattgold verwendet der Vergolder etliche andere Blattmetalle, z.B. Platin, Silber und Legierungen von Kupfer, Messing und Bronze.

Nach dem Wiegen wird die Legierung in einem Tonschmelztiegel bei einer Temperatur von 1200 - 1500 Grad Celsius geschmolzen. Früher waren dies Koksöfen, später dann Gasöfen mit einem Luftgebläse. Heute werden computergesteuerte Schmelzöfen verwendet, in denen schrittweise das Schmelzgut erhitzt wird und auch die Ausgusstemperatur genau gesteuert werden kann. Der Schmelzvorgang dauert ca. 1,5 Stunden. Nach dem Schmelzen wird das flüssige Schmelzgut dann zu einem Barren, genannt "Zain" ausgegossen.Der erkaltete Zain wird anschließend in einem Silberstahlwalzwerk in drei Arbeitsgängen bis auf eine Stärke von ca. 1,5 bis 2 / 100 mm gewalzt. Zwischen jedem Walzvorgang muss das Goldband geglüht werden um es wieder weich und geschmeidig zu machen. Denn jeder Walzvorgang macht das Gold hart und spröde. Würde man es nicht glühen, würde das Goldband beim weiteren Walzen zerstört werden. Früher wurde das aufgewickelte Goldband in glühender Holzkohle bei einer Temperatur von ca. 800 Grad geglüht. Heute übernimmt dies ein Gasofen. Je nach Menge des Schmelzgutes erhält man nach dem Walzen ein Goldband mit einer Länge von ca. 50 Metern. Früher wurden dann gleichschwere "Längen" abgewogen und jeweils hälftig zusammengelegt. Eine Länge ergab somit 64 Quartiere, welchen dann in die sogenannte "Quetsche" per Hand eingefüllt wurden. Heute übernimmt diese Arbeit eine Maschine. Die Quetsche ist eine Schlagform aus Mongolfier-Papier. Dieses Papier ist ziemlich fest, denn es muss ja das verhältnismäßig dicke Gold von ca. 2/100 mm beim Schlagvorgang aushalten. Vor dem "Einfüllen" muss die Quetsche gebräunt werden. Das "Braun" ist eine Art Fasergips, welcher auch unter den Namen "Marienglas" oder "Wiener Kalk" bekannt ist. Der Braun hat die Aufgabe, zu verhindern, dass das Gold beim Schlagvorgang an den "Häutchen" festklebt. Gleichzeitig werden beim Bräunen der Schlagformen die Häutchen von alten Gold- und Braunresten gereinigt. Nach dem Bräunen müssen die Schlagformen getrocknet werden. Dies geschieht durch Wärme und Druck in Spezialpressen. Durch das Pressen löst sich die Feuchtigkeit aus den Häutchen und verbindet sich mit einem Teil des Braunes. Nun wird mittels eines Gebläses das feuchte Braun aus der Form geblasen. Das trockene Braun bleibt in der Form zurück

Fortsetzung: in der nächsten Ausgabe.

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© Der Kunsthandel 2011