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Handwerk
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Vergoldung einer Skulptur
1500 Blatt für maximalen Glanz
Es zählt sicherlich
zu den besonderen Herausforderungen für einen Vergolder,
wenn er den Auftrag bekommt, eine lebensgroße Bronzeplastik
zu veredeln so auch für Marcel Schoenen von der Kunsthandlung
Schoenen in Aachen. Gemeinsam mit zwei Mitarbeiterinnen hat
er die Hambacher Vorbotin der Künstlerin Christiane
Maether vergoldet. Die Größe, die stark strukturierte
Oberfläche und der Zeitdruck machten die Arbeit sehr knifflig.
Das beeindruckende Ergebnis kann man in Neustadt an der Weinstraße
besichtigen.
Gold ist die edelste, optisch
wirkungsvollste und auch sicherste Oberfläche für eine
Skulptur. Deshalb lag es nahe, dass Christiane Maether sich für
die Hambacher Vorbotin, eine Bronzeplastik, die aus
einem Gipsmodell im Wachsgießverfahren hergestellt wurde,
eine Vergoldung gewünscht hat. Den Auftrag vergab die Professorin
an ihren ehemaligen Studenten Marcel Schoenen. Der entschied
sich für die Technik der Ölvergoldung, auch weil die
Plastik später unter freiem Himmel stehen sollte.
Besonders
aufwendig war die Arbeit auch deshalb, weil Schoenen und zwei
seiner Mitarbeiterinnen dazu extra nach Mainz fahren mussten,
um die Vergoldung vor Ort vorzunehmen. Wichtig war es, dass dafür
ein sauberer, trockener und windgeschützter Raum zur Verfügung
steht. Schoenen: Wir mussten uns auch erst daran gewöhnen,
dass öfter Kameraleute und Fotografen da waren, die unsere
Arbeit dokumentieren wollten. Zunächst musste die
Figur sorgfältig gereinigt werden, damit sich später
keine Fremdkörper unter dem Gold befinden, die den optischen
Eindruck stören könnten. Dazu wurde eine Mischung aus
Salzsäure und Alkohol verwendet. Diese wurde zunächst
mit einem Pinsel aufgetragen und dann mit einem fusselfreien
Lappen abgewischt. Alternativ könnte man dafür auch
ein feines Kunststoff-Vlies nehmen.
Grundierung und Lack
Im nächsten Schritt folgte,
nachdem die Figur nach der Reinigung wieder absolut trocken war,
die Grundierung. Zum Einsatz kam dafür Epoxydharzlack, wie
er im Farbenfachhandel zu bekommen ist. Er sollte aber speziell
für den Einsatz auf Bronze gedacht sein. Marcel Schoenen
entschied sich hier für einen farblosen Lack, den er mit
dem Pinsel auf die Plastik auftrug. Wäre die Oberfläche
nicht so deutlich strukturiert gewesen, hätten wir keinen
Pinsel verwenden können, da der immer auch Spuren hinterlässt.
Dann hätten wir mit der Sprühpistole lackieren müssen,
sagt er. Die Grundierung wurde mit einer Zwischentrocknung
in zwei Schichten aufgebracht. Sie schützt später
vor Oxidation und verbindet das Untermaterial mit den oberen
Schichten.
Für die nun folgende Deckschicht verwendete Schoenens Team
einen Acrylharzlack, ebenfalls aus dem Farbenfachhandel, und
zwar diesmal in einem Gelbton, der dem späteren Gold möglichst
ähnlich war. Marcel Schoenen: Bei der Ölvergoldung entstehen
immer feine Adern, an denen das Gold nicht hundertprozentig deckt.
Außerdem sollte die Skulptur ja öffentlich zugängig
sein und da war damit zu rechnen, dass das Gold teilweise durch
Berührungen abgerieben wird. Damit diese Schäden nicht
so leicht sichtbar sind, haben wir den gelben Lack genommen.
Auch der Lack wurde in zwei Schichten aufgetragen. Danach musste
er komplett durchtrocknen, was mehrere Tage oder je nach
Temperatur und Luftfeuchtigkeit bis zu einer Woche dauern
kann.
Arbeit über Kopf
Ein relativ heikler Arbeitsschritt
war das Aufbringen des Anlegeöls, des späteren Klebematerials
für das Blattgold. Schoenen verwendet fast immer ein Öl
mit einer Anlegezeit von 12 Stunden. Dieses Öl trocknet
nicht so schnell an, sodass länger damit gearbeitet werden
kann. Andererseits muss man es aber auch 12 Stunden anziehen
lassen und in dieser Zeit darf kein Staubkorn an das Öl
kommen ja, man darf es nicht mal berühren, weil die
Stelle später nach der Vergoldung sichtbar wäre. Das
Öl wurde wieder per Pinsel auf die Skulptur aufgetragen
und danach mit Watte verteilt. Hier sollte man auf jeden Fall
hochwertige Watte verwenden, damit keine Flusen auf dem Öl
zurückbleiben. Die Stärke des Ölfilms ist auch
für den späteren Glanz des Goldes mit verantwortlich.
Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Je dünner der
Ölfilm, desto intensiver der Glanz.
Nun
folgte das eigentliche Vergolden. Zu dritt wurden unter Zeitdruck
die acht mal acht Zentimeter großen Blättchen aufgebracht.
Alles musste in einem Arbeitsschritt erfolgen und an einem Tag
erledigt sein, denn die Arbeit darf nicht unterbrochen werden.
Die Blättchen insgesamt rund 1500 Stück
wurden direkt vom Transferpapier mit einem Borstenpinsel übertragen.
Das Gold haftet sofort auf der Oberfläche und kann nicht
mehr korrigiert werden. Schoenen: Das war ziemlich anstrengend,
gerade weil wir an der großen Plastik auch viel über
Kopf arbeiten mussten und das Gold mit einigem Druck in die Vertiefungen
gebracht wurde.
Nachschießen und Polieren
Fehlstellen und Risse ließen
sich beim so genannten Nachschießen noch ausbessern. Zum Schluss
wurde die gesamte Figur noch mit Watte abgerieben. Dabei wurden
überstehende Ecken entfernt und der wunderschöne Goldglanz
kam noch besser zur Geltung. Es gab noch die Überlegung,
die Skulptur mit Klarlack zu überziehen, um sie besser gegen
die Witterung und andere Einflüsse zu schützen aber
diese Option wurde zugute des intensiveren Glanzes verworfen.
Marcel Schoenen: Das war ein hartes Stück Arbeit,
aber als wir das Ergebnis gesehen haben, waren wir alle sehr
zufrieden.
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