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Handwerk
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Bildbefestigung
Gut geklebt ist halb montiert
Bei der Einrahmung von Fotografien
oder Druckgrafiken muss das jeweilige Bild je nach Art der Rahmung
an der Rückwand oder am Passepartout befestigt werden, um
ein Verrutschen während der Montage oder später an
der Wand zu verhindern. Zur Befestigung bietet der Großhandel
Kleber, Klebestreifen oder ganze Rollen an. Wichtig ist es, die
Eigenschaften und den richtigen Einsatz-bereich dieser Produkte
zu kennen, um nicht durch minderwertige Materialien oder falsche
Handhabung wertvolle Kunstwerke zu beschädigen.
Zu den wichtigsten Utensilien
bei der Befestigung eines Bildes auf dem Rückwandkarton
oder dem Passepartout zählen nach alter Handwerkstradition
Kleber und Japanpapier. Da man bei der Montage eines wertvollen
Bildes einen direkten Kontakt zwischen Bild und Kleber vermeiden
sollte, wird das Papier nach Möglichkeit nur eingeklemmt
und nicht fixiert.
Spannungen vermeiden
Das hat mehrere Gründe.
Einerseits kann man so verhindern, dass Stoffe sich aus dem Kleber
verflüchtigen und das Bild schädigen können. Ein
zweiter, wichtiger Punkt ist die Möglichkeit, dass das montierte
Bild im Rahmen noch bis zu einem gewissen Grad arbeiten, sich
also je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit ausdehnen oder zusammenziehen
kann. Wenn es aber komplett fixiert ist, können Spannungen
entstehen, die dazu führen, dass sich die Befestigung löst
oder unschöne Wellen im gerahmten Bild erscheinen. Ein weiterer
Vorteil dieser Klemmmontage ist, dass man das Bild relativ einfach
wieder ausrahmen kann, ohne dass darauf Klebereste verbleiben
oder es im schlimmsten Fall sogar einreißt. Es genügt
also, oberhalb und unterhalb vom positionierten Bild jeweils
zwei rund drei Zentimeter lange Streifen Japanpapier, die zur
Hälfte mit Kleber bestrichen sind, anzubringen. Wer völlig
auf industriell gefertigte Produkten verzichten will, kann sogar
nach der Anleitung auf der nächsten Seite seinen eigenen
Kleber auf Maisstärkebasis anrühren.
Ein sehr nützliches Werkzeug für die Bildmontage ist
das Falzbein. Das Falzbein ist ein altes Buchbinderutensil, das
beim Fixieren von Klebebändern wertvolle Dienste leistet.
Es bestand ursprünglich aus einem flachen, zwölf bis
20 Zentimeter langen Stück Rinderbein- oder Walknochen mit
einer abgerundeten Spitze und wird zum Herstellen und Flachreiben
der Knicke beim Falten (Falze) von Papier und Karton eingesetzt.
Heute werden Falzbeine auch aus Holz, Kunststoff, Edelstahl und
Teflon hergestellt.
Wasserlösliche
Kleber
Selbstverständlich kann
man heute aber auch auf handelsübliche Kleber zurückgreifen.
Man sollte aber genau darauf achten, nur solche zu verwenden,
die unter konservatorischen Gesichtspunkten unbedenklich sind.
Dazu gehört Tylose MH 300 von Klug Conservation, im Fachjargon
oft auch der Einrahmer-Uhu genannt. Tylose kann von
Mikroorganismen nur äußerst schwer angegriffen werden,
ist wasserlöslich und damit reversibel. Die Tylose MH 300
wird in keimfreiem Wasser eingerührt. Nach Quellung der
Tylose wird diese in Tuben eingefüllt und luftdicht verschlossen.
Wer die Klebestreifen zur Befestigung von Bildern nicht selbst
anfertigen möchte, der kann auch ein Fertigprodukt verwenden,
wie zum Beispiel die Mounting Strips von Lineco, die unter anderem
bei Lion erhältlich sind. Auf der Rückseite der zehn Zentimeter
langen PVC-Streifen befindet sich ein schmaler, säurefreier
Kartonstreifen, der mit Haftkleber und Silikonpapier versehen
ist. Der Klebstoff ist mit einem Abstand vom Außenrand
des Kartons angebracht, um sicher zu gehen, dass die Grafik nicht
mit dem Klebstoff in Berührung kommt. Die Klebestreifen
werden nach Bedarf auf die erforderliche Länge zugeschnitten.
Anschließend wird die Grafik auf einem säurefreien
Passepartout positioniert und die Streifen um die Grafik herum
geklebt, wobei die transparente Folie sich über der Grafik
befinden muss. Die Folie hält die Grafik in Position, ohne
dass diese mit dem Klebstoff in Berührung kommt. Die Grafik
wird so nicht beschädigt und kann auch wieder abgenommen
werden.
Befestigung auf dem Bild
Als Einrahmer müssen Sie
immer im Auge behalten, dass Aufwand und Kosten Ihrer Arbeit
in Relation zum Wert des endgültigen Produktes stehen. Bei
der Rahmung von Kunstdrucken und anderen reproduzierbaren Werken
wie Fotografien ist es durchaus akzeptabel, auf das aufwendige
Klemmen des Bildes zu verzichten und es mit Klebestreifen direkt
auf dem Passepartout oder der Rückwand zu befestigen.
Aber
auch hier kann man nicht bedenkenlos zu irgendwelchen Klebestreifen
aus dem Schreibwarenhandel greifen, sondern sollte ausschließlich
lösungsmittelfreie Produkte verwenden, wie sie zum Beispiel
von Crescent, oder Neschen speziell für die Einrahmung oder
den Konservationsbereich angeboten, werden.
Sehr weit verbreitet ist Filmoplast P 90 von Neschen. Das ist
ein einseitig selbstklebendes, weißes, holzfreies, relativ
reißfestes Spezialpapier, das mit einem lösungsmittelfreien,
alterungsbeständigen und elastischen Acrylatkleber beschichtet
ist. Filmoplast P 90 wird als zwei Zentimeter breite 50-Meter-Rolle
vertrieben. Es ist schwach alkalisch, sodass eine Schädigung
des Papiers ausgeschlossen ist und verfügt über genügend
Pufferqualität, um Säurefraß zu verhindern.
Hängende Montage
Wichtig bei der Befestigung
des Bildes mit einem derartigen Klebestreifen ist, dass man den
Streifen nur an der Oberseite des Bildes anbringt. Es muss also
frei hängen. Zwei kurze Streifen reichen völlig aus.
Da die Klebefläche auf dem Bild möglichst klein sein
sollte, sollten rund zwei Drittel der Streifen auf Passepartout
oder Rücken kleben und nur ein Drittel auf dem Bild.
Für den Fall, dass das zu rahmende Bild auf sehr starkem
Papier gedruckt ist, empfiehlt sich der zusätzliche Einsatz
von Barrierepapier, damit sich die Außenränder der
Grafik oder des Fotos nicht auf dem Karton abzeichnen. Das Barrierepapier
zum Beispiel von Crescent sollte also möglichst
in der gleichen Stärke wie das Bild sein. Es hat innen einen
Ausschnitt, etwas größer als das Bild, und außen
die Maße des Passepartouts.
Wenn das zu rahmende Bild oder die Fotografie selbst auf säurehaltigem
Papier gedruckt ist, dann macht es wenig Sinn, mit säurefreien
Klebern zu arbeiten. Die Einrahmer greifen hier gerne auf Scotch
Magic zurück, das zum Beispiel von Leha vertrieben wird.
Scotch Magic ist praktisch unsichtbar und daher auch für
die Reparatur von Bildern geeignet. Die geschmeidige Cellulose-Acetat-Folie
mit matter Oberfläche und synthetischem Klebstoff ist geschmeidig,
leicht abzurollen, vergilbt nicht, wird nicht brüchig und
klebt, bedingt durch einen aggressiven Klebstoff, sehr sicher.
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Maisstärke-Kleber selbst herstellen
Was nur noch die älteren
Semester aus ihrer eigenen Kindheit kennen, ist in der Einrahmer-Werkstatt
eine durchaus akzeptable Alternative zu den Industrieprodukten:
die Herstellung eines Klebers. Dazu braucht man nichts weiter
als Zucker, Wasser und Maisstärke aus dem Supermarkt oder
dem Reformhaus.
Material: 40 g Maisstärke (zum Beispiel Mondamin),
120 ml Wasser, zwei kleine Töpfe, ein großer Topf,
einen Kochlöffel, einen verschließbaren Behälter
für den fertigen Kleber.
Zubereitung: Maisstärke in 30 ml lauwarmes Wasser
rühren, bis es zu einer Paste wird. In einem zweiten offenen
Behälter 90 ml Wasser im Wasserbad in einem weiten Topf
zum Kochen bringen. Wenn das Wasser kocht, die Mais-Zucker-Paste
dazugeben und solange rühren, bis die Stärke aufgequollen
ist. Das dauert zirka drei bis fünf Minuten. Dann den Topf
vom Herd nehmen und den Kleber in einen verschließbaren
Behälter füllen.
Da der angerührte Kleber allerdings nicht lange haltbar
ist, gibt es noch eine alternative Zubereitung: Die Maisstärke
auf einem Backblech, das mit Backpapier ausgelegt wurde ausstreuen.
Backofen auf 180 Grad vorheizen. Backblech mit der ausgestreuten
Stärke in den vorgeheizten Backofen schieben. Solange im
Ofen lassen, bis aus der weißen Stärke ein gelbliches
Pulver geworden ist. Gegebenenfalls zwischendurch die Stärke
etwas umrühren. Um beurteilen zu können, ob schon eine
Gelbfärbung vorhanden ist, empfiehlt es sich einen Teelöffel
weißer Maisstärke als Farbvergleich zurück zu
behalten. Der Röstvorgang kann durchaus eine Stunde dauern.
Das so hergestellte gelbe Pulver (Röstdextrine) kann man
nun in ein Schraubdeckelglas füllen und als Vorrat lange
aufbewahren. Benötigt man Klebstoff muss man das Pulver
noch anrühren. Dazu nimmt man ein weiteres Schraubdeckelglas
und einen Löffel oder einen Borstenpinsel. In etwas Leitungswasser
gibt man nach und nach von der Röstdextrine und rührt
dabei ständig um, so dass sich keine Klümpchen bilden.
Sobald die Konsistenz ähnlich wie Honig ist, ist der Klebstoff
fertig.
Verwendung: Der Kleber kann sofort nach seiner Herstellung
benutzt werden. Man kann ihn auf vorher zugeschnittene Stückchen
aus Japanpapier aufbringen und sie verwenden, um Bilder zu fixieren.
Japanpapier, mit Maisstärke aufgeklebt, ist wieder ablösbar. |
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