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Handwerk
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Brian's Corner: Der Amerikaner Brian Wolf ist der weltweit bekannteste
Einrahmungsexperte und ein wahrer Meister beim Gestalten von
Passepartouts. Der Schulungsleiter der Wizard Universität
kreiert all seine Entwürfe an Wizard Passepartoutschneidern
und schreibt im KUNSTHANDEL exklusiv über Material, Technik
und Verkauf.
Passepartoutverzierung
Dekorative Akzente mit V-Linien
V-Linien können von
Einrahmern als ein dekoratives Element verwendet werden. Wenn
sie der Rahmung mehr Details verleihen wollen, ohne dem Bild
die Schau zu stehlen, dann bieten dezente V-Linien eine gute
Möglichkeit dazu. Es ist aber nicht unbedingt notwendig,
dass die V-Linie um den ganzen Ausschnitt herum geführt
wird. Sie können auch eine schöne Wirkung erzielen,
indem Sie nur V-Linien-Akzente setzen, zum Beispiel Formen, Kurven
oder einzelne Linien entlang den Seiten der Öffnung oder
der Unterseite des Ausschnitts.
Früher wäre dies
eine anspruchsvolle Handarbeit gewesen, doch dank der computerisierten
Passepartoutschneider ist heute fast alles maschinell möglich.
Trotz unseres natürlichen Verlangens, unsere neuesten und
meist komplizierten Methoden und Designs zu präsentieren,
wirkt ein zurückhaltender Akzent meist attraktiver auf die
Kunden. Die folgenden Beispiele wurden speziell entworfen, um
zu zeigen, dass weniger bei der Verzierung von Passepartouts
manchmal mehr ist. Es handelt sich also nicht um komplette V-Linien
um den Ausschnitt. Die Linien wurden so gestaltet, dass sie gerade
ausreichen, um das Bild interessanter wirken zu lassen.
Geschwungene Ornamente
Jeder Einrahmer hat seine eigenen Ideen
und Methoden, wie man ein Bild am besten verzieren kann. Man
könnte beispielsweise ein marmoriertes Papierpaneel mit
einigen, zum Beispiel mit Tusche gezogenen Zierlinien nehmen.
Wenn wir mit einer Wizard-Software für Passepartoutschneider
arbeiten, könnten wir auch eine V-Linie mit Eckelementen
erzeugen.
Das hier gezeigte Motiv von William Morris passt sehr gut zu
den meisten Arten von Verzierungen. Zu verspielte Kurvenlinien
und veredelte Details würden allerdings mit dem Bild nicht
harmonieren. Die gezeigte Dekoration besteht aus einem vertikalen
Element auf jeder Seite. In ihrer Struktur sind sie beinahe architektonisch.
Die Elemente schmiegen sich um die unteren Ecken und unterstützen
die Seiten. Die Machart ist relativ einfach: überlappende
Kurven an der Unterseite und weiterführend, gerade Linien
vertikal.
Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, Ihre Passepartouts auf diese
Art und Weise zu verzieren, dann sollten Sie sich auch besonders
sorgfältig mit den Abständen beschäftigen, denn
sie sind letztendlich mitverantwortlich für die Wirkung
auf den Betrachter. Die zwei Linien im Beispiel sind zirka 3,5
Millimeter voneinander entfernt. Die innere Linie sollte 4 oder
5 Millimter vom Ausschnitt entfernt sein. Die Kurven sollten
schlicht gehalten, also nicht zu verspielt sein. Wichtig dabei
ist, dass die Kurven sanft mit den Linien übereinstimmen.
Experimentieren Sie ruhig mit der Länge der Linien. Sie
sollten aber auf keinen Fall gleich lang sein. Die gezeigten
zwei Linien haben einen verhältnismäßig großen
Längenunterschied. Es kommt immer auf das Bildmotiv an wie
groß man diesen wählt. Bei manchen Motiven könnten
Sie sogar einen noch größeren Längenunterschied
zwischen den Linien ausprobieren, bei anderen wiederum wirkt
es besser, wenn der Unterschied nicht ganz so groß ist.
Ausprobieren und allmählich ein Gefühl dafür entwickeln,
ist der beste Weg, hier das richtige Maß zu finden.
Geometrische Motive
Manche Künstler und auch Einrahmer
sind der Meinung, dass eine moderne Fotografie auf keinen Fall
durch Verzierungen auf dem Passepartout überfrachtet werden
sollte. Die gezeigte Fotografie einer Blumenwiese könnte
durchaus ideal in einem schlichten Passepartout wirken. Wenn
man sich aber in Gedanken auf diese Wiese versetzt, könnte
man darüber nachdenken, wie man der rechteckigen Öffnung
eventuell die Härte nimmt.
Dazu haben wir hier ein geometrisches Element eingesetzt, das
nur aus geraden Linien besteht und deshalb nicht zu verspielt
wirkt. Die Rechtecke aus V-Linien in den Verzierungen sind relativ
klein und zurückhaltend. Das größere ist jeweils
6,8 Millimeter breit und das kleinere 5,4 Millimeter. Sie sind
2,6 Millimeter auseinander und 6 Millimeter vom Ausschnitt entfernt.
Die Linien, die von den Rechtecken ausgehen können natürlich
in der Länge wieder individuell angepasst werden. Auch hier
sollte die Wirkung des Motivs den Ausschlag geben.
Unterseiten-Medaillons
Manche Motive regen sofort die Fantasie
des Einrahmers an. Dieses entzückende Bild ist sicherlich
eines, das sich besonders gut für dekorative Elemente, Verzierungen
und Verschönerungen eignet. Allerdings sollte man auch hier
Folgendes bedenken. Ebenso wie das Fehlen von Verzierungen beim
Betrachter ein gewisses Gefühl der Leere und Unzufriedenheit
erzeugen kann, können aber auch zu viele Verzierungen überfordern
und den Blick auf das Motiv verstellen und das darf auf
keinen Fall sein. Das Passepartoutdesign beginnt hier mit einer
ganz normalen Bearbeitung. Zuerst ist da ein dreilagiger Passepartoutausschnitt,
um dem Bild mehr Tiefe zu verleihen. In der mittleren Lage ist
ein 3 Millimeter breiter roter Streifen zu sehen. Er greift einerseits
die Farbe aus dem Bild auf und passt hervorragend und unterstützt
zu der fröhlichen Grundstimmung, die das Motiv ausstrahlt.
Das Viktorianische Medaillon wächst aus der Mitte heraus,
um das vertikale Format zu akzentuieren. Das Medaillon besteht
aus einem Knoten mit ineinander übergehenden Bögen.
Inspiriert ist es durch Arbeiten aus einem Katalog aus dem Jahr
1882.
Buchstaben-Verzierungen
Wer gut mit dem computergesteuerten
Passepartoutschneider umgehen kann und den Einsatz von V-Linien
beherrscht, könnte theoretisch mit der Technik ein ganzes
Bild erstellen, aber das wäre vielleicht etwas übertrieben.
Was allerdings gut aussieht, sind Buchstaben aus V-Linien im
Passepartout. Gerade im Zusammenhang mit Fotografien geben Monogramme
und Initialen eine hübsche und individuelle Note beim Verzieren.
Wir rahmen viele Bilder, die eine spezielle Identifizierung enthalten
sollen. Ein paar Buchstaben können zwar nicht unbedingt
die ganze Geschichte eines Bildes erzählen, aber sie setzten
hübsche Akzente.
Buchstaben zu kreieren, ist eine Wissenschaft und eine Kunst.
Es ist deshalb eine Wissenschaft, da wir gewisse Einschränkungen
haben. Wir schneiden in ein Passepartout ein und zwar in einem
Winkel, in dem man sehr vorsichtig sein muss, damit man nichts
beschädigt oder verschneidet. Die Elemente dürfen nicht
zu nahe aneinander geschnitten werden, da sich sonst die Oberfläche
des Passepartoutkartons lösen könnte. Eine Kunst, weil
jeder Betrachter im Unterbewusstein genau weiß wie fachgerecht
proportionierte Buchstaben aussehen müssen. Sie müssen
sehr exakt gezeichnet sein.
Wenn Sie nur mit den bereits angelegten Schriftsätzen arbeiten,
können Sie nur eingeschränkt kreativ sein. Interessanter
ist es da, die Buchstaben als Basis zu nehmen, und sie zu modifizieren.
Im Beispiel wurden die scharfen Kurven gebrochen damit die Buchstaben
kleiner gemacht werden können. Jeder Buchstabe hat in etwa
eine Höhe von 22 Millimetern. Um den Buchstaben mehr Spannung
zu verleihen, haben wir den Ausläufer des R und den unteren
Teil des B etwas geschwungener gestaltet.
Vorschläge an Kunden
Nicht jede Technik eignet sich
für jedes Bild, aber je mehr Techniken Sie als Einrahmer
beherrschen, umso besser können Sie die optimale Variante
für Ihrer Kunden herausfinden. Die hier gezeigten V-Linien
wurden alle mit einer Wizard-Maschine angefertigt. Allerdings
sollte sie jeder Einrahmer auch mit den Mitteln erstellen können,
die ihm zur Verfügung stehen. Die Erfahrung hat auf jeden
Fall gezeigt, dass es die Kunden zu schätzen wissen, wenn
man ihnen Vorschläge zur Verzierung macht.
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