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Handwerk
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Leistengrund und Oberflächen
selbst herstellen
Schicht für Schicht ans Ziel
Eine hochwertige, handwerkliche
Einrahmung wird immer mit einem über Eck gearbeitten Rahmen
in Verbindung gebracht. Dabei muss es nicht unbedingt eine Vergoldung
sein. Gunter Krönes von Unikum Rahmenkunst in Kirchheim
unter Teck zeigt, wie er nach einem selbst-entwickelten Rezept
eine Oberfläche erzeugt, die sich hervorragend für
die Verwendung auf breiten Leisten eignet. Durch das Zusammenspiel
der Goldpatina, mit dem kräftigen Blauton entsteht ein Design,
das sich für moderne Kunst wie auch für traditionelle
Malerei eignet. Wegen der nötigen Trocknungsphasen sollte
man für die Herstellung zwei Tage einkalkulieren.
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Die Basis für den Rahmen
ist eine Rohholzleiste von Stahel und Köng. Zur Vorbehandlung
wird das breite Profil mit Knochenleim eingestrichen. Danach
folgt als erste Schicht der Steingrund. Er sollte mit einem Pinsel
immer in Richtung der Maserung des Holzes aufgetragen werden.
Der Steingrund schließt die Poren und bildet durch seine
rauhe Oberfläche eine gut haftende Grundierung für
die weiteren Schichten, die eine hohe Oberflächenspannung
haben und beim Polieren auch beträchtlichem Druck standhalten
müssen. |
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Nachdem der Steingrund getrocknet
ist, folgt der Weiß- oder Kreidegrund. Er füllt die
Oberfläche auf, macht sie glatter und auch besser schleifbar.
Die Eigenschaften des Kreidegrundes hängen in erster Linie
von der verwendeten Kreide ab. Manche sind besonders fest und
haben sehr gute Poliereigenschaften, manche ergeben dickere,
stark füllende Schichten und wieder andere tragen nur sehr
dünn auf. Direkt nach dem Aufstreichen schimmert der Steingrund
noch durch, aber wenn der Kreidegrund trocknet, wird er deckend. |
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Zwischen dem getrockneten Kreidegrund
und der dann folgenden Oberflächenmasse bringt Gunter Krönes
eine Schicht Dispersionsfarbe auf. Er nimmt dafür eine handelsübliche
Farbe besserer Qualität aus dem Malerfachhandel. Die Farbe
bildet später auch die Basis für die Oberflächenmasse.
Sicherheitshalber sollte die Leiste mindestens zweimal eingestrichen
werden, um später ein Durchreiben bis auf den Kreidegrund
zu verhindern. |
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Im nächsten, sehr wichtigen
Schritt wird die Spachtelmasse hergestellt. In die Abtönfarbe
kommt Champagnerkreide, hier von Eytzinger, und zwar soviel,
bis die Masse zäh und spachtelbar ist. Der gewünschte
Farbton kann bei Bedarf mit Pigmenten noch intensiviert werden.
Als besonderen Effekt mischt Gunter Krönes hier gemahlene,
rote Farbreste bei, die in einer leeren Tube angetrocknet sind.
Ein Dispersionsbinder verbessert die Haftung. |
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Vor der weiteren Verarbeitung
sollte die Paste über Nacht anziehen. Sie wird dann mit
einem Japanspachtel auf die grundierte Leiste aufgebracht. Hier
kann man durch gleichmäßigen oder weniger gleichmäßigen
Auftrag bereits Einfluss darauf nehmen, wie grob später
die Oberflächenstruktur sein soll. Die beigemengten angetrockneten
Farbreste verstärken noch die Kratzstruktur. |
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Nun sollte man die Spachtelmasse
über Nacht komplett durch-trocknen lassen. Wenn sie gleichmäßig
hell geworden ist, ist sie im Normalfall trocken. Falls die Masse
besonders dick aufgetragen wurde, kann die Trocknungszeit sogar
noch länger dauern. Danach folgen die unterschiedlichen
Schleifvorgänge, zuerst mit grobem, dann mit feinem Schleifpapier
und zum Schluss mit Stahlwolle. |
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Beim Schleifen kann man selbst
steuern, wieviel Material man abnehmen möchte und welche
Unregelmäßigkeiten und Vertiefungen stehen bleiben
dürfen. Vor allem am Rand sollte die Oberfläche jetzt
schon ziemlich glatt sein. Deutlich sind die roten Einschlüsse
zu sehen, die durch die Farbreste entstanden sind und der Oberfläche
mehr Lebendigkeit verleihen. |
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Damit auch die Oberfläche
in den Vertiefungen abgeschliffen wird, wurde Stahlwolle eingesetzt.
Noch glatter wird sie aber durch die Bearbeitung mit einer Bürste.
Krönes verwendet hier eine steife Schweinsborsten-Bürste
und übt damit erheblichen Druck aus. So entsteht bereits
ein gewisser Glanz, der durch die Nachbearbeitung mit dem Baumwolllappen
noch verstärkt wird. |
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Einen perfekten Poliereffekt erzielt
man allerdings erst mit einem typischen Vergolderwerkzeug, dem
Achatstein. Der Stein wird mit erheblichem Druck gleichmäßig
über die Oberfläche geführt. Dabei werden die
Schichten miteinander verpresst und die geschliffene Spachtelmasse
glänzt wunderschön. Nach all diesen Behandlungsschritten
zeigt sich, wie wichtig eine sorgfältige Grundierung ist.
Sie garantiert die dauerhafte Verbindung von Masse und Leiste. |
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Jetzt nähern wir uns dem
letzten Arbeitsschritt, der Patinierung. Dieser Rahmen soll eine
Goldpatina auf Wachsbasis erhalten, Bevor sie aufgetragen wird,
muss man aber sicherstellen, dass sich kein Schleifstaub mehr
auf der glatten Oberfläche befindet. Deshalb empfiehlt es
sich, auch zwischen den einzelnen Schritten, immer wieder Staub
abzusaugen. Auf die saubere Oberfläche wird zunächst
eine unpigmentierte Schicht des Wachses aufgestrichen. |
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Nun kommt das Pigment dazu. Gunter
Krönes verwendet für diesen Rahmen ein Perlglanz-Pigment
von Kremer. Die Dosierung ist Gefühls- und Erfahrungssache.
Er arbeitet nicht mit vorgegebenen Mengenangaben. Wichtig ist
aber, wie bei der Spachtelmasse auch, dass man von vornherein
genügend Material anrührt, damit es für den gesamten
Rahmen ausreicht. |
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Für die Patina kann natürlich
auch jedes andere Pigment verwendet werden. Besonders schöne
Effekte entstehen aber durch die Verbindung eines farbigen Untergrundes
mit einem metallischen Pigment, also Gold oder Silber. Dass man
beim Anrühren und beim Auftragen nur hochwertigste Pinsel
verwendet, sollte sich für einen Einrahmer ohnehin von selbst
verstehen. |
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Jetzt wird die pigmentierte Wachsbeize
auf den Rahmen aufgepinselt. Auch hier sollte man auf einen gleichmäßigen
Auftrag achten und gegebenenfalls mehrere Durchgänge vornehmen.
Durch die Vertiefungen und Rillen, die beim Schleifen bewusst
nicht ausgeglichen wurden, entsteht von Anfang an eine Maserung,
die dem Rahmen seine individuelle Note verleiht. |
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Wenn der Rahmen komplett mit der
Goldpatina bestrichen ist, folgt der nächste und letzte
Trocknungsdurchgang. Dafür reichen aber meist rund zehn
Minuten aus. Bei hoher Luftfeuchtigkeit kann man die Trocknung
auch durch einen Ventilator beschleunigen. Mit dem Fingerrücken
kann man gut prüfen, ob die Patina schon trocken genug ist,
um geschliffen und poliert zu werden. |
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Sehr vorsichtig wird die Oberfläche
zum letzten Mal abgerieben. Dazu verwendet Gunter Krönes
sehr feine Stahlwolle. Sie nimmt überflüssige Goldpatina
ab und verleiht dem Rahmen sein endgültiges Gesicht. Hier
sieht man sehr schön, wie die Patina in den Vertiefungen
zurückbleibt. An einer Stelle wurde die Spachtelmasse vorher
absichtlich bis auf die Dispersionsfarbschicht durchgerieben,
um auch den Effekt mit unterschiedlichen Farbtönen zu zeigen. |
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Nachdem man gleichmäßig
soviel Patina wie gewünscht abgetragen hat, folgt nochmals
eine Hochglanzpolitur mit einem nicht fusselnden Baumwolllappen.
dadurch wird auch der Glanz, den man vorher mit dem Achatstein
erzeugt hat wieder freigelegt und kommt zum Vorschein. Die Oberfläche
ist jetzt fertig. Sie muss nicht weiter versiegelt werden, ist
durch das Wachs wasserabweisend, und relativ unempfindlich. |
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© Der Kunsthandel 2011 |