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Ausstellungsräume richtig
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Vorsicht bei der Farbauswahl
Wand- und Deckenfarben sind
in Museen, aber auch in Galerien aus konservatorischer Sicht
kritisch zu betrachten. Die eingesetzten Beschichtungen sollten
sowohl lösemittel- als auch weichmacherfrei und am allerbesten
noch photokatalytisch aktiv sein. In diesem Fall wird die Raumluft
von Substanzen gereinigt, die problematisch für die Kunstwerke
sein könnten. Dr. Paul-Bernhard Eipper, Andreas Oberle und
Armin Scharf betrachten dieses Thema vom restauratorischen Standpunkt
aus.
Als Hintergrund oder Hängungsebene
für Ausstellungsexponate spielt die Wand primär eine
dienende Rolle. Meist erscheint sie in schlichtem Weiß,
des Öfteren ausgesprochen farbig, seltener tiefschwarz.
Während über die ästhetische Wechselwirkung der
Farben mit den Exponaten oft diskutiert wird, bleibt der konservatorisch-technische
Aspekt eher ein Randthema. Doch sollte dem Anstrich der Wände,
wie auch der Ausstattung der Räume überhaupt, mehr
Aufmerksamkeit geschenkt werden. Denn nicht wenige Materialien
von Bodenbelägen über Sitzgelegenheiten und
Reinigungsmitteln bis hin zu Wandfarben können Substanzen
abgeben, die schädlich für Kunstwerke sind. Eine kritische
Aufmerksamkeit bei der Materialwahl ist also dringend geboten.
Versteckte Gefahren
Untersuchungen über den
Einfluss von Lösemitteln, ammoniakhaltigen Verbindungen
oder Formaldehyden auf die Materialkombinationen vieler Kunstwerke
stehen noch aus. Doch es kann davon ausgegangen werden, dass
beispielsweise Lösemittel die organischen Materialien schleichend
verändern. Erkennbar sind diese Prozesse vor allem durch
Farbveränderungen der Pigmente, Bindemittel oder Firnisse.
Sie sind nicht umkehrbar und addieren sich bei fortschreitender
Exposition. Formaldehyd wiederum gerbt tierische Leime und Weichmacher
lagern sich an Exponaten an und verändern diese. In ungünstigen
Fällen werden Feinstaubpartikel aus der Luft gebunden, welche
damit Verschmutzungen der Oberfläche verursachen. Bei diesem,
so genannten Fogging-Effekt sind noch nicht alle Ursachen vollständig
geklärt. Fest steht, dass Weichmacher einen entscheidenden
Anteil an dem Effekt haben.
Für die Umgestaltung in Ausstellungsräumen verwendet
man in der Regel handelsübliche Dispersionsfarben. Ihre
hohe Deckfähigkeit, vielfältige Tönbarkeit und
einfache Verarbeitung sowie ihr Preis sprechen für ihren
Einsatz. Doch Dispersionsfarbe ist nicht gleich Dispersionsfarbe.
Die Unterschiede liegen in ihrer Zusammensetzung. So enthalten
preiswerte Produkte durchaus noch geringe Mengen leichtflüchtiger
oder hochsiedender Lösemittel zur Trocknungsverbesserung.
Beide Substanzen wandern in die Raumluft, wobei die so genannten
Hochsieder auch Weichmacher genannt problematischer
sind, weil sie über lange Zeiträume hinweg kontinuierlich
in die Umgebung ausdampfen. Insgesamt ist der Einsatz gefährlicher
Inhaltsstoffe in den letzten Jahren jedoch deutlich reduziert
worden.
Weichmacherfreie Farben
In hochwertigen Wandfarben
sucht man leichtflüchtige Lösemittel meist vergebens
erkennbar sind diese durch die Bezeichnung lösemittelfrei.
Diese Klassifizierung schließt jedoch nicht die schwerflüchtigen
Weichmacher ein, weil sie offiziell nicht als Lösemittel
gelten. Um diese Stoffgruppe auszuschließen, gilt es, auf
lösemittel- und weichmacherfreie Farben zurückzugreifen.
Doch weil hierfür keine übergeordnete Norm existiert,
ist der Nachweis durch eine unabhängige Prüfinstanz
wichtig. So überwacht beispielsweise der TÜV Süd
die Produktion der Schwarzwälder Sto AG und prüft deren
Produkte auf Schadstofffreiheit. So zertifiziert, bietet dieser
Hersteller ein vollständiges Innenraum-Sortiment in lösemittel-
und weichmacherfreier Qualität an. Hochwertige Wandfarben
lassen sich dank ihrer besseren Deckfähigkeit dünnschichtig
aufbringen und abschnittsweise ausbessern, was wiederum Kosten
spart.
Aktiver Anstrich
Vor etwa zwei Jahren kamen die ersten
Wandfarben mit photokatalytischem Zusatzeffekt auf den Markt.
Photokatalyse beschreibt einen Vorgang, bei dem in der Regel
UV-Licht Titandioxidpigmente energetisch anregt, gemeinsam mit
dem Luftsauerstoff organische Bestandteile in der Luft zu unschädlichen
Verbindungen abzubauen. Dieser Vorgang läuft unmittelbar
an der Wandoberfläche ab und reinigt die Raumluft von Gerüchen
und organischen Schadstoffen. Nun sollte ja in Ausstellungsräumen
möglichst kein kurzwelliges UV-Licht vorhanden sein, um
photochemische Schädigungen der Exponate auszuschließen.
weigehend gewährleistet ist dies in der Regel dadurch, dass
sowohl Fenster- und Bilderglas als auch Leuchtmittel mit einem
UV-Filter ausgestattet sind. Durch Nutzung eines modifizierten
Titandioxids kann aber auch das Licht des sichtbaren Spektralbereichs
die Katalyse betreiben. Einen solchen Visible Light Catalyst
enthält bislang jedoch nur die photokatalytisch aktive Farbe
Sto Climasan Color. Sie stellt sicher, dass der luftreinigende
Prozess auch ohne UV-Strahlung im Museumsinneren stattfinden
kann.
Der momentane Trend zu teils stark farbigen Wänden lässt
sich mit einer photokatalytischen Farbe nur begrenzt realisieren,
weil der Prozess auch organische Pigmente abbauen würde.
Für intensive Abtönungen müssen also wieder passive
Farben zum Einsatz kommen, die auch organische Pigmentierungen
erlauben. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass die verwendeten
Pigmentpasten Lösemittel enthalten können. Abhilfe
bieten hier Pigmentpasten mit lebensmittelrechtlicher Zulassung,
wie sie in TÜV-kontrollierten Innenprodukten zum Einsatz
kommen.
Starke Farbigkeiten und photokatalytische Aktivität schließen
sich also nach dem derzeitigen Stand der Technik aus. Doch der
Anstrich der Wände mit hochwertigen, lösemittel- und
weichmacherfreien Dispersionsfarben kann ohne Probleme mit einer
photokatalytischen Deckenbeschichtung verbunden werden. Diese
Lösung eignet sich auch für Wechselausstellungsräume,
in denen meist nur die Wände verändert werden. Natürlich
ersetzt die Photokatalyse keine aktive Belüftung oder Klimatisierung
der Ausstellungsräume, die gewährleistet, dass beispielsweise
durch große Besuchermengen eingetragene Feuchtigkeit sicher
abgeleitet wird.
Diese, im sichtbaren Lichtspektrum photokatalytisch aktiven Innenfarben,
die einer strikten Schadstoffkontrolle unterliegen, wurden zwar
nicht speziell für den Museumseinsatz konzipiert, doch mit
ihren Eigenschaften kommen sie einer Museums- oder Galeriefarbe
sehr nahe. Sie tragen zu einem kunstfreundlichen Klima bei
für die Exponate, aber auch für Aussteller, Händler,
Besucher, Kunden, Versicherer und Leihgeber.
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