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Das Baustrahler-Studio
Ein Bild von einem Bild

Fast jede Galerie und fast jedes Einrahmergeschäft hat inzwischen einen Internetauftritt. Um dort – oder auch in Prospekten und Flyern – die eigenen Leistungen und Produkte angemessen zu präsentieren, benötigt man Fotos davon in guter Qualität. Für viele Betriebe ist es aber zu teuer, jedes Mal einen professionellen Fotografen zu engagieren, um zum Beispiel gerahmte Bilder oder Originale abzulichten. Mal eben schnell mit der Handtaschen-Kamera abgedrückt, bringt aber auch keine verwertbaren Ergebnisse. Ein guter Mittelweg ist das so genannte Baustrahler-Studio, mit dem man ohne große Vorkenntnisse und vor allem ohne hohe Kosten durchaus vernünftige Bilder machen kann.

Surft man im Internet durch die Seiten von Galeristen und Kunsthändlern, so findet man immer noch ziemlich viele Abbildungen von Gemälden oder Rahmen in relativ schlechter Qualität. Viele sind mit Blitzreflexionen, verwackelt, verzerrt, zu hell oder zu dunkel und mit Farben, die mit der Realität gar nichts zu tun haben. Ob man damit das Interesse potenzieller Kunden wecken kann, ist sehr fragwürdig.
Die Einrichtung eines eigenen kleinen Studios kann hier Abhilfe schaffen. Dort kann man jederzeit bei Bedarf Fotos in brauchbarer Qualität für Druck- und Onlinemedien herstellen. Meist genügt dafür eine ungenutzte Ecke in der Werkstatt oder ein – im Idealfall fensterloser - Nebenraum.
Wer den Platz nicht dauerhaft zur Verfügung hat, kann das Studio auch so einrichten, dass nach der Fotosession alle Utensilien wieder verstaut werden. Eine Studioausrüstung fällt jedoch in den professionellen Fotobereich und kann schnell mehrere 10 000 Euro kosten. Vor allem eine ordentliche Blitzanlage kann sehr teuer sein. Außerdem muss man sich schon sehr intensiv mit dem Thema auseinandersetzen, um sie sinnvoll einsetzen zu können. Als Alternative bietet sich günstiges Dauerlicht an. Die preiswerteste Variante sind Halogen-Baustrahler.

Korrektes Weiß

Hervorragend geeignet sind die einfachen Baustrahler aus dem Baumarkt. Modelle mit 500 Watt Leistung inklusive Stativ sind schon für unter 30 Euro zu bekommen, bei Ebay manchmal sogar unter 10 Euro. Dabei sollte man aber einen wichtigen Punkt berücksichtigen: Auch wenn die Strahler extrem hell wirken, so sind 500 Watt für ein Fotolicht nicht besonders viel. Wenn man von einer Belichtungszeit von 1/60 Sekunde ausgeht, dann ist das eine Energie von gut 8 Wattsekunden. Ein kleiner Studioblitz hat schon 250 Wattsekunden. Daher ist es auf jeden Fall notwendig, mindestens zwei Strahler einzusetzen, auch um eine gleichmäßigere Ausleuchtung und eine bessere Lichtführung zu erzielen.
Außerdem handelt es sich bei Baustrahlern um so genanntes heißes Licht. Das Licht der Baustrahler hat eine Farbtemperatur von ungefähr 3000 Kelvin. Zum Vergleich: Tageslicht liegt bei etwa 5500 Kelvin. Zudem schwankt die Farbtemperatur bei den billigen Halogenröhren ziemlich stark. Diese Farbdifferenz muss man ausgleichen, da man sonst sehr stark Rot-Orange-stichige Fotos bekommt. Das ist nur mit einer digitalen Kamera mit manuellem Weißabgleich möglich, was aber fast alle aktuellen Modelle beherrschen. Dabei definiert man sozusagen, was in der jeweiligen Lichtumgebung weiß, oder, genauer gesagt, ohne Farbe ist.
Zum manuellen Weißabgleich hält man die Digitalkamera formatfüllend auf eine möglichst weiße oder neutral graue Fläche in der zu fotografierenden Umgebung. Ein weißes DIN-A4-Blatt tut es zur Not auch. Da jedoch viele Papiere optische Aufheller enthalten, können sie der Kamera zu blau erscheinen, was nach dem Weißabgleich dann einen Gelbstich der Bilder zur Folge hat. Besser geeignet ist ein Tempo-Taschentuch oder sogar eine eigens dafür gedachte Graukarte. Nach Betätigung der entsprechenden Funktionen, die man der Bedienungsanleitung der Digitalkamera entnimmt, kann der Kamera-Prozessor die richtige Farbtemperatur ermitteln. Bevor es zum Ernstfall kommt, sollte man einmal in Ruhe testen, womit der manuelle Weißabgleich der verwendeten Kamera gut funktioniert. Dimmen sollte man die Halogenstrahler übrigens nicht, da sich damit die Farbtemperatur nochmal verschiebt und zwei unterschiedlich gedimmte Strahler somit nicht mehr zusammenpassen.

Weiches Licht

Das Licht eines Baustrahlers ist ziemlich hart und grell. Auf ein Bild gerichtet würde das Licht das Motiv in der Mitte zumindest teilweise überstrahlen, während andere Partien am Rand zu dunkel wären. Um weicheres Licht zu erreichen, muss deshalb die Abstrahlfläche der Lichtquelle vergrößert werden. Im Idealfall sollte diese Fläche mindestens so groß sein wie das zu fotografierende Objekt. Bei professionellen Blitzanlagen erreicht man das durch verschiedene Lichtformer wie Softboxen und Diffusoren, die direkt vor dem Blitzkopf befestigt werden, oder Reflex- und Durchlichtschirme. Solche Durchlichtschirme kann man günstig mit einem einfachen, großen, weißen Regenschirm improvisieren, der vor dem Baustrahler befestigt wird. Solche Schirme gibt es ab 4 Euro mit einem Durchmesser von 120 Zentimetern und mehr in Internetshops oder manchmal - sogar noch günstiger - als Werbeartikel.
Nun gilt es, den Regenschirm so vor dem Baustrahler zu befestigen, dass er das Licht möglichst gleichmäßig auf dem Bild verteilt. Die benötigten Teile für eine Halterung gibt es auch in jedem Baumarkt zu kaufen, oder sie sind zum Teil sowieso in einer Einrahmerwerkstatt vorhanden. Man braucht pro Strahler eine Lochplatte, 18 mal 4 Zentimeter, zwei 12 oder Millimeter Rohrclips aus der Sanitär- oder Elektroabteilung, je nach Stärke des Regenschirmstocks, zwei M6 mal 16 Millimeter Schrauben, eine M6 mal 40 Millimeter Schraube und drei Unterlegscheiben, 6,4 mal 18 mal 1,6 Millimeter.
Man befestigt mit den kurzen Schrauben und zwei Unterlegscheiben jeweils einen Rohrclip vorne und hinten an der Lochplatte. Die Lochplatte wird dann über der Halterung des Strahlers auf die Stativschraube aufgesetzt und im rechten Winkel zur Strahlerhalterung mit der langen Schraube und einer Unterlegscheibe festgezogen. Nun lässt sich der Schirm mit etwas Kraft in die Rohrclips einklipsen und sitzt vor dem Strahler. Der Abstand sollte so groß wie möglich gewählt werden, ohne dass Licht am Schirm vorbei strahlt. Beim Einklipsen und Entfernen des Schirms sollten Sie vorsichtig sein, weil die Lochplatte scharfe Kanten haben könnte. Um hier auf Nummer sicher zu gehen, können Sie die Kanten der Platte mit einer Eisenfeile entgraten.

Störende Reflexionen

Mit dieser Kombination – Baustrahler, Regenschirm – und einer kompakten Digitalkamera sollte es schon möglich sein, relativ gute Fotos von Bildern oder Rahmen zu erhalten. Das Licht ist angenehm weich und gleichmäßig auf dem Bild verteilt. Es gibt allerdings auch eine Menge Streulicht im Raum. Dies kann in Kombination mit farbigen Decken, Wänden, Vorhängen oder anderen Einrichtungsgegenständen zu Problemen führen. Ihr improvisiertes Studio sollte daher am besten farbneutral also weiß, grau oder schwarz sein. Ein mattes Schwarz wäre perfekt, weil es das Streulicht schluckt und so jegliche ungewollten Reflexionen von den Wänden verhindert. In der Praxis sind leichte Reflexionen von einer weißen Decke aber halb so schlimm. Farbige Wände machen sich möglicherweise mit einem leichten Farbstich bemerkbar. Hier können schwarze Vorhänge an den Wänden helfen. Ganz leichte Farbstiche können Sie unter Umständen auch noch bei der Nachbearbeitung am Computer beseitigen.

Flexible Aufheller

Um mehr Lichtleistung zu bekommen, kann es sinnvoll sein, einen zweiten Strahler in den selben Schirm leuchten zu lassen. Dafür einfach den zweiten Strahler nah neben den ersten Strahler mit Schirm stellen und darauf achten, dass er vollständig in den Schirm leuchtet. Dabei unbedingt aufpassen, dass nicht irgendwelche Plastikteile vom Stativ zu nah an eins der heißen Gehäuse der Halogenleuchten kommt. Auch nach dem Fotografieren sollten Sie sehr vorsichtig sein und die Baustrahler erst komplett abkühlen lassen. Die Hitzeentwicklung ist enorm. Nicht immer ist es notwendig, das Bild dadurch aufzuhellen, dass man eine zusätzliche Lichtquelle benutzt. Oft genügt ein einfacher, großflächiger Aufheller, der das Licht der Hauptquelle diffus reflektiert und es zurück auf das Bild wirft. Eine praktische, rollbare Variante ist wieder mit Mitteln aus dem Baumarkt kostengünstig und schnell gebastelt. Dazu braucht man zwei Styroporplatten, 100 mal 50 Zentimeter groß und 5 bis 6 Zentimeter dick, einen Blumenrollwagen mit Holzplatte oder Holzlamellen, zirka 35 mal 35 Zentimeter groß, zwei Winkel mit 15 Zentimetern Kantenlänge, Holzschrauben 4 mal 16 und zwei Stricknadeln der Stärke 6.
Die Winkel werden mit den Schrauben so auf dem Rollwagen befestigt, dass eine Styroporplatte genau hochkant dazwischen passt. Von den Stricknadeln die Plastikenden mit einem Seitenschneider entfernen und mit einem kleinen Hammer zur Hälfte in die kurze Kante der einen Styroporplatte versenken. Dann die Platte auf den Boden legen und die zweite gerade dagegen schieben. Die Stricknadeln dienen als Verbindung der beiden Stropoplatten und wir erhalten so einen 200 mal 50 Zentimeter großen Reflektor. Diesen dann in den Rollwagen-Halter stecken und fertig ist der Aufheller. Wenn gewünscht, kann vorher noch eine Seite mit schwarzem Samtpapier abgeklebt werden. Dann erhält man nicht nur einen Aufheller, sondern zusätzlich auch einen Lichtschlucker, der vor Fenster oder stark reflektierende Einrichtungsgegenständen platziert werden kann. Der Aufheller kann dann einfach in die gewünschte Position gerollt werden. Er ist allerdings nicht sehr stabil und Sie sollten etwas vorsichtig mit ihm umgehen. Es kann nicht schaden, mehrere solcher Aufheller zur Hand zu haben.

Ohne Glas

Jetzt haben Sie schon ein relativ gut ausgestattetes Do-It-Youself-Fotostudio und vielleicht noch nicht mal 100 Euro dafür ausgegeben. Mit etwas Übung werden Sie schnell herausfinden, wie Sie Strahler und Aufheller perfekt positionieren, um die beste Ausleuchtung Ihrer Bilder zu erhalten. Wichtig ist auch, dass die Bilder zum Fotografieren möglichst gerade an der Wand hängen. Die Kamera sollte so platziert sein, dass sie der Mitte des Bildes gegenüber steht. Wenn möglich, fotografieren Sie die Bilder immer ohne Bilderglas. Selbst wenn sie mit entspiegeltem Glas gerahmt sind, kann man noch Reflexionen auf den Fotos sehen.
Wählen Sie zum Fotografieren niemals eine Brennweite unter 50 Millimetern, weil das Foto sonst wahrscheinlich Verzerrungen aufweist. Ideal ist der Bereich zwischen 50 und 100 Millimetern. Stellen Sie die Kamera auf ein Stativ und verwenden Sie den Selbstauslöser, um Verwacklungen auszuschließen. Den Blitz brauchen Sie nicht, weil das Bild ja bereits durch die Baustrahler und Aufheller ausgeleuchtet ist. Wenn Sie jetzt ein wenig experimentieren, müsste es Ihnen mit dieser Mindestausstattung eigentlich gelingen, vorzeigbare Fotos zu machen.

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© Der Kunsthandel 2011