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Versand von Bildern
Sicherheit in der Kiste, Teil
I
Nahezu jeder Galerist und
Kunsthändler muss irgendwann auch Bilder transportieren
oder versenden. Sei es, um sie auf Messen oder Ausstellungen
zu bringen oder um sie zum Kunden zu schicken. Der Versand ist
ein heikler Prozess, weil die Gefahr von Schäden an den
Kunstwerken besonders groß ist. Diplom-Restaurator Dr.
Paul-Bernhard Eipper, Leiter des Referats Restaurierung am Universalmuseum
Joanneum in Graz erklärt, welche Punkte man beachten sollte,
wenn man Transportkisten bauen oder kaufen möchte, damit
die Bilder in perfektem Zustand ankommen.
Beim Kunsttransport geht es
hauptsächlich um die Eingrenzung und Reduzierung der Schäden,
die durch Erschütterungen und nicht ausreichend geregeltes
Klima in Versandkisten entstehen können. Zu Versandkisten
existieren Listen über Materialien, die verwendet und empfohlen
werden, auch für den Selbstbau. Dazu wurden die verwendeten
Werkstoffe sowie Binde- und Klebemittel auf ihre Komponenten
und Ausdünstungen untersucht, die zum Teil eine relativ
hohe Schadstoffbelastung verursachen. Aus Kostengründen
werden dennoch oft nicht die geeigneten Werkstoffe verwendet,
sondern es wird den ungeeigneten, kritisch zu betrachtenden Materialien
der Vorzug gegeben.
Die eingesetzten Werkstoffe für Transportkisten bestehen
im Allgemeinen aus den folgenden Komponenten: Nadelholz (abgelagert,
harzfrei), Holzstäbchenplatten (Tischlerplatten), Weichfaserplatten,
selten Hartfaser- und Sperrholzplatten, mit Klebefolie beschichtetem,
farbigem Filz, verschiedenen Schaumstoffen mit oder ohne Aluminiumauflage,
mit Klebefolien beschichteten Naturkautschukbändern, Gummiabdichtbändern,
Klebeband und Holzleim und Anstrichstoffe (Acryllacke, Alkydharzlacke).
Gefahr durch Rost
Falls Metall zum Einsatz kommen
soll, dann in erster Linie einbrennlackierter oder verchromter
Stahl ohne offene Kanten und Perforierungen. Ansonsten besteht
die Gefahr von Rostbildung. Einbrennlackiertes, eloxiertes Aluminium
kann bei der Oxidation keine Peroxyde mehr abgeben und ist dann
gefahrlos für die Kunstobjekte.
Klebemittel bestehen aus von der Industrie formulierten, modifizierten
Rohstoffen. Meist werden ihnen äußere Weichmacher
beigegeben, die die Klebeeigenschaften verbessern, aber auch
ausdampfen können. Die in der Holzplattenherstellung verwendeten,
formaldehydhaltigen Aminoplaste und Phenolharze werden unter
hohem Druck und Wärme verpresst. Sie dampfen über Jahre
aus, können hohe Konzentrationen in der verschlossenen Kiste
erreichen und proteinhaltige Leime gerben. Dass die oft empfohlenen
Aktivkohlefilter mehr Sicherheit bringen, erscheint zweifelhaft,
da sie nur bis zur Einstellung eines Gleichgewichts in der Kiste
Schadstoffe absorbieren. Lieferbar ist Aktivkohle mittlerweile
als Granulat, Papier, Pappe, Platten oder Tücher.
Holz - selbst natürliches, unbehandeltes Holz - gibt im
Laufe der Alterung vor allem Essig- und Ameisensäure ab,
in geringerem Maße auch Alkohole und Formaldehyd. Die Abgabe
von organischen Säuren nimmt auch mit der Zeit nicht ab
und findet vor allem bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von
über 60 Prozent statt. Nur bei Objekten aus Holz, Stein,
Keramik und Glas ist der direkte Kontakt zu Holz unbedenklich.
Hölzer, die für den Kistenbau roh nicht verwendet werden
sollten sind Eiche, Tanne (Douglasie), Kastanie, Buche, Kiefer,
Föhre. Vor allem an Objekten aus Blei und an bleihaltigen
Legierungen wirken diese Hölzer korrosionsfördernd.
Mahagoni, Walnuss, Birke, Iroko, Ramin, Fichte, Ulme können
unter Umständen eingesetzt werden.
Vorsicht bei Spanplatten
Vor Holzwerkstoffen wird in
der Regel gewarnt. Manche Sperrholzplatten, Spanplatten und MDF-Platten
geben Formaldehyd und organische Säuren ab. Sollten diese
Platten wegen ihrer höheren Festigkeit oder Pufferwirkung
verwendet werden müssen, sollten sie nur an allen Seiten
und Kanten laminiert oder mit Melaminharzbeschichtung (Resopal)
zum Einsatz kommen. Auch können mit Aluminiumverbundfolie
bezogene Platten eingesetzt werden. Diese Sandwichfolie (innen
Aluminium, an den Deckflächen Kunststoff) kann durch Hitzeversiegelung
auf einen jeweiligen Untergrund aufgebracht werden und diesen
so abschließen, dass die schädlichen Emissionen minimiert
werden.
Holzstäbchenplatten sollten durch Masonite-Platten oder
durch ebenfalls harte, aber elastischere, im Nassverfahren hergestellte,
Holzfaserplatten, MDF- oder HDF-Platten ersetzt werden. E 0-Spanplatten,
die mit Polyisocyanaten (Polyurethan) verleimt sind, eignen sich
nicht gut für den Kistenbau. Sie neigen zum Ausbrechen bei
Bohrung und Verschraubung. Auch ist das beigemischte Polyurethan
nicht stabil. Diisocyanate dampfen aus. Im Nassverfahren hergestellte
Weichfaserplatten sind unbedenklich und besitzen vorzügliche
hygroskopische Eigenschaften, das heißt, sie können
Feuchtigkeit binden. Sie sind jedoch nicht gegen Abrieb beständig
und neigen zum Ausbrechen, weshalb sie zumeist mit Papieren oder
Stoffen beschichtet werden.
MDF ohne Formaldehyd
Auch MDF-Platten, die eine
geringe Formaldehydemission von 0,1 Millionstel (ppm) aufweisen,
besitzen eine hervorragende Eignung für den Versandkistenbau.
Die Ausgangsmaterialien werden mit Bindemitteln gemischt und
im Trockenverfahren unter Druck bei 230 Grad verpresst. Die Platten
sind in allen Dicken von sechs bis 38 Millimeter verfügbar,
können aber auch in jeder Schreinerei problemlos dünner
geschliffen werden. Seit 1994 ist die formaldehydfrei verleimte
MDF Topan FF Platte der Glunz AG auf dem Markt. Als Bindemittel
liegt hier ein Gemisch aus Polyurethan (PUR) und Polyharnstoff
vor. Diese Platte weist eine geringere Rohdichte auf, quillt
nicht so stark wie die herkömmliche Topan-Platte und enthält
weniger Bindemittel. Die Topan FF Platte ist jedoch nicht in
der Lage, soviel Feuchtigkeit wie die herkömmliche Topan
MDF Platte zu speichern.
Es bleibt letztlich festzustellen, dass beide MDF-Topan Sorten
für den Transportkistenbau in Frage kommen. MDF-Topan (UF-verleimt)
bietet den Vorteil der höheren Aufnahme von Wasserdampf,
stellt aber eine gewisse, wenn auch geringe Formaldehydbelastung
für das Objekt dar. MDF-Topan FF (PUR-verleimt) kann weniger
Wasserdampf aufnehmen, worauf es ja eigentlich ankommt, bietet
aber den Vorteil, das Exponat nicht mit Formaldehyd-Ausdunstungen
zu belasten.
Sollten MDF-Topan-Platten nicht erhältlich sein, kann auch
auf die HDF-Platte Homadur, zurückgegriffen werden, die
der Topan relativ ähnlich ist. Diese, aus fein aufgeschlossenen,
heimischen Nadelholzfasern (Fichte und Kiefer) im Trockenverfahren
kontinuierlich hergestellte Platte ist roh, beziehungsweise beidseitig
glatt in den Stärken 2,5, 3, 4, 5, und 6 Millimeter lieferbar.
Sie hat einen Leimanteil von 1,5 Prozent. Die Homadur-Platte
ist wie MDF-Topan der Emissionsklasse E 1 zuzuordnen.
Ausdampfende Säuren können Kunstwerke langfristig schädigen.
Ligninhaltige Pappen sind daher tabu. Auch die leichten, mit
weißem Papier beschichteten PU-Schaumplatten (z.B. Kapa)
sind nicht ideal, da sie saure Abbauprodukte abgeben und zudem
nicht hygroskopisch sind. Sicher sind säurefreie, im sauren
Bereich gepufferte (z.B. Mit CaCO3) Pappen und Kartonagen. Allerdings
müssen auch diese regelmäßig erneuert werden,
da sie Schadstoffe aus der Luft aufnehmen.
Gewebe vorher waschen
Auch textile Gewebe sind nicht
frei von Zusatzstoffen, die im Laufe des Produktionsprozesses
zur besseren Verarbeitung beigegeben werden. Um unerwünschte
Apperturen zu entfernen, sollten die eingesetzten Gewebe zuvor,
mit geeigneten Waschmitteln warm gewaschen werden. Prinzipiell
geeignet sind dann ungebleichte, ungefärbte Gewebe aus Baumwolle,
Leinen und Ramie. Ebenfalls verwendet werden können Gewebe
aus Polyester (z.B. Holytex, Reemay), Nylon (z.B. Cerex) und
Acryl (z.B. Orlon, Decofelt). Sie stellen aber keinen Feuchtigkeitspuffer
dar.
Ungeeignet sind nicht alterungsbeständige, PU-haltige Gewebe
(z.B. Lycra, Elasthan). Auch imprägnierte und feuerfeste
Beschichtungen auf Stoffen sind zu vermeiden. So behandelte Gewebe
können Disodium Phosphate und Harnstoff-Formaldehyd enthalten.
Nur unter Umständen können Wolle, Seide und Viskose
zum Einsatz kommen, da sie Schwefelverbindungen enthalten. Vor
allem bei Objekten aus Silber wurde ein bemerkenswerter Anstieg
der Korrosionsrate festgestellt. Baumwolle oder Polyestergewebe
sind dafür idealer.
Beim Thema Wollfilz sollten nur unbeschichtete, reine, im Walkverfahren
hergestellte Stückfilze zur Beschichtung eingesetzt werden.
Dieser Filz muss der Europäischen Norm EN 71 entsprechen,
da sonst die Gefahr ausdünstender Farb- und Klebemittel
sowie hoch siedender Weichmacher gegeben ist. Die Eigenschaft
von Wolle, Schwankungen der relativen Luftfeuchtigkeit auszugleichen,
ist natürlich von Vorteil beim Einsatz in Transportkisten.
Sollten die hier beschriebenen Wollfilze verwendet werden, so
ist zu beachten, dass Wolle bei thermischer und photochemischer
Zersetzung schwefelhaltige Gase abgibt. Beim Abbau cystinhaltiger
Proteine unter Einwirkung von UV-Strahlung, bei Sonnenbestrahlung
und erhöhten Temperaturen (> 50°C) können freigesetztes
Carbonylsulfid, Kohlenstoffdisulfid und Schwefelwasserstoff nachgewiesen
werden. Die Feuchtigkeitsanteile der Wolle (20 bis 80 Gewichtsprozente)
erhöhen die Abgabe zudem. Dies führt beispielsweise
an nur lose gebundenen, bleihaltigen Pigmenten zur Bildung von
schwarzem Bleisulfid und an Metallen wie beispielsweise Silber
zur Bildung von Silbersulfid beziehungsweise zu Veränderungen
der Oberfläche. Stückfilze sollten durch Tackerklammern
oder durch weichmacherfreie Klebedispersionen rückseitig
auf der Weichfaserplatte fixiert werden.
Im Teil II lesen Sie, welche Kunststoffe und Klebemittel für
den Bau von Versandkisten empfehlenswert sind.
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