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Brian's
Corner: Der Amerikaner
Brian Wolf ist der weltweit bekannteste Einrahmungsexperte und
ein wahrer Meister beim Gestalten von Passepartouts. Der Schulungsleiter
der Wizard Universität kreiert all seine Entwürfe an
Wizard Passepartoutschneidern und schreibt im KUNSTHANDEL exklusiv
über Material, Technik und Verkauf.
Dreilagige Passepartouts
mit Verzierungen
Wirkung auf den zweiten Blick
Aus allen möglichen
Richtungen bekommen wir Vorschläge, wie man Passepartouts
am besten verzieren kann. Unsere Ansprüche und die unserer
Kunden führen dazu, dass wir viele ausgefallene Techniken
lernen, aber oftmals die einfachen Methoden aus den Augen verlieren.
Das dreilagige Passepartout kommt bei der Einrahmung zum Einsatz,
seit es verschiedenfarbige Passepartouts gibt. Es ist einfach
herzustellen und sieht gut aus. Wenn es nur ein paar Millimeter
einer Farbe zeigt, wird es zu einer Betonung für das Bild
und hat die gleiche optische Wirkung wie eine Tusche-Linie. Wenn
der untere Karton stattdessen um einige Zentimeter vorsteht,
sieht es aus wie ein Französisches Passepartout.
Die eindrucksvollsten dreilagigen
Passepartouts beginnen mit einem breiten Vorstoß. Es gibt
verschiedene Wege, die beiden inneren Vorstöße zu
arrangieren, aber die hier gezeigten Beispiele sind alle Variationen
eines Themas. Sie haben alle einen Vorstoß von drei Millimetern
in der mittleren Lage und der Vorstoß der unteren Lage
liegt bei 15 oder 20 Millimetern.
Jedes der Bilder in unseren Beispielen hat einen eigenen Stil,
den wir ganz einfach mit Farbe und Formen betonen können.
Egal, ob die Verzierungen sehr einfach oder etwas aufwendiger
angefertigt werden, es gibt einen Grundsatz, den Sie immer beachten
sollten: Stellen Sie sich das fertige Bild vor, wie es an der
Wand auf der anderen Seite des Raumes aussieht. Es sollte angenehm
präsentiert sein und die Verzierung sollte nur ganz dezent
zu sehen sein. Wenn Sie sich dann Schritt für Schritt dem
Bild nähern, sollten die Verzierungen mehr und mehr wahrnehmbar
werden. Wenn Sie dann nur noch einen Schritt von dem Bild entfernt
sind, sollte die Verzierung ihre volle Wirkung entfalten.
Um das zu erreichen, sollte man auf jeden Fall einen rechteckigen
Ausschnitt wählen. Sicherlich gibt es auch Bilder, die gerade
durch eine Veränderung der Ausschnittsform interessant wirken.
Bei den hier dargestellten Beispielen sind aber alle Ausschnitte
rechteckig, weil die Verzierungen dann bei einer Betrachtung
aus größerer Distanz nicht so auffällig sind.
Geometrische
Applikationen
Das erste Beispiel ist ein
dreilagiger Ausschnitt, der mit einem manuellen Passepartoutschneider
geschnitten wurde. Der innere Vorstoß beträgt 17 Millimeter.
Dieses Landschaftsmotiv von Gustav Klimt hat nicht so eine starke
dekorative Wirkung, wie man es sonst von seinen Werken gewöhnt
ist, aber der Stil der Wiener Secession ist ja bekannt für
seine geometrischen Formen, die man sowohl in der Malerei als
auch in der Architektur sehen kann.
Die abgeschrägten, quadratischen Applikationen auf dem inneren
Ausschnitt greifen den Stil auf. Sie messen waagerecht zehn Millimeter.
Der Kontrast zwischen den Quadraten und dem Passepartout ist
so gewählt, dass sie aus der Ferne mit dem Passepartout
zu verschmelzen scheinen, aber er ist auch wieder stark genug,
dass sie deutlich hervortreten, sobald man nahe genug am Bild
ist. Platzierung und Kontrast der Quadrate werden so gewählt,
dass sie mit oben erwähntem Grundsatz vereinbar sind. Sie
sind keine störenden Elemente auf einem hellen Passepartout,
sondern fügen sich dezent in ein dunkles Zierpanel ein.
Schmaler
Ausschnitt
Das zweite Beispiel zeigt eine
andere Variante der dekorativen Einrahmung, die das Bild nicht
in den Hintergrund drängt. Wir verändern dabei die
Form der zwei äußeren Passepartouts so, dass der mittlere
Vorstoß eine interessante Linie um die Öffnung zieht.
Dieses Passepartout wurde mit einem computergesteuerten Passepartoutschneider
von Wizard geschnitten. Das Muster ist eine Standardvorlage mit
ein paar kleinen Modifikationen. Die beiden oberen Ausschnitte
sind so geschnitten, dass der mittlere, rostfarbene Vorstoß
in den Kanten nicht mehr rechteckig, sondern geschwungen ist.
Dabei sind die unteren Ecken stärker geschwungen als die
oberen. Dadurch wird den unteren Ecken optisch mehr Gewicht verliehen.
Auch dieser Effekt ist aus einer größeren Entfernung
kaum wahrzunehmen.
Wer sich mit Passepartoutdesign beschäftigt, sollte immer
bedenken, dass jeder und ich meine wirklich jeder
Arbeitsschritt bereits seine Auswirkungen auf die Präsentation
des gerahmten Bildes hat. Ein schlichter, rechteckiger Ausschnitt
in einem einfachen, neutralen Karton erzeugt zum Beispiel den
Eindruck von Nüchternheit und Strenge. Kurven hingegen bringen
eine Auflockerung mit sich und sorgen für einen romantischeren
Gesamteindruck. Sie relativieren sozusagen den strengen Look
und schwächen ihn ab.
Dekorative
Formen
Das dritte Beispiel ist ein
sehr traditionelles Stillleben mit ziemlich formlosen Rändern.
Das Hauptmotiv ist mittig platziert und der Hintergrund ist sehr
schlicht gehalten. Die Passepartoutverzierung ist eine Kombination
aus den ersten beiden Beispielen. Der drei Millimeter schmale
mittlere Vorstoß ist in den Ecken geschwungen und hat Blätter,
die den Anschein haben, dass sie aus dem mittleren Karton ins
eigentliche Motiv wachsen. Die Form der Blätter wurde aufgezeichnet
und dann mit einer computergesteuerten Passepartoutschneidemaschine
zugeschnitten.
Der innere Vorstoß hat eine Breite von 15 Millimetern.
Obwohl er nicht breit genug ist, um als kompletter Hintergrund
hinter den Blättern zu stehen, entsteht dennoch der Eindruck,
als würden die Blätter zum inneren Vorstoß gehören
und nicht zum mittleren. Da das Bild einen sehr schlichten Hintergrund
besitzt, wird es nicht durch diese dekorativen Elemente beeinträchtigt.
Zeitgenössisches
Beispiel
Die Techniken der Passepartoutverzierung
sind vor allem dann besonders beliebt, wenn sie sich möglichst
vielseitig einsetzen und mit möglichst vielen Stilrichtungen
kombinieren lassen. Das Bild im letzten Beispiel ist sehr leuchtend
und abstrakt, nicht so wie die anderen Beispiele, die ja eher
im traditionellen Stil gemalt wurden.
Das Passepartoutdesign integriert eine Applikation mit einer
zusätzlichen Form, die über den mittleren Ausschnitt
hinausragt und quasi in den inneren Vorstoß eindringt,
ähnlich wie beim vorherigen Beispiel. Der innere Vorstoß
hat eine Breite von 16 Millimetern und die Dreiecke haben eine
Breite von 30 Millimetern. Die Dreiecke ragen nur ein paar Millimeter
in das Motiv hinein, um den unregelmäßigen Eindruck
des Bildes zu unterstreichen. Die Proportionen sind wahrscheinlich
der wichtigste Aspekt bei all diesen Beispielen. Zuschnitte lassen
sich nur bis zu einer bestimmten Minimalgröße anfertigen,
ohne dass das Passepartout auseinander fällt.
Normalerweise verwenden wir für die Beispiele nur relativ
kleine Bilder, die meisten haben eine Größe von 15
mal 20 Zentimetern. So werden die dekorativen Elemente auf den
Abbildungen besser sichtbar, weil sie in Relation zum Bild größer
wirken. Bei einem so kleinen Bild entsteht allerdings leicht
der Eindruck, dass die Verzierungen im Vergleich zum Motiv viel
zu dominant sind, egal wie klein sie auch wirklich sein mögen.
Der Betrachter könnte sie dann leicht für übertrieben
halten und deshalb auf ihren Einsatz verzichten.
Feingefühl des Einrahmers
Deshalb haben wir bei den Bildern
für diese Beispiele eine relativ gängige Größe
verwendet zwischen 40 und 60 Zentimeter hoch. Der Grund
ist ganz einfach: Wir wollten Ihnen zeigen, dass die dekorativen
Elemente eben aus einer gewissen Distanz betrachtet keinesfalls
zu prägnant sind. Das Ganze hat jedoch auch einen Nachteil.
Jetzt könnte wiederum der Eindruck entstehen, die einzelnen
Elemente wären zu klein und würden nicht besonders
herausstechen.
Hier ist das Feingefühl des einzelnen Einrahmers gefragt,
um letztendlich die Größe festzulegen. Motiv, Farben,
Malstil, Kundengeschmack und natürlich auch der künftige
Platz des Bildes müssen bei dieser Entscheidung mit berücksichtigt
werden. Aber lassen Sie sich davon nicht abhalten, mit dieser
dekorativen Technik zu experimentieren.
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