Handwerk

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Durchreiben von Glanzgold / Mattvergoldung
Variationen zur Glanzvergoldung

Glanzvergoldungen gehören zum Standardrepertoire von Einrahmern. Bei manchen Stücken bieten sich aber auch Variationen zur klassischen Technik an. Solche stellt die Vergoldermeisterin Karin Havlicek, Autorin des Standardwerks „Vergolden mit Blattgold“,
mit dem Durchreiben von Glanzgold und der Mattvergoldung im KUNSTHANDEL vor.

Mit dem Durchreiben von Glanzgold, dem partiellen oder flächigen Abtragen des Blattgolds, sind sehr schöne Effekte zu erzielen. Man kann den Farbklang des Goldes beeinflussen, indem man die Bolusfarbe hervortreten lässt. Mit der Dosierung des Durchriebs kann man ein Werkstück auch älter erscheinen lassen, indem man den natürlichen Alterungsprozess imitiert.
Je nachdem, wie stark das Glanzgold geleimt ist, bieten sich verschiedene Hilfsmittel an; am besten probiert man das Durchreiben an einem identisch hergestellten Musterstück aus. Mit einem feinen Baumwolltuch, befeuchtet mit Alkohol, tastet man sich zunächst an das Durchreiben heran, indem man das Tuch über den Zeigefinger spannt. Alkohol verwendet man, weil er der Glanzgoldoberfläche nichts anhaben kann; Wasser hingegen lässt das Gold schütter werden oder sich ablösen. Man fährt mit leichtem Druck in Längsrichtung des Profils, zuerst noch an der Kante entlang, vorsichtig in Richtung der Fläche. Lässt sich das Gold schon auf diese Weise durchreiben, fährt man fort. Ist die Leimung des Polimentes stark und lässt sich nicht auf diese Weise durchreiben, verwendet man als Hilfsmittel etwas feines Bimsmehl. Mit diesem Schleifmehl kann man gezielt und schnell durchreiben, mit geraden oder kreisenden Handbewegungen; dabei sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

Tipp

Wird der letzten Schicht des Polimentauftrags ein Tropfen Leinölzugegeben, entsteht eine Emulsion; dieses Poliment bildet eine Oberfläche mit Augen. Wenn man dann nach dem Polieren des Goldes mit kreisenden Bewegungen durchreibt, entsteht eine gepunktete Fläche.

An Profilen werden meist die Randpartien und Höhen durchgerieben. Man kann aber auch auf der Fläche selbst durchreiben: In regelmäßigen Abständen wird dann der Anschuss mit seiner doppelten Auflage sichtbar sein. Bei starkem Durchrieb wird jede ausgebesserte Stelle als doppelt starker Goldfleck sichtbar; man muss sich daher genau überlegen, in welchem Maß man ausbessern und durchreiben möchte. Nach dem Durchreiben wischt man mit einem feuchten, weichen und mit Alkohol getränkten Tuch das überschüssige Bimsmehl in einer Richtung und in einem Zuge wieder ab.

Tipp

Manchmal reibe ich zuerst mit Bimsmehl und Alkohol die Goldauflage an den gewünschten Partien durch, ziehe den Rest des Bimsmehls ab und bessere erst dann die Stellen der Vergoldung aus, die in dem sonst gleichmäßigen Goldbild auffallen. Um das Goldbild zu beurteilen, betrachtet man das Werkstück am besten mit etwas räumlichem Abstand und hängt oder stellt es auf.

Durchreiben kann man auch mit anderen Hilfsmitteln: Feinste Stahlwolle, eventuell gemischt mit Watte, Scotch-Schwämme oder Drahtpinsel führen ebenfalls zu guten Ergebnissen. Hat man Stahlwolle verwendet, müssen die Eisenfussel vor einer Weiterbearbeitung sorgfältig entfernt werden. Auch Glasfaserstifte unterschiedlicher Größen eignen sich, kurzum alles was reibt.

Arbeitsmaterialien
- Weiches Baumwolltuch (T-Shirt-Stoff), hell, ohne Struktur
- 0,1 l Alkohol
-10 g Bimsmehl

Schwierigkeitsgrad
Leicht

Arbeitsschritte
1) Feines Baumwolltuch über den Zeigefinger spannen, leicht mit Alkohol befeuchten
2) Die Ränder vorsichtig durchreiben, eventuell etwas Bimsmehl hinzunehmen
3) So lange reiben, bis gewünschter Durchrieb erreicht ist
4) Neues Tuch mit Alkohol befeuchten, ohne Druck die Fläche von einer Seite zur anderen hin durchziehen und dabei das Bimsmehl entfernen

Mattgold

Gestufte Profile oder andere Flächen können voneinander abgesetzt werden, indem man verschiedene Glanzgrade der Vergoldung herstellt. Im Gegensatz zur Glanzvergoldung wird die Mattvergoldung vor dem Anschießen ausgeleimt und danach nicht poliert. Eine Mattvergoldung wird bis zum zweiten Auftrag des gelben Poliments wie die Glanzvergoldung in der beschriebenen Reihenfolge vorbereitet, zusätzlich kann eine dritte Schicht gelbes Poliment aufgetragen werden. Wenn der Auftrag des gelben Poliments getrocknet ist, wird die Fläche, die matt vergoldet werden soll, nach dem Bürsten mit Leimlösche ausgeleimt.

Leimlösche

Die Leimlösche wird handwarm auf die betreffenden Partien aufgestrichen; wenn sie trocken ist, wird das Blattgold angeschossen. Sind Stellen aus Glanzgold vorgesehen, so werden diese im gleichen Arbeitsvorgang angeschossen und nach dem Trocknen poliert. Wenn das Gold an den Partien, die matt werden sollen, getrocknet ist, wird es mit einem weichen Pinsel heruntergedrückt und mit der puren Netze in Anschussrichtung niedergenetzt oder ausgeschnapselt, wie man in Bayern sagt; der Ausdruck stammt aus Zeiten, in denen die Netze für die Vergoldung mit Schnaps zubereitet wurde.
Mit einem Flächenstreicher wird das Gold zügig und dosiert benetzt. Man schiebt dabei das beim Überschuss abgehende Gold vorsichtig von der Fläche und streicht es akkurat auf einem Stück Papier ab. Wenn das Gold fast getrocknet ist, drückt man es mit einem weichen Kalbsleder systematisch entgegen der Anschussrichtung fest. Nun erhält das Mattgold einen Überzug aus Leimlösche, die genauso stark ist wie die Leimlösche zum Vorleimen; sie wird jetzt auch Niederleimer genannt.

Tipp

Etwas gelben Bolus oder angeteigtes Eisenoxidgelb dem Niederleimer zugeben. Das ergibt einen minimal anderen, unaufdringlichen Farbklang und lässt das Gold durch die Trübung der Lösung mit dem Pigment noch matter erscheinen. Getönter Niederleimer muss sehr gleichmäßig aufgestrichen werden.

Oft bilden sich kleine Blasen im trocknenden Blattgold, da die Fläche mit der Leimlösche abgesperrt wurde. Sobald das angeschossene Gold beginnt, etwas anzutrocknen, kann man diese Blasen vorsichtig mit einem aufgelegten Seidenpapier herunterdrücken, was nicht mehr möglich ist, wenn das Gold bereits angetrocknet ist.

Tipp

Hat man eine Partie des Mattgolds versehentlich mit dem Achat poliert, etwa weil man von der Glanzvergoldung in die Mattvergoldung abgekommen ist, lässt sich die unerwünschte Glanzstelle ausbessern: Blattgold auf die entsprechende Stelle auflegen, trocknen lassen, niedernetzen, trocknen lassen, Detailpapier auf die Vergoldung legen und von oben mit dem Achat den entstandenen Kratzer vorsichtig auspolieren. Die Glanzstelle, die auch meist eine Spur hinterlässt, erscheint wieder glatt, die Fläche wird wieder matt.


Rezept für die Leimlösche zur
Vorbereitung einer Mattvergoldung

- 3 VT Polimentleim und 1 VT destilliertes Wasser
- In verschlossenem Gefäß etwa 14 Tage im Kühlschrank haltbar
- Für einen Rahmen der Außenmaße 70 x 100 cm benötigt man ca. 0,1 l Leimlösche

Schwierigkeitsgrad
Mittel

Arbeitsschritte
1) Dreimal gelbes Poliment auftragen, zwischen den Aufträgen immer trocknen lassen und bürsten
2) Mit Leimlösche vorleimen
3) Trocknen lassen
4) Gold anschießen
5) Netzen, entgegen der Anschussrichtung
6) Mit feinem Kalbsleder andrücken
7) Mit Leimlösche überziehen

Alternative Herstellung von Mattgold
Arbeitsschritte
1) Poliment auftragen, trocknen lassen, bürsten
2) Das Gold anschießen und mit einem weichen Pinsel herunterdrücken
3) Das Gold mit dem Finger vorsichtig gegen die Anschussrichtung abreiben und, wenn nötig, ausbessern
4) Schutzüberzug, zum Beispiel Mattlack, verdünnter Leim, Schellackmattierung, verdünnt, oder stark verdünnten Schellack, aufbringen

Karin Havlicek
Gollierstraße 13
80339 München
Tel. 089/54070661
Fax 089/54070659
karin.havlicek@gmx.de
www.rahmen-restaurierung-havlicek.de


cb

 

Fachbuch mit Tipps und Rezepten vom Profi


Das Buch „Vergolden mit Blattgold“ veranschaulicht detailliert das Thema Vergoldung. Autorin Karin Havlicek erklärt Schritt für Schritt und mit aussagekräftigen Abbildungen Techniken wie Poliment-, Mixtion- und Anlegevergoldung sowie Überzüge und einige technische Raritäten wie Mordentvergoldungen. Zu allen Verfahren gibt es ausführliche Beschreibungen und wertvolle Rezepte.

Gebunden, 192 Seiten, 49,95 EUR [D], 51,40 EUR [A], 84,90 CHF [CH]. Verlag: DVA Architektur, ISBN: 978-3-421-03713-8

Dr. Paul-Bernhard Eipper


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© Der Kunsthandel 2010