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Positionierung der Passepartout-Ausschnitte
Nur nicht ab durch die Mitte
Eine Philosophie für
sich ist die richtige Positionierung der Fenster innerhalb eines
Passepartouts. Je nach Format, Anordnung, Größe und
Randbreite lassen sich beim Betrachter überraschend unterschiedliche
Effekte erzielen. Das Team der Passepartout-Werkstatt aus dem
niedersächsischen Echem hat sich intensiv mit diesem Thema
auseinandergesetzt.
Die
am nächsten liegende und einfachste Variante, den Ausschnitt
für das Bild im Passepartout zu wählen, ist auch gleichzeitig
die schlechteste, nämlich die Positionierung in der Mitte.
Sie hat zwar den Vorteil, dass das Passepartout dann sowohl für
hochformatige als auch für querformatige Bilder gewählt
werden kann, ist aber dennoch nicht zu empfehlen. Für Carmen
Plezia von der Passepartout-Werkstatt ist es ein Tabu, die Fenster
absolut mittig zu setzen: Das machen wir wirklich nur,
wenn unsere Kunden das unbedingt wollen. Aber für das Auge
wirken solche Bilder immer so, als würden sie optisch nach
unten fallen.
Einfluss des Motivs
Deshalb gilt das ungeschriebene
Gesetz, dass das Passepartoutfenster im Regelfall immer etwas
höher zu setzen ist. Das wirkt professioneller und ist auch
angenehmer für den Betrachter. Carmen Plezia: So wird
der Blick von unten auf das Bild gehoben. Diese Regel gilt
gleichermaßen für rechteckige Ausschnitte wie auch
für mehreckige, runde, halbrunde oder ovale. Im Normalfall
wird ein leichtes Versetzen des Ausschnittes nach oben vom Betrachter
gar nicht bewusst wahrgenommen. Die Aufmerksamkeit wird voll
auf das Bild gelenkt, die Bildwirkung so unterstützt. Genauso,
wie es sein soll.
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie weit der Ausschnitt
nach oben versetzt werden soll. Das ist von verschiedenen Faktoren
abhängig. Bei einem normalen, ausgewogenen Bild ohne Signatur
unterhalb des Motivs genügt ein leichter Versatz. Je nach
Größe von Bild und Rahmen sollte er so gewählt
werden, dass eine harmonische Bildwirkung entsteht. Bei
quadratischen Fenstern im hochformatigen Rahmen sieht es sehr
schön aus, wenn der linke, der obere und der rechte Rand
jeweils gleich breit sind. Der obere Rand sollte nur in Ausnahmefällen
schmaler als der linke und der rechte Rand sein.
Auch das zu rahmende Bildmotiv hat einen Einfluss auf die optimale
Positionierung. Der negative Effekt, dass Bilder optisch nach
unten ziehen wird nämlich verstärkt, wenn sich das
Hauptmotiv des zu rahmenden Bildes in der unteren Bildhälfte
befindet oder die untere Bildhälfte wesentlich dunkler ist,
das Bild an sich also schon relativ schwer wirkt. In diesem Fall
sollte das Versetzen des Fensters nach oben sogar noch etwas
stärker ausfallen.
Prägung und Signatur
Berücksichtigt werden
sollte auch, dass manchmal das Bild selbst nicht mittig in den
Ausschnitt gesetzt wird. Das ist vor allem bei Druckgrafiken
der Fall, wo sich unter dem Motiv oft noch die Signatur und die
Nummerierung befinden. Da hier das Motiv an sich bereits etwas
höher sitzt, kann der Versatz des Fensters nach oben etwas
geringer ausfallen.
Genau andersherum wird verfahren, wenn unterhalb des Ausschnitts,
direkt auf dem Passepartoutkarton, noch eine Prägung, zum
Beispiel für eine Signatur, vorgesehen ist. Dazu muss das
Fenster noch deutlich stärker nach oben versetzt werden.
Die Prägung sollte etwas näher zum Bildausschnitt hin
als zum Rahmen hin angeordnet werden. Sie sollten Prägungen
aber niemals mittig zwischen Ausschnitt und unterem Passepartoutrand
anordnen, da beim späteren Rahmen noch bis zu einem Zentimeter
des Randes vom Rahmenfalz verdeckt werden.
Horizontaler
Versatz
Eine Sonderform der Bildpräsentation
ist die eines querformatigen Bildes in einem hochformatigen Passepartout.
Das kann unter anderem dann gewünscht sein, wenn bei einer
Ausstellung oder bei einer Serie in der Galerie oder im Museum
Bilder unterschiedlichster Formate in identischen Rahmen gezeigt
werden sollen. Hier sollten Sie den Ausschnitt auf jeden Fall
deutlich höher setzen, damit er optisch nicht nach unten
rutscht. Die Passepartout-Werkstatt bevorzugt hier eine Aufteilung
im Verhältnis ein Drittel oberhalb des Fensters und zwei
Drittel unterhalb. Bei Ausstellungen kann der obere Rand des
Passepartoutausschnitts zum Beispiel eine gemeinsame gestalterische
Linie sein, wenn er sich in jedem Rahmen auf der gleichen Höhe
befindet. Auch
das andere Extrem ist grundsätzlich möglich, aber sehr
selten: Ein hochformatiges Bild kommt in einen querformatigen
Rahmen. In diesem Fall kann man auch darüber nachdenken,
das Fenster nicht nur vertikal, sondern auch horizontal zu versetzen,
obwohl es sich grundsätzlich empfiehlt, den linken und rechten
Rand gleich breit zu schneiden. Diese asymmetrische Variation
gibt dem gerahmten Bild später eine eigene Dynamik. Würde
man den Ausschnitt mit dem gleichen Abstand links und rechts
setzen, würde das wahrscheinlich relativ langweilig wirken.
Platz
für Beschreibungen
Der horizontale Versatz kann
auch dann attraktiv aussehen, wenn ein extrem schmales, hochformatiges
Bild in einem wesentlich breiteren, ebenfalls hochformatigen
Rahmen platziert werden soll. Das könnte zum Beispiel bei
der Fotografie eines Turmes der Fall sein. Für Ausstellungen
bietet es sich dann an, die Bildbeschreibung oder eine Prägung
neben dem Ausschnitt auf dem breiteren Seitenrand anzubringen.
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