Handwerk

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Bilder hinter Glas kaschieren
Der clevere Trick mit der Folie

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Deshalb sind viele Einrahmer und Kunsthändler auf der Suche nach neuen Lösungen – im Idealfall solche, die sie selbst herstellen können. Eine besonders innovative und vielseitige Möglichkeit, den Kunden ein attraktives Fertigprodukt anzubieten, ergibt sich durch eine Folie aus dem Hause Biedermann. Mit deren Hilfe lassen sich Kunstdrucke oder Fotografien relativ einfach hinter Glas kaschieren.

Der Vorteil dieser Technik der Bildveredelung liegt darin, dass dafür keine aufwändigen oder teuren Maschinen notwendig sind. Es genügt eine einfache Vakuumpresse, wie sie in vielen Einrahmerwerkstätten ohnehin vorhanden ist. Neben dem reinen Schutzaspekt lassen sich Bilder durch das Aufziehen hinter Glas auch besonders hochwertig präsentieren.
Im Gegensatz zur klassischen Einrahmung bleibt beim direkten Aufziehen kein Abstand zwischen der Glasscheibe und dem Bild. So wird das Bild mit besonders intensiven und brillanten Farben ohne optische Störungen dargestellt. Im Vergleich zu Acrylglas ist Glas zudem kratzfester und nimmt keine Feuchtigkeit auf. Dadurch kann es sich nicht dehnen oder verformen. Positiver Nebeneffekt: Durch das Aufziehen wird die Stabilität des Glases um ein Vielfaches erhöht und falls das Bild doch einmal herunterfallen sollte, verhindert die Verbindung zwischen Glas und Folie, dass lose Glassplitter auftreten.

Geheimnisvolle Zusammensetzung

Das Herzstück ist die neue Folie GlasMount, die von Biedermann aus Kornwestheim entwickelt wurde. Geschäftsführer Ernst Biedermann hat lange getüftelt, bis er mit den Eigenschaften zufrieden war und die ideale Art der Verarbeitung herausgefunden hatte. Die genaue Zusammensetzung von GlasMount ist Betriebsgeheimnis. Die Folie ist als Rollenware bei Biedermann in einer Breite von 103 Zentimetern erhältlich. Sie ist im unverarbeiteten Zustand halbtransparent fühlt sich etwa an wie Silikon, ist weich und dehnbar.
Zur Vorbereitung wird zunächst das aufzuziehende Bild ungefähr auf die Größe des Bilderglases zugeschnitten. Dazu legt man das Glas auf die Bildseite des Drucks oder der Fotografie. Man richtet es aus und wählt gegebenenfalls einen gewünschten Ausschnitt. Dann schneidet man mit dem Cutter einmal herum. Ernst Biedermann: „Wenn man den Cutter in einem leichten Winkel nach außen ansetzt und die Glaskante als Führung nutzt, kann man sicherstellen, dass das Bild auf jeder Seite mindestens ein Millimeter übersteht.“

Einfache Verarbeitung

Nun kommt die Folie zum Einsatz. Sie wird von der Rolle abgewickelt und auf den Schneidetisch gelegt. Zunächst legt man die Glasscheibe auf die Folie, schneidet grob das benötigte Stück ab und trennt dann wie beim Bild einmal an der Glaskante entlang die Ränder ab. Auch dafür kann man wieder den Cutter verwenden.
Der letzte Schritt der Vorbereitung ist der Zuschnitt der Schutzfolie, die auf die Rückseite des Bildes geklebt wird. Dazu empfiehlt Ernst Biedermann BackShield, eine alubeschichtete Polyesterfolie. Auf ihr soll später auch der Trägerrahmen für die Hängevorrichtung befestigt werden. Wie bei den beiden vorherigen Schritten dient wieder die Glasplatte als Maß für den Zuschnitt. Alle verwendeten Materialen – außer der Glasscheibe können mit dem Cutter zugeschnitten werden.
Jetzt wird die Vakuumpresse mit dem Entlüftungsfilz, Silikonpapier und einem speziellen Entlüftungsnetz ausgelegt und zwar so, dass beim Schließen der Presse das Absaugloch vom Entlüftungsnetz abgedeckt wird. Das Silikonpapier verhindert, dass eventuell seitlich austretende, geschmolzene Folie die Presse verunreinigt.
Bevor das Sandwich aus Glas, GlasMount-Folie und Bild in die Presse kommt, sollten alle Materialien noch mal sorgfältig gereinigt werden. Die Folie ist antistatisch. Deshalb können störende Partikel wie Staub oder Fussel einfach abgeschüttelt werden.

Pressen bei 95 Grad

Danach kommt alles mit dem Glas nach unten in die Presse. Dabei sollten Sie darauf achten, dass Glas Folie und Bild exakt übereinander liegen und das Glas nirgends übersteht. Auf das Bild, das mit der Bildseite nach unten liegt, kommt noch mal eine Schicht Silikonpapier und zum Schluss eine 13 Millimeter dicke Schaumstoffplatte die ein zu schnelles Aufheizen verhindert. Bei 95 Grad und maximalem Vakuum wird das Bild jetzt zwölf Minuten lang gepresst. Dabei schmilzt die GlasMount-Folie, wird absolut durchsichtig und verbindet Glas und Bild untrennbar miteinander.
Im nächsten Arbeitsgang wird die BackShield-Folie aufkaschiert. Das funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie das Aufziehen des Bildes. Sie wird direkt auf die Rückseite des Bildes in die Vakuumpresse gelegt und dann wieder bei 95 Grad und maximalem Vakuum für zwei Minuten gepresst. Bei der BackShield-Folie muss man nicht ganz so sorgfältig Staub und andere Partikel entfernen, da es sich ja um die später unsichtbare Rückseite handelt. Dennoch sollten auch hier keine gröberen Körner zwischen Folie und Bild sein.

Aufgeklebtes Hängesystem

Nach dem Abkühlen lassen sich mit dem Cutter überstehende Folien beziehungsweise überstehendes Papier an jeder Kante exakt entfernen. Zum handelsfertigen Produkt fehlt jetzt nur noch eine passende Hängevorrichtung. Ernst Biedermann verwendet hier die Trägerrahmen von Klaus Dillinger Aufhängesysteme aus Bad Endorf. Der robuste Alurahmen ist auf einer Seite bereits mit einem doppelseitig klebenden Spiegelband versehen. Er wird mit Hilfe von Lineal und/oder Wasserwaage mittig auf der Rückseite des Bildes platziert.
Wenn die endgültige Position angezeichnet ist, muss man nur noch die Schutzfolie vom Klebeband abziehen, den Rahmen fest andrücken und fertig ist das Bild hinter Glas. Durch den Rahmen ist es noch mal zusätzlich versteift und stabilisiert worden.

Kein Rahmenersatz

Alternativ kann man Kunstdrucke oder Fotografien auch zwischen zwei Glasscheiben aufziehen. Dabei besteht das Sandwich dann aus Glasscheibe – GlasMount-Folie – Bild – GlasMount-Folie – Glasscheibe. Dabei sollte man allerdings wegen der größeren Stärke während des Pressvorgangs zum besseren Druckausgleich Ausgleichsecken in der gleichen Höhe um die Ecken des Bildes legen. Wegen der zusätzlichen Schichten dauert auch der Aufziehvorgang länger. Da auf beiden Seiten außen Glas ist und die Luft nur schwer entweichen kann, empfiehlt Biedermann vor dem Aufheizen die Presse bei Zimmertemperatur zehn Minuten laufen zu lassen (nur Vakuum) sie kurz auszuschalten, aber nicht zu öffnen, dann für 30 Minuten bei 100 Grad, wieder kurz ausschalten ohne zu öffnen und zum Schluss noch mal für zehn Minuten bei 50 Grad. Bei den neuen Biedermann-Pressen besteht die Möglichkeit, ein Programm zu erstellen, das die beschriebenen Pressvorgänge automatisch ablaufen lässt.
Die Einsatzbereichen der GlasMount-Folie gehen noch weit über das reine Aufziehen von Bildern hinaus. Ernst Biedermann experimentiert immer weiter, um zusätzliche Möglichkeiten auszuprobieren. So kann man die Folie auch direkt bedrucken oder durch die Verwendung von Drucken auf speziellen Backup-Folien halbtransparente Bilder hinter oder zwischen Glas herstellen, die sich dann zum Beispiel indirekt beleuchten lassen. Das sieht besonders attraktiv aus, wenn die Beleuchtung hinter einem schönen Rahmen verborgen ist. Hinter Glas kaschierte Bilder sind also keine Alternative zum gerahmten Bild, sondern lediglich eine zusätzliche Möglichkeit, den Kunden unter Einsatz aller Materialien und aller Fantasie ein neues Produkt zu bieten, das gerade für die Präsentation von Fotos hervorragend geeignet ist.

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© Der Kunsthandel 2009