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Brian's Corner: Der Amerikaner Brian Wolf ist der weltweit bekannteste Einrahmungsexperte und ein wahrer Meister beim Gestalten von Passepartouts. Der Schulungsleiter der Wizard Universität kreiert all seine Entwürfe an Wizard Passepartoutschneidern und schreibt im KUNSTHANDEL exklusiv über Material, Technik und Verkauf.

Passepartouts mit Mehrfachausschnitten
Der harmonische Dreiklang

Wenn Einrahmer heute von Passepartouts mit Mehrfachausschnitten sprechen, dann meinen sie oft zehn, zwölf oder noch mehr Ausschnitte in einem Karton. Aber das sind ganz spezielle und seltene Fälle. Wesentlich häufiger ist die Anforderung, drei Ausschnitte attraktiv zu gruppieren. Auch wenn dies auf den ersten Blick nicht besonders aufregend erscheint, so ergeben sich doch vielseitige Gestaltungsmöglichkeiten, die Brian Wolf, der Schulungsleiter der Wizard Universität, erklärt.

Der Idealfall für eine Rahmung mit einem Passepartout mit drei Ausschnitten sind drei Bilder derselben Größe, mit ähnlichen Farben und ähnlichen Motiven, die am besten auch noch inhaltlich im Zusammenhang stehen und eine Geschichte erzählen. Glücklicherweise kommt das sogar relativ häufig vor. Man kann die Bilder einfach horizontal oder vertikal in Reihe präsentieren, je nachdem, wo sie später hängen sollen. Durch ihr gleiches Format und den ähnlichen Inhalt werden sie vom Betrachter automatisch als Einheit erfasst, sofern der Abstand zwischen den einzelnen Ausschnitten nicht zu groß ist.
Komplizierter wird es allerdings, wenn die Bilder nicht so homogen sind. Die Größen können unterschiedlich sein, auch das Seitenverhältnis und Farben und Motiven können so variieren, dass es eine echte Herausforderung ist, im Auge des Betrachters eine Harmonie zu erzeugen. Spontan würden wir wieder eine Aneinanderreihung oder eine Anordnung in einem kleinen Rechteck wählen. Aber manchmal kann man durch das Hinzufügen weiterer Gestaltungselemente sehr schöne Effekte erzielen.

Bindung durch Linien

Eine ganz nahe liegende Lösung ist es, die Öffnungen mit einer V-Linie einzurahmen. Der Effekt sieht vor allem dann sehr schön aus, wenn sich die Linie nur dezent von der Farbe des Passepartouts abheben. Sie fallen so kaum auf, erzeugen aber im Unterbewusstsein beim Betrachter eine Einheit. Wenn man die Linie in gleichmäßigem Abstand um die Öffnungen zieht, wirkt sie sehr neutral. Das funktioniert mit fast allen Passepartoutfarben und –oberflächen und mit allen Ausschnittsdesigns.
Es kommt allerdings auch vor, dass die Größen der Ausschnitte so stark voneinander abweichen, dass das Passepartoutlayout nicht ganz so ausgewogen sein kann. Es muss sozusagen eine Balance zwischen ungleichmäßigen Ausschnitten erzeugen und dem Betrachter helfen, die Beziehung zwischen den Bildern zu verstehen. Das kann man dadurch erreichen, dass die Linie die Ausschnitte nicht umrahmt, sondern wie eine Verbindungslinie gezogen wird. In diesem Fall kann sich der Einrahmer etwas mehr künstlerische Freiheit bei der Platzierung der Linie nehmen: zum Beispiel etwas mehr Raum unten, etwas weniger oben, bei einem Ausschnitt mittig, beim nächsten dagegen außermittig. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt und man sollte die Wirkung der unterschiedlichen Platzierung ausprobieren und ruhig ein wenig experimentierfreudig sein.

Farbige Felder

Wenn die Unterschiede zwischen den einzelnen Bildern noch größer werden, dann muss man zu anderen Mitteln greifen, um eine Bindung zu erzeugen. Die Wirkung eines Farbfeldes ähnelt zwar grundsätzlich der von Linien, ist aber stärker und auch offensichtlicher. Das Farbfeld kann mit unterschiedlichen Techniken erzeugt werden. Entweder es ist ein größerer, allumfassender Ausschnitt in der obersten Passepartoutschicht bei einem mehrschichtigen Passepartout, oder ein andersfarbiges Passepartout mit den Ausschnitten für die Bilder wird in den eigentlichen Karton eingesetzt.
Auch bei dieser Lösung bietet es sich in den meisten Fällen an, die Öffnungen so symmetrisch wie möglich anzuordnen, in möglichst gleichem Abstand vom Rand des Farbfeldes. Auch wenn die Symmetrische Anordnung nicht möglich ist, sollten die Öffnungen aber so nah wie möglich beieinander liegen, um die Zusammengehörigkeit zu unterstreichen.
Ähnlich wie bei den Linien gibt es auch hier die Möglichkeit, die Öffnungen nicht komplett in das Farbfeld zu legen, sondern sie sozusagen vom Farbfeld durchschneiden zu lassen. Damit lässt sich sogar ein besonderer gestalterischer Effekt erzielen, vor allem, wenn die Farben von Passepartout und Farbfeld relativ ähnlich sind.

Ordnung und Chaos

Je freier und fantasievoller die Öffnungen auf dem Passepartout angeordnet werden, umso kunstvoller wirkt das gesamte Arrangement. Stilsichere und kreative Einrahmer können sich dabei gerne etwas weiter vom Gewöhnten oder Gewöhnlichen entfernen. Man kann die Bilder zum Beispiel wie die Stufen einer Kaskade nebeneinander stellen, oder sie außermittig übereinander platzieren. Das dadurch erzeugte Ungleichgewicht übt einen besonderen Reiz aus.
Möglich ist es auch, die Ausschnitte zu verdrehen und mehr oder weniger frei auf dem Passepartoutkarton zu verteilen. Diese freien Lösungen sind allerdings die am wenigsten Platzsparenden. Außerdem sollte der Einrahmer dabei besonderes Augenmerk auf die Motive der Bilder haben. Die Anordnung kann sozusagen ihre eigene Geschichte erzählen und den Bildern eine Gewichtung verleihen. Dieses sollte natürlich mit der Realität oder den Vorstellungen des Kunden übereinstimmen. Zeigen Sie den Kunden deshalb verschiedene Beispiele, anhand derer Sie die gesamte Bandbreite Ihres Könnens demonstrieren.

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© Der Kunsthandel 2009