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Laminieren auf Acrylglas
Eine Frage der Sauberkeit
Kunsthändler und Einrahmer
sollten immer auf der Suche nach neuen Umsatzmöglichkeiten
sein. Aktuelle Wohntrends und die steigende Nachfrage nach Pop-Art-Motiven
und Fotografien haben das Laminieren hinter Acrylglas zunehmend
attraktiv gemacht. Auch bei Rahme-Lade im schweizerischen Winterthur
kommt diese Technik zum Einsatz. Um den Ausschuss in Grenzen
zu halten, ist dabei aber absolute Hygiene erforderlich.
Das Prinzip ist eigentlich
ganz einfach. Auf eine Acrylglasscheibe wird eine doppelseitig
klebende transparente Folie aufgebracht. Auf die andere Seite
der Folie wird dann das Bild, entweder ein Kunstdruck oder eine
Fotografie, aufgeklebt. Das ganze geschieht mittels einer Kaltkaschiermaschine,
auch Laminator genannt. Zu den bekanntesten Anbietern solcher
Maschinen zählen zum Beispiel Biedermann aus Kornwestheim
oder Zenith Art System aus Bonn. Die einfachsten Tischgeräte
für kleine Formate sind schon ab rund 200 Euro erhältlich.
Bei Rahme-Lade kommt eine amerikanische Seal Image 600 mit beheizbaren
Walzen zum Einsatz. Mit ihr lassen sich Bilder bis zu einer Größe
von 300 mal 150 Zentimetern aufziehen. Inhaber Peter Bernhard:
Wir haben lange experimentiert, bis wir die für uns
optimale Lösung gefunden haben. Die besten Ergebnisse erzielen
wir, wenn die Walzen auf 65 Grad erhitzt werden.
3-D-Effekte
Obwohl also eine Kaltfolie zum Einsatz
kommt, empfiehlt es sich, sie zur Verarbeitung zu erwärmen.
Ist die Folie zu kalt, besteht die Gefahr, dass sich kleine Lufteinschlüsse
ergeben. Ist die Temperatur zu hoch, könnte sich das Acrylglas
verbiegen. Wichtig ist auch, dass das Papier der verwendeten
Kunstdrucke nicht zu dick ist. Vor allem aber darf es keine Oberflächenstruktur
haben, weil sonst wiederum Luft zwischen Bild und Folie wäre.
Rahme-Lade verwendet zum Laminieren eine Diafolie von Zenith
und als Acrylglas das Plexiglas Gallery von Evonik. Peter Bernhard:
Hauptsächlich arbeiten wir mit drei oder mit sechs
Millimeter starkem Plexiglas. Je dicker das Glas ist, umso stärker
ist der 3-D-Effekt der Bilder später.
Eine Grundvoraussetzung für erfolgreiches
Laminieren ist peinliche Sauberkeit. Die Hauptprobleme, die bei
dem Vorgang entstehen können, sind Fremdkörper, die
sich entweder zwischen Acrylglas und Folie oder zwischen Folie
und Bild festsetzen können. Jede Fussel, jedes Staubkorn
kann dazu führen, dass im Extremfall das fertige Bild -
also Glas, Folie und Fotografie oder Druck - Ausschuss ist.
Staub vermeiden
Um dieses Risiko zu minimieren,
trägt Rahme-Lade Mitarbeiter Cristiano Pizzonia bei der
Arbeit antistatische Kleidung. Außerdem sollten in dem
Raum, in dem laminiert wird, möglichst keine Säge-
und vor allem keine Schleifarbeiten vorgenommen werden. Auch
MDF-Platten, auf deren Oberfläche sehr viel Staub anhaftet,
sollten besser woanders gelagert werden. Dass die Kaltkaschiermaschine
oft geputzt werden muss, versteht sich von selbst.
Der erste Arbeitsschritt ist das Aufkleben
der Diafolie auf das Acrylglas. Plexiglas wird mit einer beidseitigen
blauen Schutzfolie geliefert, die zunächst auf einer Seite
abgezogen wird. Diese Seite reinigt Cristiano Pizzonia mit einem
Tuch und prüft danach sorgfältig, ob sie auch wirklich
staubfrei ist. Besonders heikel sind die Kanten des Plexiglases.
Damit sie besser glänzen, werden sie nach dem Zuschnitt
poliert. Der dabei entstehende Polierstaub muss rückstandslos
entfernt werden.
Danach läuft das Glas zum ersten
Mal durch den Laminator und zwar mit möglichst langsamer
Geschwindigkeit. So wird sichergestellt, dass die beheizten Walzen
die Folie auf die optimale Temperatur bringen. Bei diesem Vorgang
wird die Kaltfolie unter maximalem Druck von einer Rolle auf
das Acrylglas aufgezogen. Danach schneidet Cristiano Pizzonia
die überstehende Folie mit einem Cutter ab und kontrolliert,
ob keine Partikel zwischen ihr und dem Glas eingeschlossen sind.
Feingefühl gefordert
Im nächsten Schritt wird das Bild
aufgeklebt. Pizzonia reinigt zuerst den Kunstdruck dadurch, dass
er ihn vorsichtig mit den Handkanten abwischt: Ich spüre
den Staub besser mit den Händen als mit den Augen auf.
Das erfordert einiges Feingefühl und Erfahrung. Danach wird
der Kunstdruck mit der Bildseite nach unten auf das Plexiglas
gelegt. Dabei zeigt die Seite des Glases nach oben, auf die vorher
die Diafolie ausgebracht wurde. Diese ist jetzt allerdings noch
mit einer Abziehfolie geschützt. Der Druck oder das Foto
sollte auf jeder Seite rund fünf Millimeter größer
sein als das Plexiglas. Um ein Verrutschen zu verhindern, wird
das Papier mit Hilfe von Bleigewichten beschwert.
Nun hebt Cristiano Pizzonia den Kunstdruck an und löst auf
drei bis vier Zentimetern Länge vorsichtig die Abziehfolie
der Diafolie über die komplette Breite des Bildes ab. Er
schlägt die Abziehfolie um und klebt den Kunstdruck mit
leichtem Druck auf die Diafolie. Das überstehende Papier
an der Klebekante wird gleich mit einem Cutter abgeschnitten.
Heißes Eisen
Jetzt folgt der nächste
Durchgang durch die Maschine. Mit dem Glas nach unten und der
Klebekante voraus wird das Bild an die Walzen gelegt. Pizzonia
hebt den Kunstdruck an und legt ihn so auf die Walze, dass er
die umgeschlagene Abziehfolie zu fassen bekommt. Während
das Bild langsam durch die Maschine gezogen wird, zieht er die
Abziehfolie komplett ab. Unter Höchstdruck wird der Kunstdruck
fest auf die Diafolie kaschiert. Wenn bis zu diesem Punkt alles
sauber und ohne Fehler geklappt hat, sind eigentlich alle heiklen
Arbeitsschritte erledigt. Jetzt wird nur noch das überstehende
Papier an den restlichen Kanten abgeschnitten, die blaue Schutzfolie
vom Plexiglas abgezogen und fertig ist das laminierte Bild, komplett
produziert in der Einrahmerwerkstatt.
Sollten sich trotz aller Sorgfalt kleinste
Staubpartikel zwischen Kunstdruck und Diafolie befinden, so gibt
es noch die Möglichkeit, sie mit Hilfe eines Glätteisens,
das von unten an der jeweiligen Stelle vorsichtig gegen das Papier
gehalten wird, nahezu unsichtbar werden zu lassen. Der Hohlraum,
der sich um ein Staubpartikel bildet wird so möglichst klein
und es entstehen keine unschönen Blasen.
Modernes Komplettprodukt
Zum Schutz des Kunstdrucks
und auch zur Stabilisierung bringt man noch eine 0,75-Millimeter-Polysterolplatte
auf der Rückseite auf. Die Platte verhindert außerdem,
dass die Aufhängevorrichtung direkt auf dem Kunstdruck befestigt
wird. Ähnlich wie die Verbindung Acrylglas-Kunstdruck erfolgt
auch die Verbindung Kunstdruck-Polysterolplatte über eine
beidseitig klebende Folie. Im Prinzip müssen dafür
die vorherigen Arbeitsschritte noch einmal auf der Rückseite
des Bildes wiederholt werden, allerdings mit deutlich weniger
Sorgfalt.
Zur Versteifung und als Aufhängevorrichtung
wird zum Schluss noch ein Aluminiumrahmen, der mit Lotfix-Winkeln
versteift ist, auf die Polysterolplatte aufgeklebt. Peter Bernhard:
Diese Klebeverbindung trägt später das gesamte
Gewicht. Und sie muss auch jahrelang halten. Deshalb verwenden
wir spezielle Klebestreifen für die Autoindustrie, so genanntes
Spiegelklebeband von Würth. Das ist extrem haltbar und extrem
adhesiv.
Das Laminieren auf Acrylglas ist zwar einerseits mit einigem
Aufwand verbunden, andererseits aber eine Möglichkeit, mit
einem Komplettprodukt aus eigener Herstellung zusätzliche
Kunden zu gewinnen. Peter Bernhard und seine Geschäftspartnerin
Hilde Vögeli haben eine ständig steigende Nachfrage
nach dieser Form der Bildpräsentation registriert und sind
froh, dass sie die Investition in ihre Kaltkaschiermaschine gewagt
haben.
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© Der Kunsthandel 2009 |