Handwerk

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Arbeitsabläufe in der Einrahmerwerkstatt
Mit Erfahrung und Improvisationstalent

Einrahmerwerkstätten sind in der Regel kleine Betriebe mit maximal zwei Mitarbeitern. Dort werden vielfältige Aufgaben bewältigt, die viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung erfordern. Die Maschinen, die angeschafft werden, sind oft genau an den Betriebsbedarf angepasst. Was die Arbeitsabläufe betrifft, so zählt Improvisationstalent und
handwerkliches Geschick.

Helmut Steuer, Inhaber der Kunsthandlung und Einrahmerwerkstatt Steuer in Worms, gehört in Rheinhessen zu den alten Hasen der Branche. Die Firma geht nunmehr in die vierte Generation. Auf 87 Jahre erfolgreiche Arbeit kann sie mittlerweile zurückblicken. Die Einrahmungsbetriebe und Kunsthandelsgeschäfte in diesem Stil sind in Rheinland-Pfalz zwar nicht an einer Hand abzuzählen, aber haben mittlerweile dennoch Seltenheitswert. Im Geschäft gibt es einen Bestand an klassischer Ölmalerei. Daneben gibt es anspruchsvolle Werke von Günther Uecker, Heinz Mack und Skulpturen von Cilia de Munnik. Doch der wesentliche Teil des Umsatzes wird mit der Rahmung von Bildern generiert. „Jedes Bild, jeder Gegenstand, den wir rahmen, stellt an die Werkstatt besondere Anforderungen. Es sind ja nicht nur Bilder, sondern auch Gobelins und Objekte. Wir müssen da flexibel sein“, erklärt Helmut Steuer. Deswegen liegen auch die benötigten Haken, Ösen und Kleinteile sorgfältig in Kästchen sortiert unmittelbar in der Nähe. Auch der Passepartoutkarton ist ebenso griffbereit nach Größen und Farben unter dem selbstgebauten Arbeitstisch untergebracht.

Kleinbetriebe brauchen wenige,
aber angepasste Maschinen und Arbeitsmöbel


Der Arbeitstisch bildet das Zentrum der Werkstatt Steuer. Auf diesem Tisch werden die Rahmen auch verleimt. „Wir benutzen dazu ungern maschinell eingeschossene Klammern, sondern arbeiten noch traditionell mit Holzleim“, berichtet der Inhaber. „Der Vorteil davon ist die Reparaturfreundlichkeit. Bei geklammerten Rahmen ist das meist ziemlich schwierig.“ Den Holzleim bewahrt Steuer in kleinen Mengen auf. „Da kann nicht viel passieren. Früher, als wir noch größere Mengen davon angeschafft haben, war Brandgefahr gegeben. Da haben wir den Leim nicht hier in der Werkstatt, sondern in einem separaten Raum im Keller aufbewahrt.“
Eine besondere Gefahr in der Werkstatt stellt die Arbeit mit dem Glas dar. Helmut Steuer hat darin Routine und schneidet die Scheiben mit geschickten Schnitten von Hand, wobei er deren Größe nach Augenmaß den Leerrahmen anpasst. Innerhalb von wenigen Minuten hat er sein Kontingent fertig, das für den Vormittag ausreicht. Sicherheitshandschuhe verwendet er keine. Für einen nicht so geübten Glasschneider wäre dies sicher ein hohes Risiko. „Mittlerweile verkaufen wir über 50 Prozent Mirogard Glas. Der UV-Schutz spielt bei der Entscheidung keine so entscheidende Rolle wie die Entspiegelung. Die Entspiegelung überzeugt die Kunden, vor allem dann, wenn man normales Flachglas danebenstellt. Über UV-Schutz und die Gefahr der UV-Strahlen für ein hochwertiges Kunstwerk muss man die Kunden erst aufklären.“

Rahmenreparaturen als Zusatzleistung

In der Ecke der kleinen Werkstatt steht ein Passepartoutschneider von Gunnar. „Diese Maschine genügt für die meisten Aufträge, die wir hereinbekommen“, äußert sich Helmut Steuer zufrieden. „Doppel- und Einlegepassepartouts werden bei uns sehr häufig nachgefragt. Besonders bei grafischen Blättern ist es wieder Mode geworden, das Papier ganz zu zeigen und die Ränder nicht zu überdecken. Da brauchen wir tiefere Passepartouts. Mit dieser Maschine ist das alles kein Problem.“
Ein weiteres Thema, mit dem sich die Werkstatt Steuer intensiv beschäftigt, ist die Reparatur von Rahmen. Hier empfiehlt der erfahrene Einrahmer Rahmenwachs oder Wachsstifte. Die mit Wachstiften behandelten Stellen sollte man nach dem Einsatz jedoch gut überlackieren, weil sie sonst verwischen. Das Finish nach dieser Behandlung wird mit Lackfarben ausgeführt, wie sie von den Herstellern der Rahmenleisten in der Regel mitgeliefert werden. „Es gibt aber Sonderfälle, da müssen wir diese Farben auch selbst mischen.“
Um die Rahmen und besonders die Kanten vor Beschädigungen jeder Art zu schützen, hat sich in der Werkstatt Steuer die Stretchfolie durchgesetzt, die mit wenigen geschickten Handgriffen zu diesem Zweck eingesetzt werden kann. Sie wird mit einem praktischen Abroller geliefert und liegt in der Werkstatt stets griffbereit neben dem Arbeitstisch.

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