Handwerk

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Historische Bilderrahmen
Beispielhafte Kunst der Verzierung und Komposition

Die Geschichte des Bilderrahmens reicht bis in die Zeit der Renaissance zurück. Im 15. Jahrhundert entstanden die ersten,
von der Architektur unabhängigen Bildeinfassungen, die durch ein eigenständiges Dekor das Kunstwerk von seiner Umgebung abgrenzten. Dabei kehren bestimmte Stilmerkmale in
unterschiedlichen Epochen wieder. Doch die Stilmittel werden
nicht einfach kopiert, sondern dem Wandel ihrer Zeit angepasst.
So entstehen interessante Mischformen.

Die Stiftung Kunsthaus Heylshof in Worms deckt mit ihrer bedeutenden Privatsammlung ein großes Spektrum ab, das von der Kunst der Spätgotik über die der Renaissance und des holländischen goldenen Zeitalters bis hin zum ausgehenden 19. Jahrhundert reicht. Besonders ist dabei, dass sie sich den Charme ihrer Ursprünglichkeit und somit die Mode der Rahmung aus dem 19. Jahrhundert bewahrt hat. Damals zollte man der Kunst der Bildeinrahmung noch hohen Respekt. Ein Respekt, der im Zeitalter der Industrieleiste aus Fernost leider weitgehend verlorengegangen ist. Wichtiger Berater beim Aufbau der von Heyl-Sammlung war Wilhelm von Bode (1845-1929), Gründer des Kaiser Friedrich Museums (heute Bode-Museum). Der damalige Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen zu Berlin baute in der Hauptstadt nicht nur eine hervorragende und weltberühmte Sammlung auf, er legte auch großen Wert auf die entsprechende Rahmung der Bilder, ja verfasste sogar Texte darüber. Die Zeitschrift Pan publizierte seinen grundlegenden Aufsatz zum Thema Bilderrahmen 1898. In ihm finden sich wichtige Hinweise zu Stilmerkmalen und handwerkliche Techniken. Die Lektüre des Textes lohnt sich nicht nur aus historischen Gründen. Von Bode erwähnt darin auch erstmals die drei Grundformen des Rahmens: den typischen Renaissancerahmen, den flämischen oder niederländischen Rahmen und den französischen Barockrahmen. Alle Rahmenformen unterscheiden sich zwar grundlegend voneinander, haben aber dennoch alle unsere Vorstellungen von der Fassung eines wertvollen Bildes geprägt.

Tondo und Tabernakel

Eines der herausragenden Beispiele der Rahmenkunst aus der von Heyl-Sammlung ist ein Tondo. Er ist in der Art des Florentiner Rundrahmens aus dem 15. Jahrhundert gestaltet und fasst eine zeittypische Madonnendarstellung aus dem Umfeld des Florentiner Künstlers Lorenzo di Credi (1459-1537). Deutlich erkennt man die Rankenmotive im Holzrahmen, die auf ursprünglich pflanzliche Formen zurückgehen. Solche Dekors waren in der Zeit di Credis eher selten. Häufiger wurde auf Blumen- und Früchtedekors zurückgegriffen.
Nach Wilhelm von Bode sind diese Rundrahmen typischer als die aus der Architektur abgeleiteten Rahmenformen, mit denen wir den Renaissancerahmen normalerweise identifizieren. Diese sogenannten Tabernakelrahmen haben ihr Vorbild in der sakralen Baukunst der Gotik, wobei die ursprünglich gotischen Vorbilder später durch antike Adaptionen verdrängt wurden. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Ädikula (lat. Tempelchen), da den Rahmen durch Pilaster, Säulen oder Giebel ein gewisser Bühnencharakter verliehen wird.

Schnitzwerk und Paste

Die Oberflächen der Florentiner Rahmen – egal ob Tondo oder Tabernakel – waren häufig mit üppigem Schnitzwerk versehen, in seltenen Fällen sogar vergoldet. Die Handwerker griffen dabei jedoch nicht auf den ursprünglichen Holzton zurück, sondern suchten - was die Oberflächenbearbeitung anbelangt - einen Mittelweg, den von Bode in seinem Aufsatz wie folgt beschreibt: „Um diese Farbe des Rahmens aber nicht zu einförmig und zu dunkel erscheinen zu lassen, sind einzelne, markante Elemente in Gold aufgelichtet. [...] Für den vollendet künstlerischen Geschmack der Renaissance ist charakteristisch, dass man das Holz nicht in seiner harten Naturfarbe zeigte [… ], sondern dass man es mit einer der Holzfarbe verwandten Lasurfarbe, oder selbst mit einer dünnen Deckfarbe (wohl vermischt mit Wachs oder Beize) versah, die jedes Mal dem Ton des Bildes entsprechend gewählt wurde.“ Während es sich bei den Florentiner Rahmen um geschnitzte Rahmen handelt, wurde bereits um 1500 in Venedig ein Verfahren entwickelt, das es erlaubte, die entsprechenden Dekors mithilfe einer Paste herzustellen, in die Modelle eingepresst wurden. „Die glatte, zumeist leicht gewölbte Platte dieses Rahmens wurde mit einer gipshaltigen Masse (Pastiglia) überzogen, in die man mit Hilfe von Schablonen flächige Ornamente, vorwiegend Kandelabermotive oder Flechtbänder, presste. Es handelte sich dabei um eine Ersatztechnik für die filigrane Schnitzerei, die es ermöglichte, gleichmäßige Muster herzustellen, die nach dem Vergolden dem Rahmen ein sehr kostbares Aussehen verliehen,“ so beschreibt Angelika Brunke das Verfahren in ihrem Aufsatz „Historische Bilderrahmen“ von 1996. Die Pastiglia-Technik verwendet man auch heute bei der industriellen Fertigung von Leistenprofilen. Bei alten Rahmen, die in dieser Technik ausgeführt sind, finden wir auch häufig Punzierungen. Diese Technik wurde im Mittelalter für die Verzierung von Metall, beispielsweise von Rüstungen oder Beschlägen verwendet, um diesen ein edleres Aussehen zu verleihen.
Bei dem Tondo, der für das Gemälde aus dem Umfeld von Lorenzo di Credi verwendet wurde, handelt es um die Ausführung in einer solchen Pastiglia-Technik, denn das Zierband, dessen Dekor an Farne erinnert, ist zu gleichmäßig und zu filigran für eine Schnitzerei. Somit erscheint es wahrscheinlich, dass dieser Rahmen in einer späteren Zeit als das Bild gefertigt wurde. Auch der Farbüberzug dürfte in seiner Tonigkeit nicht für das dem Umfeld di Credis zugeschriebene Gemälde gefertigt worden sein. Dennoch harmonieren hier Bild und Rahmen als eine Einheit, als perfekte Symbiose.

Flämische Rahmen und Wellenleisten

Ein anderes Beispiel für hervorragende Bildeinrahmung aus der Sammlung von Heyl ist die Fassung eines Gemäldes, das Tintoretto (1518-1594) zugeschrieben wird. Es handelt sich hierbei um die Darstellung eines vornehmen älteren Mannes mit graumeliertem Bart, dessen Blick streng auf dem Betrachter ruht. Tintoretto ist unter anderem für seine differenzierten Rottöne berühmt, die sich wie eine geheimnisvolle Aura über die Bildoberfläche legen. Dieser Rotton im Zusammenspiel mit dem Grau des Bartes ist in diesem Werk wunderbar herausgearbeitet.
Aber lenken wir den Blick auf den Rahmen: Die Grundform ist eine flämische Form, die aus Ebenholzfurnieren aufgebaut wurde. Ebenholzrahmen sind in Flandern seit dem 17. Jahrhundert gebräuchlich. Vom Profil her ist dieser so genannte niederländische Rahmen schlicht. Lediglich die veredelten Leisten sind an den Kanten ein- oder mehrfach getreppt. Aus dieser Grundform heraus entwickelten sich später zahlreiche abgeleitete Profile, indem die Treppen mit flachen Bändern verstärkt und auf diese wiederum Flammen- oder Wellenleisten angebracht wurden. Prunkexemplare weisen nicht selten Friesbreiten von bis zu 30 cm auf. Typisch ist hierbei die schwarze Farbe der Rahmen, welche bei repräsentativen Formen durch Teilvergoldungen oder durch Schellackleisten aufgelockert wurden.
Bei dem Rahmen für das Tintoretto-Gemälde wurde zwar kein Schellack, allerdings eine Goldleiste verwendet, um die Lichtwirkung zu erhöhen. Dieser Goldton harmoniert mit dem rotdunklen Timbre des Tintoretto-Gemäldes weit besser als ein harter Glanz, der bei einem Schellacküberzug entstehen würde. Viel markanter als jene Goldleiste ist jedoch der Aufbau des Rahmens, der die feste, massive Wirkung der breiten Leiste auflöst. Der Aufbau entwickelt sich aus einer abwechselnden Folge von wellenverzierter Sichtleiste und glatter, abfallendem Karnies, – einem Schmuckelement, dessen wesentliches Strukturmerkmal die konkav-konvexe Profilform darstellt. Dieser Wormser Wellenprofil-Rahmen ist demnach ein Musterbeispiel für eine Rahmung aus dem 17. Jahrhundert.

Außergewöhnliche Rokoko-Rahmen

Das dritte Beispiel für die Kunst der historischen Bildeinrahmung ist ein französischer Barockrahmen des Ancien Régime, also der Zeit vor 1789, der das Bild von Charles André van Loo (1705-1765) „Die Entwaffnung Amors durch Venus“ (1737) trägt. Der französische Künstler war damals bereits Mitglied der Königlichen Akademie in Paris und genoss ein hohes Ansehen bei Hofe. Das Gemälde zeigt eine der typischen, freizügigen Allegorien jener Zeit. Betrachtet man die Rahmung, so springen besonders die markanten, muschelförmigen Applikation in den Ecken und in der Mitte der Seitenleisten ins Auge. Dieses Merkmal ist typisch für den Rokoko-Rahmen, von Bode beschreibt ihn wie folgt in seinem Aufsatz: „Das Dekor wird noch leichter und nicht selten mit sehr feinen naturalistischen Blumen in der Mitte der Leiste durchsetzt. Gleichzeitig bildet sich eine andere Art von Rahmen aus, die [...] die Ecken in der Mitte der Leisten kräftig entwickelt, in muschelförmiger, fein geschwungener Form und meist mit stilisiertem Blattwerk dekoriert und diese über die anderen Leisten bis hin an den Rand des Bildes hinwegzieht.“
Zudem wurde das Zierwerk an der Kopfleiste durch besondere Betonung zu einer Art Bekrönung erweitert. Markant ist außerdem, dass das Gemälde in der Art einer Gemme gefasst wurde. Außerdem fällt bei der Tönung der Oberfläche auf, dass der Naturholzton besonders stark hervorgehoben und die teilweise vergoldete Seitenleiste durch die Patinierung in dieses Farbenspiel integriert wurden.
Die drei beschriebenen Rahmen sind nur ein Bruchteil der Privatsammlung der Familie Heyn, die sich in der Stiftung Kunsthaus Heylshof in Worms täglich außer montags bewundern lassen. Infos im Internet unter www.heylshof.de

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