Handwerk

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Brian´s Corner: Passepartoutverzierung
Verblüffende Effekte dank Applikationen

In der Tradition von dekorativen Papierpassepartouts oder mit Aquarelltechniken aufgewerteten Passepartouts hilft ein ca. 15 mm breiter Zierrand oder eine zusätzliche Lage, das Bild zu akzentuieren. Passend dazu kann die Umfassung mit Mustern verfeinert sein – schon von jeher finden sich diese ja schließlich auf solchen dekorativen Rändern. Es kann sich dabei um eine Struktur handeln, aber ebenso natürlich um eine Applikation. Eine solche im Bereich des Zierrands oder der Lage zu integrieren, gehört zu den am stärksten unterschätzten, dabei aber vielseitigsten Formen der Passepartoutveredlung.

Passepartoutzuschnitte mit dekorativen Randelementen, die teilweise in die Bildfläche hineinragen, zu entwerfen, erfordert genaue Planung, Berechnung und Prüfung, um das Ganze passgenau und kunstvoll zu arrangieren. Die dekorativen Elemente bilden normalerweise den Abschluss der farbigen Linie, die das Bild einfassen und künstlerisch aufwerten. Gerade dann sind sie hilfreich, wenn man nach Fertigstellung des Passepartouts noch nicht zufrieden ist und mit einem leichten Eingriff den Entwurf verfeinern möchte.

Oftmals ist nur ein kleines Farbelement nötig. Aber auch Applikationen sind sehr einfach herzustellen, wenn es sich dabei auch nicht um eine klassische Technik handelt. Schneiden Sie ein Element aus und kleben Sie es auf das Passepartout. Dies erfordert wenig Planung, erzeugt eine reizvolle optische Tiefe und ist in jeder Hinsicht ein spontaner Akt. Sie können innerhalb von nur einer Minute Applikationen von unterschiedlicher Größe und Farbe herstellen. Außerdem lässt sich ihre Platzierung jederzeit ändern, so lange Sie diese noch nicht aufgeklebt haben.
Einsteiger sollten sich zunächst auf Applikationen mit einfachen geometrischen Formen wie Rechteck, Raute und Dreieck beschränken. Sie sind leicht zu schneiden und während des Experimentierstadiums, in dem Sie Ihre Lieblingsgröße sowie Ihre bevorzugten Farben und Kontraste entdecken, beliebig zu wiederholen.

Ausschneiden

Die abgeschrägten Quadrate und Dreiecke in unseren ersten Beispielen wurden mit einem manuellen Passepartoutschneider geschnitten. Quadrate lassen sich mit Hilfe des Schneidewerkzeugs absolut ebenmäßig herstellen. Womöglich besitzt das Gerät auch Vorrichtungen, um Dreiecke auszuschneiden. In der Zeit jedoch, dies herauszufinden und den Schnitt zu üben, könnten Sie bereits ein Dutzend Dreiecke mit Stift und Lineal gezeichnet und ausgeschnitten haben. Verwenden Sie nur ein paar davon sofort, schwelgen Sie ruhig ein wenig im künstlerischen Schaffensprozess.
Bei unserem ersten Beispiel sind die Applikationen klein – nur 7 mm im Quadrat. Der Abstand zwischen beiden beträgt nicht einmal 2 mm. Die Passepartoutlage ist 16 mm breit. Der Kontrast zu den darauf befindlichen Applikationen ist nur minimal, so dass diese praktisch mit dem Hintergrund verschmelzen.

Die Dreiecke im nächsten Beispiel besitzen verschiedene Größen, was das Zeichnen natürlich interessanter macht. Das größere der beiden ist 12 mm breit und 12 mm hoch, während das kleinere Seitenlängen von 9 mm aufweist. Der Zierrand des Passepartouts ist 17 mm breit. Die Dreiecke sind senkrecht und parallel zu seinen Kanten angeordnet und ragen innen leicht über ihn hinaus ins Bild..

Wenn wir wir über bestimmte Größen von dekorativen Elementen reden, bedenken Sie, dass die Größe des vom Passepartout eingefassten Bilds immer den Unterschied macht. Ist es nur 120 mm breit, so erscheint eine Applikation von solcher Größe – und übrigens auch jede ähnliche Dekoration – ziemlich groß. Ist der Passepartoutausschnitt allerdings 200 mm breit... Nun ja, Applikationen dieser „Größe“ werden in diesem Fall wohl tatsächlich als das wahrgenommen, was sie sein sollen: unauffällige, preziöse Details.

Aufkleben

Nehmen Sie vorsichtig mit der Spitze eines scharfen Messer die Applikation auf. Tragen Sie dann einen Abstrich aus weißem Leim auf der Rückseite auf. Stellen Sie sicher, dass kein Klebstoff hervortritt, wenn Sie das Element an die beabsichtigte Stelle platzieren. Das Säubern ist zwar oft, aber nicht immer möglich.

Der schwierigste Aspekt bei der Verklebung dieser Stücke ist die Einhaltung der Symmetrie. Ein paar Bleistiftstriche oder einige ablösbare Marker helfen bei der Platzierung. Allerdings werden Sie fast immer auch ihr geschultes Urteilsvermögen brauchen, um die richtigen Winkel und die filigranen Abstände abschätzen zu können. Arbeiten Sie schnell, aber ohne Übereile. Sie haben etwa zehn Sekunden, um die Applikation optimal zu platzieren, bevor der Leim aushärtet.

Eckapplikationen

Die instinktivste Art und Weise, Applikationen zu verwenden, besteht in der Platzierung an den Passepartoutecken. Diese Möglichkeit stellt geradezu die Vervollkommnung der Einrahmervorliebe für die Gestaltung von dekorativ geschnittenen Ecken dar.

Die Ecken der obersten Passepartoutlage in unserem nächsten Beispiel lassen sich einfach sowohl mit manuellen als auch computergesteuerten Passepartoutschneidern rechteckig auszuschneiden. Legt man nun dreieckige Applikationen über die Ecken, wertet dies das Passepartout auf, ohne dass eine weitere Passepartoutlage nötig wäre.

Die dreieckigen Elemente an den Ecken sind 19 x 14 mm groß. Sie sind in einem intensiven Rot gehalten – einer Farbe, die als 3 mm dicker Zierrand ums gesamte Bild viel zu aufdringlich wäre, die auf diese Weise aber ein kleines Funkeln ins Bild zaubert,

Einsatz von CMC-Maschinen

Bisher haben wir alle Applikationen mit einem manuellen Passepartoutschneider angefertigt. Eine CMC-Maschine dagegen könnte Dreiecke und Quadrate erheblich schneller schneiden. Sie werden sehen: So mehr Ideen Sie entwickeln, interessante Elemente mit geschwungenen Formen oder gespiegelte Applikationen entwerfen, umso schwerer werden Sie sich bei der manuellen Gestaltung tun. Eine CMC-Maschine eröffnet ihnen dagegen unendliche Möglichkeiten. Beachten Sie jedoch, dass der Reiz dieser Applikationen ihrer edlen Gestaltung entspringt. Wenn sie dekorative Akzente setzen sollen, müssen die Formen klein bleiben. Sollen sie dagegen komplexer werden, werden sie unweigerlich größer. In diesem Fall muss Ihnen klar sein, dass sie damit keine Akzente setzen, sondern einen richtiggehenden Blickfang erzeugen.

In unserem abschließenden Beispiel bestehen die Applikationen aus einer Raute mit geschwungenen Seiten, die auf einer CMC-Maschine zuschnitten wurden. Die Diamanten an der oberen Öffnung des Passepartouts sind etwas kleiner – 17 x 15 mm, jeweils von Spitze zu Spitze gemessen. Die Diamanten an der Unterseite besitzen dagegen eine Größe von 19 x 17 mm.

Wurden die roten Dreiecke im vorherigen Fall noch im 45°-Winkel ausgerichtet, genau im Einklang mit den dekorativ geschnittenen Ecken, so zeigt dieses Beispiel, dass die Applikationen nicht im üblichen 45°-Winkel ausgerichtet werden müssen. Statt dessen sind sie zwar an den Ecken positioniert, aber etwas höher angesetzt und leicht gekippt, ohne dabei die Korrespondenz zu den inneren Ecken des Passepartouts zu verlieren.

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© Der Kunsthandel 2010