Handwerk

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Vergolderstücke patinieren
Tönungen verändern die Gesamtwirkung

Die Arbeit des Vergolders gleicht für Laien alchemistischen Vorgängen, die am Ende einen wertvollen Rahmen oder ein anderes Vergolderstück hervorbringen. Aber auch Könner sind sich nicht immer einig über die einzelnen Arbeitsschritte. Hinzu kommt, dass viele alte Vergoldermeister ihre Rezepte nicht weitergeben und altes Fachwissen verlorengeht. Aber es geht auch anders: Vergoldermeisterin Karin Havlicek gibt ihr Wissen in dem anschaulichen und schön gestalteten Buch „Vergolden mit Blattgold“ mit vielen Tipps und Anleitungen an Anfänger und Profis weiter. DER KUNSTHANDEL stellt daraus das Thema Goldtönung – Patinierung vor.

Vor oder nach dem Auftragen des Schutzüberzugs kann eine Vergoldung getönt werden. Man kann mit einem leicht farbigen Überzug den Farbklang und das Aussehen der Vergoldung ändern – je nachdem, wie kräftig man die Lösung aufträgt und welche Hilfsmittel man benutzt – um das Gold beispielsweise künstlich älter erscheinen zu lassen. Im Folgenden werden die Begriffe Tönung und Patina mit gleicher Bedeutung verwendet. Wird die Tönung direkt auf der Vergoldung ausgeführt, ist zu bedenken, dass im Fall des Misslingens der Patina die hauchdünne Goldschicht verletzt werden könnte. Daher sei dringend angeraten, die Vergoldung zunächst mit einer Lackschicht, zum Beispiel mit Acryllack, zu sichern, um die Tönung besser steuern zu können.
Die Metallisierung kann farblich beliebig gestaltet werden. Wichtig dabei ist, dass die Tönung lange offen bleibt, das heißt die Patina lange auf der Fläche verstrichen werden kann. Zu beachten ist, dass Fehler, die beim Anschießen entstanden sind, nach einer Tönung deutlicher hervortreten. Fehler im Goldbild sollten vor dem Patinieren ausgebessert werden, danach ist es nicht mehr möglich. Eine gute Goldtönung auszuführen, erfordert sehr viel Erfahrung und Geschick. Unbedingt zu empfehlen ist, immer ein Musterstück mitlaufen zu lassen.

Tönungen auf Terpentinbasis

Die Farbpigmente werden nach und nach dem Terpentin zugegeben und mit einem Borstenpinsel am Rand des Glases angerieben. Dann kommt der Kunstharzlack hinzu. Die Patina muss gut umgerührt werden, bis die Pigmente fein verteilt sind. Die Pigmente lösen sich nicht auf, sie bleiben als kleine Festkörperchen in der Terpentin-Lack-Lösung erhalten. Das Terpentin hält die Patina lange offen, der Lackanteil übernimmt die Bindung. Das heißt, wenn das Terpentin nach dem Auftragen verdunstet ist, sorgt der Lackanteil dafür, dass die Pigmente auf der metallisierten Oberfläche haften. Die Pigmente Umbra und Siena ergeben einen angenehmen Braunton, die Zugabe von Eisenoxidschwarz bewirkt einen leichten Graustich, Titanweiß macht das Ganze puderig.
Die beste Unterlage für die Arbeit ist ein Stück Pappe oder Papier, etwas größer als das Werkstück, plan und sauber. Das Glas mit der Patinalösung stellt man am besten in ein stabiles Holzkästchen, damit es nicht umfallen kann, denn man muss sehr schnell arbeiten. Unmittelbar bevor man mit dem Auftrag der Lacklösung beginnt, rührt man sie nochmals um. Mit dem Borstenpinsel wird das ganze Werkstück gleichmäßig mit Patina eingelassen. Man stellt den Pinsel in der Patina ab und zieht mit einem Baumwolltuch einen Teil der Lösung möglichst flott wieder ab.

Lösung vorsichtig auftupfen

Direkt im Anschluss daran beginnt man, den Rest der Lösung, der sich noch auf dem Werkstück befindet, mit dem Rundpinsel zu verstupfen. Man setzt die Pinseltupfer direkt neben-, fast schon übereinander, um keine Fehlstellen zu erzeugen. Hat man vier- bis fünfmal gestupft, tupft man den Rundpinsel auf einem danebenliegenden Stück Pappe auf, um den Überschuss an Patina abzustreifen. Auf diese Art und Weise wird die Lösung gleichmäßig vertupft. Patina auf Kunstharzbasis sollte immer mager aufgetragen werden. Die Fläche des fertigen Werkstücks darf danach nicht berührt werden; es sollte im Liegen mindestens zwölf Stunden trocknen. Das Terpentin muss gut ablüften und der Kunstharzlack gut trocknen können.
Den Borstenpinsel reinigt man mit Terpentin. Die Patina ist in einem Gefäß mit Deckel einen Tag haltbar. Am Tag nach dem Auftrag erscheint die Oberfläche leicht rau, und möglicherweise haben sich in der langen Zeit, in der die Patina offen war, Fusseln auf ihr angesammelt. Mit den Fingern oder einem Tuch reibt man diese Partikelchen vorsichtig ab, ohne den Überzug zu beschädigen. Den Schutz der Patina kann man mit einem einmaligen Lacküberzug aus Schellack oder Acryllack gewährleisten. Dieser Überzug setzt voraus, dass das patinierte Werkstück mindestens zwölf Stunden getrocknet ist, da ansonsten ein Craquelé entstehen könnte. Ist die Patina misslungen, sollte sie möglichst schnell mit Terpentin abgenommen werden.

Tönungen auf Alkoholbasis

Tönungen auf Alkoholbasis trocknen schneller als Tönungen auf Terpentinbasis. Um den Lack herzustellen, löst man zunächst den Blätterschellack in Alkohol auf. Während der drei Stunden, die das Auflösen dauert, rührt man die Lösung immer wieder um, um Klumpenbildung zu vermeiden.
Alkohol ist flüchtig, was den Lack sehr schnell anziehen lässt. Daher fügt man dem angesetzten Schellack 0,1 Liter Butanol, einen langwertigen Alkohol, hinzu, wodurch der Lack besser und länger zu verstreichen ist. Den auf diese Weise hergestellten Lack kann man zeitlich unbegrenzt verwenden, wenn man ihn in einem luftdicht abgeschlossenen Gefäß bei normaler Raumtemperatur aufbewahrt. Zur Tönung werden dem Lack die in Alkohol aufgelösten Teerfarbstoffe hinzugefügt. Die angegebenen Farbstoffpulver werden in 0,1 Liter Alkohol aufgelöst. Die Mischung der Pigmente ergibt einen schönen Braunton. Die gelben und roten Farbstoffe sind ursprünglich sehr kräftig, sie werden durch das sehr intensive Schwarz gedämpft, und der blaue Farbstoff ergibt einen leichten Grünstich. Sind die Teerfarbstoffe vollständig aufgelöst, so wird die Alkohol-Pigment-Mischung mit etwa 0,3 Liter Schellack, der mit zehn Prozent Butanol versehen ist, vermischt. Die Tönung sollte stets auf ein Musterstück, vergoldet in genau der gleichen Art wie das Werkstück, zur Probe aufgestrichen werden.
Ist die Lacklasur zu zart, so erhöht man den Anteil an Farbstoffen, die stets zuerst in Alkohol aufgelöst werden. Ist die Lösung zu stark, so gibt man so viel von dem Schellack mit Butanol hinzu, bis der gewünschte Helligkeitsgrad eingestellt ist. Den Schellack kann man nun nochmals durch ein Sieb lassen, um zu vermeiden, dass noch nicht gelöste Farbpartikel in der Lacklösung bleiben, die dann beim Auftrag aufgehen könnten und regelrechte Farbstreifen hinterlassen, die nicht zu entfernen sind.

Zügig arbeiten

Mit einem weichen Haarpinsel wird der farbige Schellack sehr zügig und akkurat aufgetragen. Den Lackauftrag zu wiederholen, ist nicht möglich, da der Schellack reversibel ist; man würde hierbei die aufgebrachte Lackschicht anlösen und damit zerstören. Andererseits kann man den eingefärbten Schellack mit Alkohol und einem weichen Tuch wieder abnehmen. Tropfen oder Nasen sind zu vermeiden. Überschüssigen Lack im Pinsel streift man auf einem sauberen Papier oder einer Pappe aus.
Die Tönung auf Alkoholbasis mit Schellack ist je nach Einstellung des Schellacks mehr oder weniger glänzend. Je stärker der Schellack mit Alkohol verdünnt wird, desto matter ist das Endergebnis. Zu Bedenken ist, dass Schellack im Laufe der Jahre vergilbt und die alkohollöslichen Teerfarbstoffe nicht lichtecht sind, also verblassen können.

Tipps für die Patinierung

An Vertiefungen oder Gehrungen kann Patina nachrinnen. Daher sollte man unbedingt genau kontrollieren: Bildet sich eine Lackpfütze, so kann man versuchen, die überschüssige Flüssigkeit mit einem Tuch aufzusaugen und die Patina an dieser Stelle nochmals vorsichtig zu vertupfen.
Partien aus Mattgold, zum Beispiel Hohlkehlen, erhalten einen schönen Farbklang, wenn man eine Pigmentmischung aus 6 Teilen Umbra, 1 Teil Siena und 1 Teil Champagnerkreide trocken mit einem Borstenpinsel aufträgt. Voraussetzung hierfür ist, dass die Patina bereits trocken ist. Nach dem Aufreiben der Pigmente ohne jedes weitere Bindemittel bläst man die losen Partikel ab – eine zarte Schicht von Pigmenten haftet nun von unten auf der Patina. Auch Zigarrenasche ergibt interessante Effekte.

 

Karin Havlicek
Gollierstraße 13
80339 München
Tel.: 089 54070661
Fax: 089 54070659
www.rahmen-restaurierung-havlicek.de

 

Fachbuch mit Tipps und Rezepten vom Profi

Das Buch „Vergolden mit Blattgold“ veranschaulicht detailliert das Thema Vergoldung. Autorin Karin Havlicek erklärt Schritt für Schritt und mit aussagekräftigen Abbildungen Techniken wie Poliment-, Mixtion- und Anlegevergoldung sowie Überzüge und einige technische Raritäten wie Mordentvergoldungen. Zu allen Verfahren gibt es ausführliche Beschreibungen und wertvolle Rezepte.

„Vergolden mit Blattgold“ Gebunden, 192 Seiten, 49,95 Euro. Verlag: DVA Architektur. ISBN: 978-3-421-03713-8



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